Lörrach “Absage schmerzt sehr“

 Foto: Die Oberbadische

Nach der erneuten coronabedingten Absage des Lörracher Weindorfs sprach Guido Neidinger mit Thomas Wagner, dem Sprecher der AG Weindorf.

Frage: Herr Wagner, wie sehr schmerzt diese erneute Absage?

Ja diese Absage schmerzt in der Tat sehr. Jetzt haben wir aktuell auch noch dieses grandiose Sommerwetter. Es wäre sicher ein ganz tolles Weindorf geworden.

Frage: Die Inzidenzen befinden sich bereits auf einem sehr niedrigen Niveau, und es gibt immer mehr Präsenzveranstaltungen. Wäre da nicht zumindest ein reduziertes Weindorf möglich gewesen?

Natürlich macht man sich im Vorfeld sehr viele Gedanken. Ich bin auch stets im Austausch mit den anderen Teilnehmern. Aber wir mussten unsere Entscheidung zu einem Zeitpunkt treffen, da war diese Tendenz noch längst nicht zu erkennen.

Aus organisatorischer Sicht gehen wir bereits drei Monate vor Beginn solch einer Veranstaltung Verpflichtungen ein. Damals konnten wir dies nicht verantworten. Der Stadtlauf wurde auch schon sehr früh abgesagt.

Es gab Überlegungen, ob wir den Termin in den September verlegen, aber das wäre für die kleineren familiengeführten Weingüter schwierig geworden.Die Doppelbelastung von Ernte und Festbetrieb wäre nicht zu leisten gewesen.

Frage: Bedeutet der Verzicht auf diese seit vielen Jahren gelungene Werbung für den Wein auch wirtschaftliche Einbußen für die Aussteller?

Durch die abgesagte Veranstaltung an sich entstehen den Teilnehmern keine Kosten. Den Weinerzeugern fehlen in dieser Pandemie zahlreiche Möglichkeiten, Ihre Weine zu präsentieren. Das Weindorf ist dabei eine von vielen Veranstaltungen, bei der die Winzer Ihre Weine bewerben können.

Wein ist ein sehr emotionales Produkt. Da hängt sehr viel davon ab, ob die Weine auch verkostet werden können. Das Weindorf ist, wie Sie sagen, eine sehr gelungene Werbung für den Markgräfler Wein. Wir sehen das auch an dem seit Jahren sehr beliebten Probierpass, welchen wir anbieten. Viele nutzen damit die Möglichkeit, verschiedene Weine zu verkosten.

Die Winzer haben also durch den Wegfall solcher Veranstaltungen schon Nachteile.

Frage: Welche Weingenüsse hätten die Besucher des Weindorfs in diesem Jahr erwartet?

In diesem Jahr hätte natürlich vor allem bei den Weißweinen der 2020er Jahrgang im Vordergrund gestanden. Ein sehr guter Jahrgang. Die Lese begann 2020 sehr früh, teilweise schon im August und war Ende September bereits weitestgehend abgeschlossen. Die Weißweine sind sehr frisch und fruchtbetont.

Auch die Roséweine sind durchweg sehr lebendig und machen viel Spaß. Bei den Roten sind nun die 2019er und 2018er auf Flaschen gefüllt. Sehr ausgewogene und reife Weine.

Da das Weindorf nun nicht stattfindet, haben wir wieder ein Probierpaket für Zuhause zusammengestellt. Das Paket mit je einem Wein der teilnehmenden Betriebe ist ab Samstag in unseren Geschäften erhältlich. So kann jeder ein bisschen Weindorfgefühl mit nach Hause nehmen.

Frage: Welche Weine liegen derzeit gerade im Trend?

Der Jahreszeit entsprechend sind dies natürlich leichte, frische Weiß- und Roséweine. Und auch Winzersekt ist gerade sehr beliebt. Es gibt also nicht den einen Wein, der heraussticht. Die Geschmäcker sind zum Glück verschieden, sodass es auch für jeden etwas Passendes gibt. Schwere, gehaltvolle Rotweine sind im Moment nicht so stark nachgefragt.

Frage: Hat die Corona-Pandemie zu Umsatzeinbußen bei Winzern und Weinhändlern geführt?

Ja natürlich hat das auch bei Winzern und Weinhändlern zu Einbußen geführt. Die Gastronomie als wichtiger Absatzmarkt war geschlossen, und es fanden keine Feste, Feiern und Veranstaltungen statt.

Es wurde natürlich vermehrt zuhause konsumiert, doch diese Umsatzsteigerungen landeten vor allem im Lebensmittelhandel und bei den Discountern. Davon konnten nicht alle Winzer profitieren. Weinhändler mussten im ersten Lockdown Ihre Geschäfte sogar teilweise schließen. Auch Ihnen fehlen die Umsätze der Gastronomie und die Veranstaltungen.

Frage: Wie sehen Sie nach zweijähriger Pause die Zukunft des Weindorfs im Jahr 2022 und darüber hinaus?

Ich blicke natürlich grundsätzlich positiv in die Zukunft. Der Bedarf an solchen Veranstaltungen ist da, und die Menschen sind quasi hungrig danach. Wir werden also alles daran setzen, 2022 wieder ein Weindorf zu organisieren. Man muss aber davon ausgehen, dass uns dieser Virus in Zukunft immer begleiten wird.

Ich rechne also damit, dass Auflagen und Vorschriften mehr werden. Dabei bleibt zu hoffen, dass diese Art von Veranstaltungen auch weiterhin machbar sind. Aufwand und Kosten für derartige Veranstaltungen müssen in einem gewissen Rahmen bleiben.

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