Lörrach Atemmasken als Virenschutz

Lörrach - Die Corona-Krise und die angeordneten Schutzmaßnahmen dominieren unseren Alltag. Aber wie schützen sich Feuerwehrleute im Einsatz vor einer Ansteckung, und wie steht es um die Einsatzfähigkeit der Wehr in Quarantäne-Zeiten? Kristoff Meller hat sich mit Stadtkommandant Manuel Müller über die aktuelle Situation unterhalten.

Herr Müller, wie wirken sich die Corona-Krise und die angeordneten Maßnahmen auf das Verhalten der Feuerwehr im Einsatz aus?

Müller: Es ist natürlich nicht ganz einfach für uns, da wir im Einsatzfall tendenziell schon eher eng zusammen stehen müssen. Aber präventiv besetzen wir beispielsweise aktuell ein Löschgruppenfahrzeug nur noch mit sechs statt der üblichen neun Personen und fahren dafür lieber mit einem Fahrzeug mehr raus, damit die Einsatzkräfte nicht dicht an dicht sitzen. Ansonsten muss man den Einzelfall betrachten, Absprachen untereinander sind vor Ort natürlich auch mit zwei Meter Abstand möglich, das funktioniert ganz gut.

Gibt es besondere Schutzvorkehrungen und Verhaltensweisen im Umgang mit Verletzten?

Da ist immer die Frage, ob der Patient noch ansprechbar ist. Wenn ja, wird das ganz normale Muster abgefragt, das vom Robert-Koch-Institut auch für uns empfohlen worden ist. Also, ob derjenige in einem Risikogebiet war, einen positiven Abstrich hatte und so weiter. Ansonsten schützen wir uns präventiv, in dem wir die Atemschutzmasken aufziehen oder unsere FFP2-Masken einsetzen, die wir noch haben.

Sind sie noch ausreichend mit Schutzkleidung ausgestattet? Landrätin Marion Dammann hatte zuletzt einen Aufruf an Firmen gestartet, Einweg-Handschuhe und Schutzmasken an Kliniken und Pflegeheime zu spenden, weil diese dort sehr knapp sind.

Unsere Lagerbestände waren von Anfang an gut, allerdings nicht so gut, dass wir etwas zur Verfügung stellen könnten, sonst hätten wir uns selber ausgeblutet. Wir haben beispielsweise von Malerbetrieben FFP-Masken bekommen und sind darum aktuell noch gut ausgestattet, allerdings auch nicht mehr für lange Zeit. Wir müssen auch schauen, wo wir Nachschub herbekommen, jedoch haben andere Einrichtungen wie Krankenhäuser natürlich eine höhere Priorität. Zur Not gibt es bei uns die klare Ansage, dass die Einsatzkräfte Atemschutz, wie beim Brandeinsatz auch, anziehen sollen, wenn keine FFP-Masken mehr da sind, auch wenn das vielleicht bei kleineren Einsätzen etwas komisch aussehen mag. Die Sicherheit der Kameraden steht aber einfach im Vordergrund. Zudem haben wir schon jetzt angeordnet, dass die Schutzkleidung stets komplett, auch bei warmen Außentemperaturen, angelegt werden muss.

Dennoch kann es natürlich vorkommen, dass sich auch Feuerwehrleute mit dem Virus infizieren. Gab es schon entsprechende Fälle?

Wir hatten relativ am Anfang einen Kameraden, der aus einem Risikogebiet zurückgekommen ist. Der wurde aber zügig von seinem Arbeitgeber in Quarantäne versetzt. Ansonsten hatten wir bislang nur einen bekannten Fall. Bei uns ist die Einsatzfähigkeit darum derzeit noch nicht betroffen.

Das ist erfreulich, aber haben Sie einen Notfallplan entwickelt, um die Einsatzfähigkeit zu garantieren?

Bei uns muss man zwischen den hauptamtlichen und den ehrenamtlichen Kräften unterscheiden.­ Beim Hauptamt können wir im Tagdienst aktuell auf keinen verzichten. Wir können also nicht sagen, die eine Hälfte kommt vormittags und die andere nachmittags, das funktioniert nicht. Die Kollegen, die täglich auf der Wache sind, haben jedoch extreme Vorgaben bekommen und sitzen beim Frühstück beispielsweise über den kompletten Aufenthaltsraum verteilt. Anfang März haben wir bereits eine Dienstanweisung herausgeben, mit der wir den Dienstbetrieb der Feuerwehr, bis auf Einsätze, komplett eingestellt haben. Die persönlichen Kontakte unter den einzelnen Feuerwehrangehörigen im Ehrenamt so gering wie möglich zu halten ist unter anderem eine Maßnahme um die Leistungsfähigkeit unserer Feuerwehr aufrecht zu erhalten. Ansonsten gilt auch bei den wenigen Zusammenkünften „Abstand halten“ wo möglich und regelmäßig Hände waschen.

Kann die Lörracher Feuerwehr im Gegenzug aber vom vielfach angeordneten Home-Office profitieren?

Schließlich arbeiten viele Kameraden normalerweise nicht in Lörrach. Ja, das ist spürbar. Bei den jüngsten Einsätzen haben sich unsere Ausrückzeiten deutlich verbessert. Tagsüber benötigen wir normalerweise fünf bis sechs Minuten bis zum ausrücken, jetzt waren es eher drei bis vier Minuten. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass viele Einsatzkräfte daheim sind.

Auch die Bevölkerung verbringt aktuell wesentlich mehr Zeit in den eigenen vier Wänden, wirkt sich das auf die Anzahl und Art der Einsätze aus?

Die jüngsten Tage waren wieder etwas ereignisreicher, davor hatten wir aber wirklich mal vier Tage ohne Einsätze. Das ist völlig untypisch – normalerweise fahren wir zwei oder drei Mal pro Tag raus. Man merkt, dass die Leute überwiegend zuhause sind und eine Früherkennung beispielsweise bei verbranntem Essen stattfindet. Im Gegenzug hat die Anzahl der Einsätze wegen hilflosen Personen nicht zugenommen.

Wie wirkt sich denn die Corona-Verordnung auf den Theorie-Unterricht und die praktischen Übungseinheiten aus?

Wir waren eine der ersten Feuerwehren im Landkreis, die bereits Anfang März beschlossen haben, dass wir den Dienstbetrieb, bis auf den Einsatzdienst, komplett einstellen. In den jeweiligen Gerätehäusern dürfen sich auch nur Kameraden im Einsatz aufhalten. Da trifft sich niemand abends für Fortbildung. Den Theorie-Unterricht haben wir von Anfang an ausgeschlossen und diese Dienstanweisung auch schon für den April verlängert. Wir müssen einfach mal schauen, was der Mai bringt. Aktuell gilt: Wenn der Bürger unsere Hilfe benötigt, bekommt er sie, sonst läuft aktuell gar nichts.

Das gilt vermutlich auch für die Jugendfeuerwehr?

Ja, sie trifft sich derzeit nicht. Was für uns allerdings schwierig ist: Im Februar und März ist eigentlich der Ausbildungsstart, dieser Theorie- Unterricht fällt weg und auch einige andere Dinge, die wir geplant hatten, müssen wir nun verschieben, oder sie werden in diesem Jahr komplett ausfallen.

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