Lörrach Aus der glitzernden Fußballwelt zurück in der Heimat

Die Oberbadische
Fotos: Willi Vogl    Foto: Die Oberbadische

Mit Ottmar Hitzfeld hatte der „Seniorensommer“ den berühmtesten Lörracher der Gegenwart zu Gast.

Von Willi Vogl

Lörrach. „Der Anteil der Männer ist beim Podiumsgespräch mit Ottmar Hitzfeld enorm gestiegen“, freute sich Ute Hammler, die Organisatorin der Veranstaltungsreihe „Seniorensommer“. Während sich in die Veranstaltung „Tanz bis ins hohe Alter“ lediglich ein Mann verloren hatte, war das Publikum im Gemeindehaus St. Fridolin überwiegend männlich. Aber auch zahlreiche Damen unter den rund 50 Gästen wollten den Erinnerungen eines der erfolgreichsten Fußballtrainer der Welt lauschen.

Matthias Zeller animierte den gebürtigen Stettener zu teils sehr persönlichen Schilderungen, wie man sie in der offiziellen Vita Hitzfelds kaum findet.

Der inzwischen 70-jährige Hitzfeld hatte im Café des Gemeindehauses ein Heimspiel. Dabei hörte sich seine Entdeckung und sein Engagement als Spieler beim Nationalligisten FC Basel ziemlich unspektakulär an. Wenngleich er sich allenfalls langfristig Hoffnung auf den Eintritt in die 2. Mannschaft machte, wurde ihm nach einem Probetraining überraschenderweise sogleich ein Vertrag für die 1. Mannschaft angeboten. Unter Trainer Helmut Benthaus wurde er 1971/72 und 1972/73 Schweizer Meister und war zudem Torschützenkönig. Nach Stationen beim VfB Stuttgart, dem FC Lugano und dem FC Luzern beendete er nach zehn Jahren seine Karriere als Spieler.

Hitzfeld hatte mit einem Lehramtsstudium und dem Staatsexamen in Mathematik und Sport bereits 1973 für die Zeit nach der Karriere auf dem grünen Rasen vorgesorgt. Es sollte jedoch anders kommen. Das staatliche Schulamt forderte für den Eintritt in den Schuldienst eine Nachprüfung. Aus Verärgerung darüber beschloss Hitzfeld, die Trainerlaufbahn einzuschlagen.

Hitzfelds erste Trainerstelle beim SC Zug zwang ihn auf Konfrontation mit dem Präsidenten zu gehen, der den Club wie eine Baufirma führte und meinte, die Spieler mit der rüden Androhung von Gehaltskürzungen zu besseren Leistungen motivieren zu können. Das Ende der Halbzeitpause rettete Mannschaft und Trainer vor dem in der Kabine „herumpöbelnden“ Präsidenten.

Geschadet hat dieser Zwischenfall Hitzfeld nicht. Im Gegenteil. Wohl hat Hitzfeld durch Ereignisse wie dieses zu seinem persönlichen Stil gefunden. Dieser war geprägt von gegenseitigem Respekt und Vertrauen. „Nur so kann man mit gewissem Druck auch überzeugend Leistung einfordern.“

Als Spieler habe man mit dem vormittäglichen Training und der Freizeit am Nachmittag „einen schlanken Job“, plauderte Hitzfeld aus dem Nähkästchen. Das Trainerleben sei hingegen mitunter hart. „13 Umzüge, Tage und Wochen im Trainingslager. Als Trainer denkt man immer ans nächste Spiel und hat ständig Entscheidungen zu treffen. Man ist gleichsam auch mit dem Fußball verheiratet. Meine Frau hat es trotzdem 43 Jahre lang mit mir ausgehalten. Dafür bin ich ihr dankbar“, zieht der Erfolgstrainer seine familienbezogene positive Bilanz.

„Nur der 1. Platz zählte“, charakterisierte Hitzfeld seine fast unmenschlich herausfordernde erste Trainerzeit beim FC Bayern München. Das zehrt an den Nerven. Nachdem die Mannschaft in der Saison 2003/2004 keinen Titel holen konnte, zwang ein Burnout zu einer einjährigen Auszeit mit einem Rückzug in die Schweizer Alpen.

Mehrmals hat Hitzfeld nach eigenen Worten attraktive Jobs, zum Beispiel das Trainerangebot von Real Madrid oder die Nachfolge von Rudi Völler als Bundestrainer, die ihm Franz Beckenbauer schmackhaft machen wollte.

Längst lässt es Hitzfeld ruhiger angehen. Mit Blick auf seine glückliche Kindheit und Jugend in Lörrach genießt er auch mal ein gutes Buch oder besucht regelmäßig seinen Sohn Matthias und seine drei Enkel in München. Was ihn besonders sympathisch macht: Er hat trotz eines Lebens in der glitzernden großen Fußball-Welt nie vergessen, woher er kommt: aus Lörrach, genau gesagt aus Stetten, wo der Grandseigneur mit alemannischer Bodenhaftung seinen Lebensabend in der Heimat genießt.

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