Lörrach Ausgetrocknet: Über 200 Bäume müssen gefällt werden

 Foto: Kristoff Meller

Lörrach - Der wirkungsvolle Schutz von Bäumen im Stadtgebiet wird am Donnerstag im Gemeinderat diskutiert. Die jüngsten Schätzungen der Stadtverwaltung zeigen die Brisanz des Themas: In der kommenden Fällsaison müssen aufgrund der Trockenheit voraussichtlich über 200 Bäume gefällt werden – viermal so viel wie noch vor fünf Jahren.

Diese Folge des Klimawandels wird auch vor privaten Gärten nicht Halt machen und künftig für mehr Fällungen aus Verkehrssicherungsgründen führen, betonte Oberbürgermeister Jörg Lutz am Montag beim Mediengespräch im Rathaus. „Das wird auch eine Baumschutzsatzung nicht verhindern können, genauso wenig wie die Fällungen am Krottenweiher“, sagte der OB mit Blick auf die von den Grünen in ihrem Antrag geforderte Satzung.

Durch diese könnten bestimmte Baumarten ab einer gewissen Größe zum Erhalt festgesetzt werden. Sie könnten dann nur noch auf Antrag gefällt werden, wenn beispielsweise die Verkehrssicherungspflicht nicht eingehalten wird. Diese ist laut Stadtverwaltung meist durch den Eigentümer per Gutachten nachzuweisen.

Die Folge sei ein Mehraufwand für den Eigentümer und die Verwaltung, bei einem geschädigten Baum lasse sich die Fällung dennoch fast nie vermeiden: „Der Mehrwert der Baumschutzsatzung wird überinterpretiert, Baurecht und Verkehrssicherungspflicht stehen immer darüber“, erklärte Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic.

Ablehnung eine „rationale Abwägung“

Gleichwohl handle es sich „um ein hochemotionales Thema“ und eine Satzung zum Schutz von Bäumen könne „niemand emotional ablehnen“, betonte die Bürgermeisterin. Die ablehnende Haltung im Rathaus sei eher eine „rationale Abwägung“. Falls sich am Donnerstag im Ratsrund dennoch eine Mehrheit für die Einführung einer Satzung ausspreche, werde die Verwaltung diesem Wunsch natürlich entsprechen, sagte Neuhöfer-Avdic. Aber: Sowohl die Erstellung der Satzung wie auch deren Umsetzung sei nicht mit dem vorhandenen Personal realisierbar, hierzu wäre mindestens eine weitere Stelle notwendig – aufgeteilt auf die Verwaltung und Stadtgrün.

Neuhöfer-Avdic würde eine solche zusätzliche personelle Ressource lieber an anderer Stelle einsetzen: „Das wäre eine gute Möglichkeit, um den Klimaumbau der Bäume in der Stadt gut hinzubekommen.“ Nach dem Motto agieren statt reagieren könne die zusätzliche Fachkraft nicht nur den Eigenbetrieb unterstützen, sondern auch die vielen Ideen für zukunftsweisende Baumpflanzungen auf dem Markt sondieren, schlug Neuhöfer-Avdic vor.

Denn es stelle sich die Frage, welche Bäume aufgrund des Klimawandels und des zunehmenden Schädlingsbefalls künftig überhaupt noch als erhaltswert festgesetzt werden könnten. Aufgrund der rasanten Entwicklung der vergangenen Jahre, so die Stadtverwaltung, sei auch nicht sicher, dass eine Personalstelle für den derzeit geschätzten Mehraufwand ausreiche.

Mindestens 100 Neupflanzungen pro Jahr als Ziel

Statt einer Baumschutzsatzung empfiehlt die Rathausspitze neben der Unterschutzstellung einzelner Bäume als Naturdenkmal, die Festsetzungen bei der Aufstellung von Bebauungsplänen stärker zu prüfen. Dazu sollen flankierende Maßnahmen wie verstärkte Beratung, Informationsbroschüren und Veranstaltungen, Baumschenkungen sowie Sammelbestellungen intensiviert werden. Nicht zuletzt möchte die Stadt auch mit ihren Ersatzpflanzungen Vorbild sein. Neuhöfer-Avdic: „Wir möchten proaktiv mehr Bäume pflanzen, unser Ziel sind mindestens 100 Stück pro Jahr.“

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