Lörrach. Bei seinem Treffen im Dreiländermuseum Lörrach konnte das Netzwerk Geschichtsvereine am Oberrhein eine eindrucksvolle Zwischenbilanz ziehen. Auf Initiative des Dreiländermuseums vereinigt das Netzwerk über 300 historische Vereine in Baden, dem Elsass, der Nordwestschweiz und der Pfalz. Das vom Interreg-Programm der EU unterstützte Netzwerk dürfte das größte seiner Art in Europa sein.

Zur Vollversammlung waren am Wochenende über 50 Vertreter von Geschichtsvereinen ins Dreiländermuseum gekommen. Sie stehen für rund 10 000 Vereinsmitglieder, die am Oberrhein überwiegend ehrenamtlich aktiv sind. Ziel des vor zwei Jahren auf Initiative von Museumsleiter Markus Moehring gegründeten Netzwerks ist es, einen stärkeren Austausch und Dialog zwischen den Mitgliedern in Deutschland, Frankreich und der Schweiz herzustellen und dazu beizutragen, die stark national geprägten Geschichtsbilder zu überwinden.

Dem Netzwerk und seiner Geschäftsstelle im Dreiländermuseum ist es in den vergangenen zwei Jahren gelungen, eine Adressdatenbank mit mehreren hundert Geschichtsvereinen am Oberrhein aufzubauen und eine informative Website zu gestalten. Ein regelmäßig vom Dreiländermuseum herausgegebener Newsletter informiert über grenzüberschreitend interessante Aktivitäten der Vereine und wichtige Publikationen. Zu den Aktivitäten des Netzwerks gehörten nach der Gründungsversammlung 2012 im Elsass auch das grenzüberschreitende Geschichtskolloquium 2013 in Straßburg sowie zahlreiche Publikationen. Zentraler Koordinationspunkt für das Netzwerk ist das Dreiländermuseum.

Als Ansprechpartner für die Geschichtsvereine wählten die anwesenden Vereinsvertreter für die kommenden zwei Jahre in das Comité trinational aus Frankreich Gabriel Braeuner und Francis Lichtlé, aus Deutschland Dr. Werner Transier und Dr. Johanna Regnath sowie aus der Schweiz Dominik Wunderlin und André Salvisberg. Museumsleiter Markus Moehring gehört dem Comité kraft Amtes an. „Dass wir es in den vergangenen zwei Jahren geschafft haben, unsere grenzüberschreitenden Kontakte dauerhaft zu etablieren, ist ein großer Erfolg“, hoben Gabriel Braeuner und Werner Transier vom Comité trinational hervor und dankten insbesondere dem Team im Dreiländermuseum und seinem Leiter für die geleistete Arbeit.

2015 plant das Netzwerk ein grenzüberschreitendes Geschichtskolloquium im Schweizer Kanton Basel Landschaft, 2016 findet die nächste Vollversammlung in Speyer in der Pfalz statt.

Bei ihrem Treffen ging es den Delegierten natürlich aber keineswegs nur um organisatorische Fragen. Eine wichtige Rolle spielte der konkrete Austausch über historische Inhalte. So beleuchtete der Historiker Andreas Lehmann in seinem Festvortrag, wie unterschiedlich sich der Erste Weltkrieg in Baden, dem Elsass und der Nordwestschweiz auswirkte. Lehmann hat auch die wissenschaftlichen Texte für die aktuelle Ausstellung zum Ersten Weltkrieg im Dreiländermuseum verfasst.

Wie bei vielen Aktivitäten des Dreiländermuseums wurde vielen Anwesenden deutlich, wie wenig auch historisch Interessierte oft über die Geschichte des Nachbarlandes wissen. Das Treffen endete mit verschiedenen Führungen durch das Museum und zur traditionsreichen Geschichte der Textilindustrie in Lörrach. u Ausführliche Informationen über das Netzwerk unter www.dreilaendermuseum.eu oder unter www.netzwerk-geschichtsvereine.eu.