Lörrach Beteiligungsprozess als Bereicherung erlebt

Der Soziologe Harald Welzer bei seinem „Impulsvortrag“ im Burghof Foto: Veronika Zettler Foto: Die Oberbadische

Von Veronika Zettler

Lörrach. Die Ergebnisse des Zukunftsforums „WohnWandel: zukunftsfähig Leben und Arbeiten“ wurden am Montag im Burghof vorgestellt (wir berichteten). Rund 200 Besucher informierten sich.

Nach der Vorstellungsrunde herrscht dichtes Gedränge an den Präsentationsständen. Überall werden Pläne und Skizzen studiert, wird diskutiert und nachgefragt. An guten Ideen und genialen Visionen fehlt es nicht. Sie kommen von den rund 170 Personen, die sich fast ein Jahr lang intensiv mit dem zukünftigen Wohnen und Arbeiten in Lörrach beschäftigt haben.

Einer von ihnen ist Maxim Bode. Der DHBW-Student hat in der Gruppe „Gemischt genutzte Quartiere“ mitgearbeitet und unter anderem am Konzept eines genossenschaftlichen Regio-Markts getüftelt – ein Zusammenschluss von Einzelhandel, produzierendem Gewerbe und landwirtschaftlichen Betrieben der Region. Seine Bilanz der Projektarbeit fällt positiv aus: „Alle haben sich sehr engagiert“, erzählt er, „das hat Spaß gemacht“.

Die „Verschiedenheit der Menschen“ sei anfangs eine Herausforderung gewesen, sagte in der Vorstellungsrunde Isabell Schäfer-Neudeck von der Initiative „FairNETZt“. Und auch Architekt Fritz Wilhelm aus der Projektgruppe „Simpel und preiswert bauen“ räumte ein, dass er nach dem ersten Treffen „davonlaufen“ wollte, dann aber die „inhomogene Gruppe“ und das „viele Palaver im guten wie im schlechten Sinne“ zu schätzen gelernt habe.

So standen am Ende der gut dreistündigen Veranstaltung zwei Dinge fest. Erstens: Alle Mitwirkenden, ob Krankenschwester, Lehrer oder Architektin, haben den Beteiligungsprozess als Bereicherung erlebt. Zweitens: Nun müssen Strategien her, um zumindest die ein oder andere Idee in Taten, vielmehr: innovative Wohn-, Arbeits- und Lebensräume umzusetzen.

Zwischen Diskussion und Rundgang war der Vortrag des Soziologen und Sozialpsychologen Harald Welzer gebettet. Der blieb bei seiner eingangs angekündigten Methode und lieferte einen Vortrag bestehend „nur aus Vorbemerkungen“. Es waren indes die aus seinen Büchern bekannten: Lasst das Auto stehen, packt das Handy weg und lebt das Miteinander – so könnte man die Botschaft des 59-Jährigen zusammenfassen. Die Digitalisierung, insbesondere Smartphones, hält Welzer für eine Technologie, die Menschen „vereinzelt“ und die Gesellschaft entpolitisiert. Den Trend zum großen Auto nennt er „absonderlich“, die Entwicklung selbstfahrender Autos den „größten Schwachsinn“.

Hier und da erinnerten die betont knackigen Pointen an politisches Kabarett. Etwa wenn er die TV-Moderatorinnen Sandra Maischberger, Maybrit Illner und Anne Will als „Polit-Girls“ bezeichnete. Oder Journalistinnen, die im Vorfeld Interviews mit ihm geführt hatten, ein „Ja, aber“ ankreidete. „Ja, aber“ gehöre an andere Stellen, meinte er, und zog die zwei Worte wie einen roten Faden durch den 20-minütigen Vortrag. Die Medienschelte rückte ins Zentrum.

Und das Wohnen? Der soziale Wohnungsbau sei zuletzt „aufs Schändlichste vernachlässigt“ worden. Als gelungenes Beispiel für Beteiligung und Teilhabe betrachtet er das „Urban Gardening“. Sein Tipp in Sachen Beteiligung: Einfach machen. „Unsere größte Errungenschaft ist, dass die Menschen frei sind, zu handeln.“ Und: „Nicht erfolgreich ist das, was man gar nicht erst anfängt.“

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