Lörrach Brillant ganz ohne Effekthascherei

Roberto Bossard (rechts) mit Saxofonist Toni Bechtold. Am Bass schwelgt Raffaele Bossard. Foto: Veronika Zettler

Lörrach - Die Roberto Bossard New Group spielte am Freitag im Lörracher Jazztone. Und bot nicht nur Freunden der Jazzgitarre besondere Momente.

Die Band

Roberto Bossard brachte seine neue CD ins Jazztone mit. „Nostalgia“ heißt sie und ist vollgepackt mit eigenen Kompositionen und neuen Arrangements des Zuger Bandleaders. Begleitet wurde der „Schweizer Gitarrist des Jahres 1998“ von weiteren Größen der Schweizer Jazzszene: sein Sohn Raffaele Bossard am Bass, am Klavier Michael Arbenz, Dominic Egli am Schlagzeug, außerdem am Saxofon Toni Bechtold.

Letzterer stammt aus Deutschland, genauer aus Heidenheim an der Brenz, „er hat es aber in die Schweiz geschafft“, wie Roberto Bossard schmunzelnd verkündete.

Der Sound

Die Rhythmen entpuppen sich als anspruchsvoller, als beim ersten Hinhören vermutet. Fußwipper können sich bei so einem Takt schwerlich wohlfühlen, da in einem unbedachten Moment der Schuh davonfliegen könnte. Hier ein archaischer Einstieg, der in einen belebend-spritzigen Flow einmündet, in dem wiederum die Gitarre den Lead übernimmt, dort ein spartanisch-puristisch-eleganter Swing. Dann wieder volltönende Fülle, so strukturiert gespielt, dass allenfalls die Dissonanzen zur Ordnung rufen, wie ein Zuhörer meint.

Bei dem Drive muss nicht zuletzt der Pianist Haltung, Form und Disziplin bewahren und das tut der aus Basel stammende Michi Arbenz, der unter anderem auch schon mit seinem Trio „VEIN“ im Jazztone spielte. Roberto Bossard verbindet in seinem relaxten und wunderbar unprätentiösen Spiel sichtlich genussvoll moderne und klassische Elemente und löst aus seiner im Jahr 1949 gebauten Gibson ES 5 ein ums andere Mal kristallklare Klangskulpturen.

Die Setlist

Los geht es mit „In the Wee Small Hours Of The Morning“. Das Stück kommt auch vor im Film „Schlaflos in Seattle“, informiert Roberto Bossard, „nämlich da, wo sie den Apfel schält“.

Während der Zuhörer über diese Auskunft noch nachgrübelt, geht es schon weiter mit „Upward“ vom aktuellen Album und schließlich, als hätte die Band neue Saiten aufgezogen, um ein zigfaches energischer und mit einer Reminiszenz an John Coltranes abenteuerliche Harmoniefolgen mit dem Stück „Puffed“, bei dem sich Toni Bechtold mit cooler Geläufigkeit ins Gehör spielt.

Auch während eines Drumsolos von Dominic Egli lösen sich spontan kräftige Applaussprengsel. In „fremde Tasche iinefische“ (Bossard), das gefällt dem Quintett wie seinen Zuhörern bei der hinreißenden Ballade „Miss Otis Regrets She’s Unable To Lunch Today“, ursprünglich von Cole Porter, und bei Leonard Cohens „A Thousand Kisses Deep“, wiederum auf der neuen CD vertreten.

Nach der Pause bleibt der Klavierstuhl zunächst leer, aber Gitarrist Bossard, der auch als Dozent einen herausragenden Ruf genießt, übernimmt den Raum im Handstreich.

Das fulminante Stück „Babbit The Rabbit“ hinter sich lassend, manövriert die Crew gegen 22.15 Uhr in ruhigeres Fahrwasser, in dem jedoch die rhythmischen Strudel und Turbulenzen der Titelnummer „Nostalgia“ für Überraschungen sorgen. Zum Schluss laufen die fünf Musiker nochmal zur Hochform auf. Als Zugabe liefert die „New Group“ den Standard „I’ve Never Been in Love Before“. Viel Applaus.

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