Lörrach Corona belastet Haagener Jugendliche

Regine-Ounas-Kräusel
Max Sonnenmoser (v. l.), Katja Thiele und Jan Funke von der Dieter-Kaltenbach-Stiftung im Haagener Jugendraum nach der Renovierung im Oktober 2018. Foto: Archiv

Der Jugendraum Haagen wird ab 2022 geschlossen, weil die Stadt in Zeiten knapper Finanzen Geld sparen muss.

Von Regine-Ounas-Kräusel

Lörrach-Haagen. Rebecca Boutouraa und Katja Thiele von der Kaltenbach-Stiftung, die bisher den Jugendraum im Auftrag der Stadt betreuten, wollen aber auch in Zukunft als Ansprechpartnerinnen für Kinder und Jugendliche in Haagen unterwegs sein – vielleicht mit einem Bauwagen als Treffpunkt. Dies begrüßte der Ortschaftsrat am Dienstag.

Auch in der Vergangenheit wurde immer wieder einmal über eine Schließung des Jugendraums auf dem Schöpflin-Areal diskutiert, weil nur wenige Besucher kamen. Nun hat der Gemeinderat im Zuge der Haushaltskonsolidierung die Schließung beschlossen, um die Miete einzusparen.

Jan Funke, Leiter der Jugendarbeit bei der Kaltenbach-Stiftung, und seine Kolleginnen Boutouraa sowie Thiele betonten, wie wichtig Jugendarbeit sei, vor allem in Pandemiezeiten. In den Jugendraum Haagen kamen im Pandemiejahr 2020 bis Oktober 136 Besucher, seit März 2021 kamen 116 Besucher. Alle Jugendräume in der Stadt waren neun Monate geschlossen. Stattdessen machten die Betreuer Online-Angebote und suchten die Jugendlichen auf der Straße auf.

Allein in den Ortsteilen habe man 70 Jugendliche in Einzelfallhilfe unterstützt, ihnen zum Beispiel bei Bewerbungen geholfen, berichtete Funke. Auf Nachfrage von Christa Rufer (SPD) schilderte er, wie die Pandemie die Jugendlichen emotional belastet: Ein junger Mann habe auf nichts mehr „Bock“, nachdem er seinen 15. und 16. Geburtstag nicht feiern durfte.

Es belaste viele Jugendliche, dass sie kriminalisiert wurden und hohe Geldstrafen zahlen mussten, nur weil sie sich im Freien mit Freunden trafen. Funke bedauerte, dass die Stadt Gelder für die Kinder- und Jugendarbeit kürzen will: „Wir sehen einen hohen Bedarf.“

In Haagen besuchten die Jugendbetreuer im Februar 2020 die Grundschule, um die älteren Kinder in den Jugendraum einzuladen. Doch im Lockdown gingen die Kontakte wieder verloren, schilderte Funke. Als die Stadt dann zehn Prozent Kürzungen im Jugendbereich ins Gespräch brachte, habe er die Idee angesprochen, den Jugendraum zu schließen und die Jugendarbeit in Haagen anders aufzustellen.

Schockiert sei er gewesen, als ihn kurz darauf Bürger auf eine Schließung ansprachen. Offensichtlich gab es Kommunikationsprobleme. Denn Ortsvorsteher Horst Simon beschwerte sich am Dienstag: Er sei vom Rathaus erst einen Tag, bevor der Hauptausschuss des Gemeinderates über die Schließung beriet, darüber informiert worden.

Der Ortschaftsrat lobte die Jugendarbeit in Haagen. Dennoch überlegte Ulrike Krämer (CDU), ob die Jugendlichen nicht die Jugendräume in Hauingen und Brombach besuchen könnten. Christa Rufer (SPD) hielt dagegen eine Anlaufstelle direkt im Ortsteil für wichtig.

Funke und seine Kolleginnen schlugen vor, die Jugendarbeit in Haagen in einem Container, mit einem Jugendtreff im Freien oder in einem Bauwagen fortzuführen. Da ein Wagen mobil sei, könne man verschiedene Standorte, etwa bei der Schule, ausprobieren, sagte Funke. Außerdem könnten die Jugendlichen einen solchen Wagen selbst gestalten.

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