Lörrach Das Fazit: Es geht alles zu langsam

Gottfried Driesch
Photovoltaik ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur angestrebten Energiewende. Foto: Kristoff Meller

Um die Energiewende zu schaffen, muss kräftig Gas gegeben werden.

Der Umbau zu erneuerbaren Energien geht viel zu langsam vonstatten. Der „Runde Tisch Klima“ lud darum am Dienstag zu einer Diskussionsveranstaltung zu der Frage „Wie können wir die Energiewende in der Region durch finanzielle Bürgerbeteiligung beschleunigen?“ in den Werkraum Schöpflin ein.

Die Moderation hatte Mechtild Beucke-Galm, Mitglied des Sprecherteams des Runden Tisches, übernommen. In ihrer Bestandsaufnahme zeigte sie auf, dass in Lörrach im vergangenen Jahr der Anteil an Solarstrom lediglich 4,2 Prozent betrug. „Um die Klimaziele zu erreichen, müsste dieser Anteil verachtfacht werden“, so Beucke-Galm. Selbst auf öffentlichen Gebäuden sei der Anteil von Photovoltaik-Anlagen (PV) sehr gering. Um den angestrebten Energiemix im Jahr 2040 zu erreichen, müssten jährlich zehnmal so viele PV-Anlagen neu errichtet werden, als in den vergangenen zwei Jahren tatsächlich gebaut wurden.

Bürgerbeteiligung nötig

Um die hohen Investitionssummen aufzubringen, seien auch die Bürger gefragt. Dadurch könnten Energieprojekte schneller verwirklicht werden. Außerdem ergebe sich ein „Wir-Gefühl“ mit der Stadt, und die Akzeptanz der Baumaßnahmen würde erhöht.

Beucke-Galm machte folgende Rechnung auf, um den Zuhörern im Werkraum Schöpflin die Situation anschaulich zu machen: Das Geldvermögen (Bargeld, Tages- und Festgeldkonten) im Landkreis Lörrach beträgt statistisch knapp 8,6 Milliarden Euro. Wenn die Hälfte der Bürger nur ein Prozent für die Energiewende zur Verfügung stellen würde, so käme eine Summe von knapp 43 Millionen Euro zusammen. „Damit käme man einen großen Schritt weiter“, meinte die Moderatorin.

Beispiel Konstanz

Die Stadtwerke Konstanz haben ein solches Bürgermodell bereits verwirklicht. Gordon Appel, Leiter Energiedienstleistungen, war per Video aus Konstanz zugeschaltet. Mit dem Programm „Mit einem Darlehen in die regionale Energiewende investieren“ wurden mehrere PV-Projekte in Konstanz angestoßen. Für den Normalbürger böte sich hier ein Nachrangdarlehen an, bei dem wenig Verwaltungsaufwand bestünde. Mehr als 57 Prozent der Anleger würden diese Form wählen. Es habe sich gezeigt, dass die Bürger an der Energiewende beteiligt werden wollten, womit zugleich die Akzeptanz an den Maßnahmen zunehme. Die Höhe der Anlage je Bürger ist auf 25000 Euro begrenzt. Der Zinssatz liegt bei 2,5 bis drei Prozent.

Anwesende Bürger stellten besorgt Nachfragen nach den „Nachrangdarlehen“. Droht da nicht ein Totalverlust? Appel beruhigte. Stadtwerke seien auch als GmbH stets eine 100-prozentige Tochter der Kommune. „Und Städte können nicht insolvent werden“.

Thema Bürgerenergie

Seit elf Jahren arbeitet die Bürgerenergie Dreiländereck an der Errichtung von PV-Anlagen im Landkreis. Sie installiert solche Anlagen auf Dächern öffentlicher Gebäude, aber auch auf privaten Dächern. Dirk Uhrhan, Geschäftsführender Vorstand der Genossenschaft, stellte einige Projekte vor. Allein im laufenden Jahr konnten in Lörrach die Dächer der Albert-Schweitzer-Schule, des Kindergartens im Grütt und die Dächer des Conrad-Areals mit PV-Anlagen ausgestattet werden. Eine Genossenschaft wird streng kontrolliert, sodass die Geldanlage sicher ist, betonte der Geschäftsführer.

Die Genossenschaft hat aktuell 460 Mitglieder und betreibt 93 PV-Anlagen. Der angestrebte Zinskorridor für die Genossenschaftsanteile beträgt zwei bis drei Prozent. Derzeit gilt ein Aufnahmestopp, aber man kann sich auf eine Warteliste eintragen lassen.

Ein Problem bleibt: Nachts scheint keine Sonne. Darum sei der Bau von Speichermöglichkeiten genauso wichtig wie der von PV-Anlagen, sagte Uhrhan abschließend.

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