Interview nach der Bomebenentschärfung in Brombach Der Ehering bleibt beim Einsatz im Auto

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Lörrach-Brombach (mm). Bei knapp 70 Bombenentschärfungen war der 43-jährige Alexander Geiselhart vom Kampfmittelbeseitigungsdienst dabei, doch die in Lörrach war seine erste als Einsatzleiter. Nach dem Einsatz haben wir ihn gefragt, wie es gelaufen ist und warum er sich für diesen Beruf entschieden hat.

Frage: Wie fühlt man sich vor und während einer solchen Entschärfung?

Wir sind ein gut ausgebildetes Team und können entspannt an die Sache herangehen. Wenn man dann aber mit der eigentlichen Entschärfung beginnt, geht der Puls schon hoch. Aber es hat alles gut funktioniert und wir sind routiniert und hervorragend ausgebildet.

Frage: Die beiden Zünder der Bombe waren durchgeschlagen. War das eine besondere Situation?

Gerade beim Heckzünder weiß man es erst hinterher. Wir sagen, es ging einfach, aber es ist immer ein komplizierter Vorgang, bei dem wir generell vorsichtig sind.

Frage: Wie kommt man in diesen Beruf und was sagt die Familie dazu?

Ich mache das schon in der zweiten Generation. Das macht es in der Familie einfacher. Zuvor habe ich schon bei der Bundeswehr ähnliches gemacht – auch bei einem Einsatz im Kosovo mit der K-For. Nach der Dienstzeit habe ich mich beim Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) beworben. Ich bin stolz, so meinem Land dienen zu können. Früher nannte man uns die „Straßenkehrer des Krieges“.

Frage: Und was sagt Ihre Frau?

Sie hat mich schon als Kampfmittelbeseitiger kennengelernt. Aber sie weiß, dass wir behutsam und vorsichtig vorgehen und keine unnötigen Risiken eingehen. Nach Möglichkeit sprengen wir ja die Bomben, aber wenn das in Städten nicht möglich ist, schreibe ich meiner Frau und den Kindern noch Nachrichten und lasse den Ehering im Auto, bevor ich an die Bombe gehe, um schöne Erinnerungen zu hinterlassen.

Frage: Welche Schäden hätten angerichtet werden können, wenn die Bombe explodiert wäre?

Es wäre eine größere Detonation mit hohem Druck gewesen. Selbst im Umkreis von 300 bis 500 Metern hätten noch Scherben und Dachziegel durch die Gegend fliegen können. Zerstörungen hätte es auch an den Schienen und womöglich an Gasleitungen im Erdreich geben können. Das Erdreich hätte noch im Umkreis von einem Kilometer niedergehen können.

Frage: Was passiert nun mit der Bombe?

Die nehmen wir mit auf das Gelände des KMBD, wo sie eingelagert wird, bis sie dann in eine moderne Zerlegeeinrichtung in Nord- oder Ostdeutschland gebracht wird, wo sie umweltfreundlich nach heutigen Standards vernichtet wird. Bis vor ein paar Jahren haben wir sie noch auf unserem Gelände selbst vernichtet, aber das ist heute nicht mehr üblich. Damals wurden aus den Bomben auch Aschenbecher und ähnliches gemacht.

Frage: Immer wieder gab es beim Einsatz Verzögerungen, weil doch noch Menschen in der Evakuierungszone entdeckt wurden. Angepeilt war 17 Uhr zum Entschärfen. Aber dann vergingen noch einmal zweieinhalb Stunden. Ist das normal oder zehrt das an den Nerven?

Das ist durchaus noch im Rahmen. Das gibt es gerade in Gegenden, wo nicht so viele Bombenentschärfungen vorkommen. Wir bleiben da entspannt.

Frage: Welchen Einfluss hat das Wetter auf die Entschärfung?

Uns sind milde Temperaturen lieber. Wenn die Sonne auf die Bombe scheint, heizt sie sich auf und der Sprengstoff kann reagieren. Deswegen versuchen wir, die Bomben nach Möglichkeit abzudecken.

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