Von Kristoff Meller
Lörrach. Mit „Sport im Hof“ hat der Freundeskreis Asyl Lörrach (FKAL) für Flüchtlinge der Gemeinschaftsunterkunft an der Gretherstraße am Donnerstag ein neues Projekt lanciert, das zum Auftakt in ein sportliches Straßenfest mündete. Das Angebot  richtet  sich aber nicht nur an die Bewohner.

„Wusssssch“. Der orange Tischtennisball streift das Netz und fliegt von dort auf den gepflasterten Boden des Innenhofs. „Das war ein Fehler, du bist draußen“, versucht Sascha Kramer, Organisator von „Sport im Hof“, dem groß gewachsenen jungen Gambianer zu erklären. „No, no“, protestiert der und läuft einfach weiter auf die andere Plattenseite. Die Grundregeln des „Rundlauf“ beim Tischtennis sind in Afrika scheinbar nicht verbreitet. Niemand beschwert sich. „Egal, machen wir einfach weiter“, gibt Kramer nach und lacht. 

Bei „Sport im Hof“ geht es nicht um Wettkampf und Ambitionen. Vielmehr steht die Gemeinschaft im Mittelpunkt: „Die Idee dahinter ist es, die Menschen zusammenzuführen. Wir möchten nicht nur etwas für die Flüchtlinge  sondern mit den Flüchtlingen machen. Die Treffen sind auch offen für alle Interessierten aus der Bevölkerung“, erklärt Rolf Folk, der beim FKAL für die Finanzen verantwortlich ist.

Bereits seit November organisiert Sven Auerswald vom  FKAL ein wöchentliches „Bolzen“ für die Flüchtlinge auf den Flächen des FV Tumringen und FV Lörrach-Brombach im Grütt. Ein junger Spieler wurde laut Auerswald dabei sogar vom Platzwart „entdeckt“ und trainiert inzwischen im Verein mit. Nun wollten die Verantwortlichen ihr „Outdoor-Sportprogramm ausbauen“ und ein zusätzliches Angebot vor der Haustüre schaffen. Dabei kann theoretisch jede sportliche Aktivität, die im Hof umsetzbar ist, und für die das entsprechende Material mitgebracht wird, ausgeführt werden.

„Als nächstes würden wir gerne eine Fahrradwerkstatt einrichten“, erklärt Klaus Nack, einer der Gründer des Freundeskreises. „Unser Motto lautet, wir richten uns nach den Bedürfnissen der Menschen, die hierher kommen“, sagt Nack.

Während Projekte wie die „Kleiderkammer“ und die Sprachkurse bereits sehr gut angenommen werden, war das sportliche Angebot bislang auf das Bolzen im Grütt beschränkt. Doch an „Sport im Hof“ beteiligten sich gleich bei der Premiere zahlreiche Bewohner, und auch einige weniger Sportbegeisterte schauten vorbei.

Nun soll laut Heimleiterin Ulrike Krämer zunächst ein Teil des Parkplatzes im Innenhof zur autofreien Spielfläche und vier Wohnungen im Erdgeschoss in Gemeinschaftsräume  umgebaut werden. Eine Wohnung wird gerade zur „Kleiderkammer“, die übrigen werden bis zum Herbst umgewandelt. „Einen Tischkicker haben wir schon angeboten bekommen, wir haben nur noch keinen Raum dafür“, erklärt Krämer.

Jetzt werden sich einige der  derzeit 77 Bewohner erst einmal jeden Donnerstag im Freien treffen. Der Auftakt gibt Anlass zur Hoffnung, dass „Sport im Hof“ ein Selbstläufer als Treffpunkt – nicht nur für Sportbegeisterte –­ wird. „Mit dem Freundeskreis bekommen wir alles hin“, ist auch Ulrike Krämer  optimistisch und läuft mit ihrem Schläger zurück zur Tischtennisplatte. „Neue Runde!“

Kurzinfo:
„Sport im Hof“ findet künftig jeden Donnerstag von 16 bis 18 Uhr statt und ist offen für alle Interessierten. Der Freundeskreis Asyl sucht dringend nach einer zweiten Tischtennisplatte, die für den Außenbereich geeignet ist. Außerdem werden Regale für die Kleiderkammer gesucht, Spender können per E-Mail an presse@freundeskreis-loerrach.de Kontakt aufnehmen.
Mehr Informationen zu den Angeboten des Freundeskreises gibt es unter www.freundeskreis-loerrach.de