Lörrach Die großen Bs – ganz unkonventionell

Tonio Paßlick
Ondrej, Roman und Frantisek Janoska und Julius Darvas improvisieren virtuos. Foto: Tonio Paßlick

Von Tonio Paßlick

Lörrach. Mit atemberaubender, stupender Technik und ihrem eigenen berauschenden Janoska-Style verzauberten Ondrej, Roman und Frantisek Janoska und Julius Darvas ihr Publikum am Sonntag im Burghof. Das Neujahrskonzert bestand vor allem aus dem frischen Repertoire des vor vier Monaten produzierten Albums „The Big B’s“. Ihre persönlichen Favoriten seit dem Barock – von Bach, über Beethoven bis Brahms, ergänzt durch moderne B’s wie Bela Bartok und Dave Brubeck.

Die Mischung aus klassischer Musik, Jazz, Pop und anderen Stilelementen gipfelte in der Zugabe mit einem der virtuosesten Werke für Magier der Violine, dem Czárdás von Vittoria Monti – aufgepeppt mit einer überraschenden und ansteckend fröhlichen Strauss-Einlage und einem Medley aus Beatles-Melodien.

„Wir möchten die klassische Musik revolutionieren, indem wir sie freier gestalten“, wie Julius Darvas, der aus Konstanz stammende Sproß einer ungarischen Dynastie von Kontrabassisten, unverblümt preisgab. „Es ist unser Ziel, Virtuosität, Leichtigkeit und vor allem Improvisation erneut in der Klassik zu verankern.“

Vollendete Spieltechnik

Denn mit ihrer vollendeten Spieltechnik und ihrer autonomen Improvisationsfreiheit sprengen die vier Musiker seit 2013 alle Genres.

Das Publikum spürte schon zu Beginn des Abends beim Ungarischen Tanz Nummer 1 in g-moll, dass es sich dabei nicht um eine schlichte Adaption von Harmonien und Melodie-Folgen handelt, sondern um eine innovative, mitreißende Musik, die lebt und atmet. Oder wie Julius Darvas in der Moderation formuliert „eine neue Perspektive auf klassische Musik“. Das Improvisieren sei in der klassischen Musik verloren gegangen.

Wie später bei den Rumänischen Volkstänzen von Bartok greifen die vier Virtuosen musikalische Wurzeln aus Ungarn und Rumänien auf und vertiefen den Charakter der renommierten Originale durch neue Modulationen und viele Klangfarben, die in der dortigen Aufführungspraxis üblich sind.

Denn die drei Brüder aus Bratislava stammen aus einer Familie mit tief verwurzelter musikalischer Tradition, die höchste technische Perfektion mit einer tiefen Spiel- und Aufführungsfreude, einschließlich der Kunst der freien Improvisation kombiniert hat.

Hasardeur auf Tasten

Der Umgang mit großen klassischen Vorlagen erfolgt behutsam und dennoch aufregend unkonventionell. Die beiden Violinen haben keine Hierarchie, sondern improvisieren im Dialog. Der Pianist Frantisek Janosek übernimmt nicht nur perkussive und rhythmische Linien, sondern gibt als Arrangeur der Bearbeitungen auch den Puls vor. Und brilliert zugleich als Hasardeur auf den Tasten, der selbst in leidenschaftlich ausgelebten Paraphrasen eine betäubende Ruhe ausstrahlt. Dabei zeigt sich jeder der vier Virtuosen auch als Komponist – oft angeregt durch die eigenen Kinder. Vor Konzertbeginn bewies das Janoska-Ensemble fast eine Stunde lang schon seinen unverkrampften Umgang mit Kindern, als rund 70 Schüler in die Einspielprobe einbezogen wurden.

Sympathisches Ensemble

Und bei Dave Brubecks „Blue Rondo à la Turk“ im 9/8-Takt zeigte das sympathische Ensemble nicht nur seine Leidenschaft für Jazz, sondern auch seine Fähigkeit, die Instrumente umzudeuten, die Violine als Banjo einzusetzen, dem Flügel Harfenklänge zu entlocken und den Bass während des Spiels herunterzustimmen.

Ein Höhepunkt jagt den nächsten: Atemlos verfolgt das Publikum die augenzwinkernd eingeführte Eindampfung von Beethovens neun Sinfonien auf eine Miniatur von exakt neun Minuten. Das Doppelkonzert für zwei Violinen von Bach mit seiner Kanon-Einführung und Kadenzen ist wie maßgeschneidert für das Projekt „Klassik meets Jazz“. Eine einzigartige Synthese zwischen Original und neuer Interpretation.

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