Lörrach Die Oberrheinischen grooven

Jürgen Scharf
Fulminant und jazzig spielt der Schweizer Pianist Marc Hunziker mit dem Oberrheinischen Sinfonieorchester Gershwins „Rhapsody in Blue“ Foto: Jürgen Scharf

Nach dem umjubelten Auftritt in Wehr kommt das Oberrheinische Sinfonieorchester Lörrach mit seinem außergewöhnlichen Programm in den Burghof. Das Programm ist bemerkenswert.

So kennt man das Oberrheinische Sinfonieorchester noch nicht! Swingend und groovend, cool und jazzig. Bei seiner ersten Aufführung der „Rhapsody in Blue“, dem Instrumental-Hit von George Gershwin, in der Wehrer Stadthalle empfahl sich der Lörracher Klangkörper als energische Jazzband.

Mit umwerfendem Drive

Schon als das berühmte Klarinettenglissando (souverän geblasen von David Glenn) sich in die Höhe schraubt, hatten die Oberrheinischen gewonnen. Unter Leitung ihres dynamischen Dirigenten Siping Wang spielen sie diese „Blaue Rhapsodie“ mit umwerfendem Drive.

Fantastisch war der Schweizer Solist Marc Hunziker, der sich selber gar nicht Solist nennen will, sondern „Flügel-Botschafter“. Er hat diesen Allzeit-Bestseller mit toller Dynamik auf die Tasten gelegt und sich dabei als regelrechter „Flügelstürmer“ hervorgetan. Das jazzige Feeling, die stürmende Brillanz, die manuelle Technik und die rhythmische Präzision seines Spiels waren fulminant.

Lust an der Improvisation

Gespielt wurde nicht die originale Version, sondern eine Bearbeitung, in der Hunziker das Stück mit hörbarer Lust an der Improvisation mit spontanen Erweiterungen um effektvolle Wirkungen bereichern konnte. Ähnlich wie ein Wayne Marshall nutzt er den Klavierklassiker, der E- und U-Musik verschmilzt, als „Steinbruch“ für freie Improvisation. Mit den eingefügten Jazznummern schreibt er so den improvisatorischen Geist dieser typischen amerikanischen Musik fort.

Einmal klingt es verdächtig nach Rachmaninows zweitem Klavierkonzert, aber das ist wohl ironisches Augenzwinkern, schließlich saß Rachmaninow selbst im Komitee, das die Rhapsody damals 1924 auswählte. Das Orchester kam als „Big Band“ wunderbar zurecht mit den jazzigen Akzentuierungen, Rhythmuswechseln und Tempoverschiebungen. Diese Jazzversion zeigte den altbekannten Klassiker in einem neuen Licht.

„Summertime“ als Bonbon

Als „Bonbon“ gab es danach den Song-Standard „Summertime“ aus Gershwins Oper „Porgy and Bess“ in einem Arrangement zwischen Filmmusik, südamerikanischen Rhythmen und Swing-Passagen. Angereichert war diese Fassung mit Streicherteppich und Klaviergirlanden, in denen Hunziker ein weiteres Mal glänzen kann.

Mit „Wumms“ gespielt

War dieser unterhaltende Teil schon mit dem rechten „Wumms“ gespielt, wie man heute so schön sagt, so ziehen die Musiker in den klassischen Programmpunkten, der Mozart-Ouvertüre zu „Don Giovanni“ und der siebten Beethoven-Sinfonie, ihre Zuhörer mit dramatischer Wucht in den Sog der Musik. Die „Siebte“ von Beethoven, die Wagner als „Apotheose des Tanzes“ bezeichnet hat, ist eine absolute Herausforderung für ein Amateurorchester, gerade was die Intonation betrifft.

Siping Wang legt sie heroisch an und führt seine Musiker und das Publikum mit Elan in einen Taumel der Ecksätze bis ins tumultuöse Finale, aufgebrochen durch die innere Spannung des berühmten zweiten Satzes. Dieses ruhig schreitende Allegretto wurde, wie schon bei der Uraufführung der Sinfonie, da capo gegeben.

Adventskonzert am Sonntag, 3. Dezember, 17 Uhr, Burghof Lörrach

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