Lörrach Die Stadt will hoch hinaus

 Foto: /Grafik: zVg     

Lörrach - Auf dem 1,8 Hektar großen Gelände nördlich des Engelplatzes sollen 90 innenstadtnahe Komfort-Wohnungen entstehen. Vor allem das geplante Hochhaus wird zunehmend zum Zankapfel. Das wurde in der Sitzung des Gemeinderats am Donnerstag deutlich.

Mit deutlicher Mehrheit hat der Gemeinderat den Bebauungsplan für die städtebauliche Entwicklung des Quartiers nördlich des Engelplatzes auf den Weg gebracht. Was hier scheinbar so unproblematisch daherkommt, ist in Wirklichkeit ein politisches Problem.

Im Gemeinderat sorgte vor allem das geplante Hochhaus am Engelplatz mit einer Höhe von 44 Metern für heftige Kontroversen mit einer weit über eine Stunde andauernden Diskussion. Innerhalb des Rats stemmt sich nur die Fraktion der Grünen gegen das Hochhaus. Auch die beiden FDP-Stadträte sind nicht damit einverstanden.

Erheblicher Gegenwind kommt außerdem aus den Reihen der Anlieger. Der Einwand von Richard Pottstock: „Das ist nicht bürgernah“, klingt noch am harmlosesten. In weiteren Wortmeldungen war die Rede von einer „unfassbaren Häuserschlucht“, dass den Bürgern „Honig ums Maul geschmiert“ werde oder die Stadt gar „einen ortsfremden Investor massiv bereichern“ wolle.

Allerdings sind sich nicht alle Anwohner in dieser Einschätzung einig. Kurt Spittler stört sich überhaupt nicht an dem „eher schmalen“ 14-stöckigen Hochhaus. Die Verschattung, so rechnete er vor, betrage im Hünerbergweg maximal 1,5 Stunden täglich. Das sei akzeptabel.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die hochpreisigen Wohnungen, die hier entstehen sollen. Das, so hieß es von Bürgerseite, seien Wohnungen, die „sich kein durchschnittlicher Lörracher leisten kann“. Stattdessen werde hier für vermögende Schweizer Rentner gebaut.

Ähnlich argumentierte auch Fritz Böhler für die Grünen. Er begrüßte die Schaffung weiteren innenstadtnahen Wohnraums, bemängelte aber, dass die Wohnkosten durch dieses Projekt „weiter nach oben getrieben“ würden. Das Hochhaus sorge zudem dafür, „dass der Quartiersfrieden dauerhaft aufs Spiel gesetzt wird“. Böhler sprach von einem „unnötigen Dichtestress, nur um ein Maximum an Rendite des Investors“ zu erreichen. Die Grünen plädieren statt des Hochhauses für ein sieben- bis achtgeschossiges Gebäude in Holzkonstruktion.

Andere Töne verlauteten von CDU, SPD und Freien Wählern, die später für die Mehrheit zugunsten des Bebauungsplanverfahrens mit Hochhaus sorgten.

Christiane Cyperrek (SPD) bedauerte, „dass das Projekt nur auf das Hochhaus reduziert wird“. Die Firma Vukovic lobte sie als kreativen und umgänglichen Investor, der ursprünglich gar kein Hochhaus geplant habe, Dieser Vorschlag sei vom Gestaltungsbeirat gekommen. Zudem gebe es bereits mehrere Hochhäuser in der Umgebung, sodass auch dieses „gut machbar“ sei. Die Sorgen der protestierenden Bürger bezeichnete Cyperrek als „legitim und verständlich“. Sie warf ihnen aber vor, nicht ehrlich zu argumentieren, sondern „mit vorgeschobenen Gründen“ zu operieren.

Alfred Kirchner (CDU) betonte, dass seine Fraktion „das Vorhaben aus Überzeugung mitträgt, weil es wichtigen Wohnraum in zentraler Lage schafft“. Den Grünen unterstellte Kirchner, einerseits gegen Flächenversiegelung zu kämpfen, dann aber den geringeren Flächenverbrauch durch das Bauen in die Höhe nicht mitzutragen. Da in Zukunft über weitere Hochbauten diskutiert werden müsse, forderte Kirchner ein „Hochhauskonzept für die gesamte Kernstadt“. Die SPD spricht sich gar für eine kommunale Entwicklungsgesellschaft aus.

Jörg Müller (Freie Wähler) sieht in der Schaffung hochpreisigen Wohnraums nördlich des Engelplatzes kein Problem. Vielmehr werde dadurch Wohnraum im mittleren Preissegment frei. Auch das Hochhaus ist für die Freien Wähler „verträglich“. Sein Fraktionskollege Matthias Lindemer ergänzte: „Wir setzen hier nicht die Wünsche des Investors um, sondern das Ergebnis eines Wettbewerbs.“

Für eine „gemäßigtere Bebauung ohne Hochhaus“ plädierte Matthias Koesler (FDP). Das Hochhaus dominiere die Umgebung und wirke wie ein Fremdkörper.

In einem emotionalen Redebeitrag betonte Margarete Kurfeß (Grüne), gegen das Hochhaus zu stimmen, weil Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic den Architekten mit den Worten: „Planen Sie mal kräftig“ zu einem großen Hochhaus ermuntert habe. Zudem sei es „nicht angenehm, in der Nachbarschaft eines massiven Hochhauses zu wohnen“.

Die Bürgermeisterin sagte zu, dass der Anhörungszeitraum im Bebauungsplanverfahren von vier auf sechs Wochen erweitert werde. Oberbürgermeister Jörg Lutz versuchte, die Wogen etwas zu glätten mit der Erklärung, „dass morgen ja nicht die Bagger anrollen“ und „eine Veränderung in jede Richtung noch möglich ist“ – also auch weg vom Hochhaus. Alle Bedenken und Anregungen würden in die weiteren Planungen eingearbeitet, versprach auch Neuhöfer-Avdic.

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