Lörrach Die Vergänglichkeit alles Irdischen

Foto: Arnim Weischer Foto: Die Oberbadische

Am 10. Mai 1760, morgen vor genau vor 260 Jahren, wurde Johann Peter Hebel in Basel geboren. Im widmet sich ein Bericht der Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Hebel gilt heute als der bedeutendste alemannische Mundartdichter. Um 1800, im Zeitalter der Romantik, wurde das Mittelalter als ideale Vergangenheit wiederentdeckt – Burgruinen galten als Sinnbild einstiger Macht. Damals entstand auch Johann Peter Hebels berühmtes Gedicht „Die Vergänglichkeit“ über die Burg Rötteln.

Lörrach. Johann Peter Hebel wurde als erstes Kind von Johann Jakob und Ursula Hebel in Basel geboren und kannte die Burg seit seiner Kindheit. Hebels Vater, der aus dem Hunsrück nach Südbaden gekommen war, starb bereits 1761 an Typhus und ebenso seine jüngere Schwester Susanne. Fortan lebte er zur Hälfte in Basel und zur anderen Hälfte in Hausen im Wiesental, dem Heimatort seiner Mutter. Ein Fußmarsch von einer Stunde verbindet Hausen mit der nahen Burg Rötteln. Als Hebel 13 Jahre alt war, starb auch die Mutter. Ein kleines Vermögen und die Unterstützung einiger Gönner ermöglichten dem begabten Waisenknaben den Besuch des Gymnasiums in Karlsruhe.

Lehrer, Dichter und Kirchenmann

Nach der Schulzeit studierte er an der Universität Erlangen evangelische Theologie. 1780 bestand er in Karlsruhe die Staatsexamensprüfung und wurde unter die Kandidaten für ein Pfarramt aufgenommen. Da er dort keine Stelle erhielt, begann er zunächst als Hauslehrer zu arbeiten. 1791 kam er als Theologe und Lehrer nach Karlsruhe. 1819 wurde er Prälat der lutherischen Landeskirche und dadurch Mitglied der badischen Ständeversammlung. Als Abgeordneter kümmerte er sich um Bildungs-, Kirchen- und Sozialpolitik.

Zeit seines Lebens sehnte sich Hebel nach dem heimatlichen Wiesental. Längst erfolgreicher Theologe träumte er von einer Pfarrstelle in einer kleinen Landgemeinde. Doch er wurde, wie er selbst sagte, „immer weiter von dem Ziel meiner bescheidenen Wünsche hinweggeführt“. 1799 schrieb er, nach einer Reise ins Wiesental, inspiriert von der Sehnsucht nach der Heimat, seine alemannischen Mundartgedichte. In den 32 Gedichten stellte er Lebensart, Landschaft und Dialekt seiner Heimat dar. Die zuerst anonym veröffentlichten Gedichte verhalfen dem alemannischen Dialekt zu literarischen Ehren.

Eines der berühmtesten Gedichte von Johann Peter Hebel nimmt die Burg Rötteln zum Gegenstand. Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts zerstört, war die Burg für die umliegenden Dörfer ein beliebter Steinbruch.

Über 100 Jahre dauerte dieser Zustand, bis die Burgruine das Interesse von Künstlern weckte: Im romantischen Verständnis wurde sie zum geheimnisvollen und geschichtsträchtigen Denkmal. Nun begann man, dem Verfall Einhalt zu gebieten und die Bausubstanz zu sichern. Um 1800 besuchten die ersten Maler und Dichter die Burgruine Rötteln. Einer von ihnen war Johann Peter Hebel.

Hebels Gedicht über das Röttler Schloss

„Wenn mer‘s Röttler Schloß so vor den Auge stoht, se denki dra, öb‘s üsem Hus echt au e mol so goht“, heißt es in Hebels Gedicht „Die Vergänglichkeit“. Es geht um Sterben und Vergehen.

Vor der Kulisse der zerfallenen Ruine erklärt der Großvater dem Buben die Vergänglichkeit alles Irdischen: Die stolze Burg Rötteln, einst ein Sinnbild der Macht, wurde im Laufe der Jahrhunderte zur Ruine – und so wird es der ganzen Welt ergehen. Hebel hat in diesem Gedicht auch eigene Erfahrungen vom Tod seiner Mutter verarbeitet.

Hebels Mundartgedichte wollte zuerst kein Verleger herausgeben. Die erste Auflage erschien noch anonym. Doch schon bald hatten seine Gedichte einen überwältigenden Erfolg und machten ihn berühmt: Markgraf Karl Friedrich von Baden – Hebels Landesherr – ließ sich von ihm die Gedichte vorlesen, Johann Wolfgang von Goethe schrieb eine positive Rezension. Besonders gerühmt wurde die Verbindung von volkstümlichen Motiven mit tieferen Aussagen und Gedanken.

Beliebtes Ausflugsziel ab dem 19. Jahrhundert

Das Interesse der Bevölkerung und der Künstler der Romantik führte dazu, dass noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erste Sicherungsarbeiten an der Burg durchgeführt wurden. Rötteln wurde ein Ausflugsziel, zugänglich über komfortable Fußwege und ausgestattet mit Sitzbänken zur Betrachtung des Monuments. 1853 nahm sie der erste Denkmalpfleger im Großherzogtum Baden in seine Obhut.

Seit 1926 betreut der Röttelnbund die Burgruine: Er hält die Mauern instand, erforscht die Geschichte der Burg und macht sie durch ein Museum anschaulich. Ein zweiter Verein betreibt seit 1968 die berühmten Röttler Burgfestspiele.    Aktuell ist die Oberburg allerdings aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen. Mehr Informationen unter www.burgruine-roetteln.de und www.schloesser-und- gaerten.de

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