Lörrach Ein Akt der Solidarität

Die Oberbadische, 12.06.2018 22:19 Uhr

„Spende Blut. Erst wenn’s fehlt, fällt es auf!“ Unter diesem Motto steht am morgigen Donnerstag der 15. Internationale Weltblutspendertag. In Deutschland spenden Jahr für Jahr rund 1,7 Millionen Menschen Blut. „Ein Akt der Solidarität“, sagt das DRK als Hauptorganisator.

Von Peter Ade

Lörrach. In den kommenden Jahren wird der Anteil an Patienten mit einem hohen Alter oder mit komplexen chirurgischen Eingriffen in den Krankenhäusern stetig steigen. Obendrein wird es auch in Zukunft Notfallpatienten mit einer akuten Blutungssituation geben. Für sie ist eine Transfusion mehrerer Fremdblutkonserven lebensrettend.

Die drei Kliniken des Landkreises und das St. Elisabethen-Krankenhaus arbeiten eng mit dem Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) zusammen. Er versorgt die Häuser mit Spenderblut und Blutbestandteilen, so dass in den Kliniken selbst keine Entnahmen stattfinden müssen.

Im Jahr 2017 wurden die vier Häuser mit insgesamt 5158 Blutpräparaten „bedient“. Bürger spendeten bei 52 öffentlichen Aktionen im Landkreis Lörrach 9635 Mal, darunter waren 764 Erstspender.

Der Bedarf der Kreiskliniken und das Spendenaufkommen stehen allerdings in keinem direkten Zusammenhang. „Wir gewährleisten die Versorgung insgesamt, es hilft eine Region der anderen“, erläutert Pressesprecherin Stefanie Fritzsche vom DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg/Hessen im Gespräch mit unserer Zeitung.

Angesichts des steigenden Bedarfs ist es laut Fritzsche wichtig, laufend neue Spender zu gewinnen. Dafür sorgen vor Ort der DRK-Kreisverband und seine Ortsvereine. Der jüngste Lörracher Termin – vier bis fünf sind es in der Kreisstadt insgesamt pro Jahr – verlief mit 210 Spendenwilligen, 28 Erstspendern und 14 Rückstellungen erfolgreich.

Gesundheits-Check vor der Entnahme

Als „besonders erfreulich“ wertet Bereitschaftsleiterin Kathrin Maurer, dass 28 „Neulinge“ gekommen warten, die allesamt versicherten, an künftigen Aktionen wieder teilnehmen zu wollen. „Wir würden uns auch freuen, wenn der eine oder andere Spender bereit wäre, als Helferin oder Helfer aktiv an Aktionen mitzuwirken.“ Mitgliedschaft im DRK sei dazu „nicht unbedingt erforderlich“, betont Maurer.

Mehrfachen Blutspendern ist das Entnahmeverfahren bereits bekannt. Wer jedoch erstmals spendet, hat wahrscheinlich viele Fragen oder auch Bedenken. Was passiert bei einer Blutspende eigentlich genau? Wie lange dauert sie? Was muss ich beachten?

Wer Blut spenden möchte, muss gesund sein. Das ist Grundvoraussetzung für den Eigenschutz und zum Schutz der Empfänger. Zur Beurteilung der persönlichen Situation muss deshalb ein Fragebogen ausgefüllt werden.

An der nächsten Station wartet ein kurzer Gesundheits-Check. „Wir bestimmen mit einem winzigen Tropfen aus Ohrläppchen oder Fingerkuppe die Konzentration des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin, Hb-Wert), so dass auch nach der Blutspende der Körper noch ausreichend Reserven für den Sauerstofftransport hat“, erläutert der zuständige Arzt.

Nach der Untersuchung werden während fünf bis zehn Minuten etwa 500 Milliliter Blut entnommen. Danach sind Ruhepause und Entspannung angesagt. Schließlich wird „aufgetankt“. Es gibt einen Imbiss sowie Heiß- und Kaltgetränken. Reichlich trinken hilft dem Körper, den Flüssigkeitsverlust schnell auszugleichen.

Während der Spender seinen gewohnten Tagesablauf fortsetzt, geht für den Blutspendedienst die Arbeit weiter: Das Blut wird im Labor getestet. Falls Werte von der Norm abweichen, bekommt der Spender umgehend Nachricht.

Spenderblut wird zum Arzneimittel

Bis das gespendete Blut bei einer Transfusion zum Einsatz kommt, wird es in kürzester Zeit zum Arzneimittel. Vom Eintritt des Blutspenders in den Spendenraum bis zum Einlagern der aufbereiteten und getesteten Blutkonserve im Depot, von wo aus die Kliniken die Präparate abrufen können, vergehen etwa 24 Stunden.

Mit einer großen Kampagne will das DRK in diesem Jahr 100 000 neue Spender gewinnen. Es sei wichtig, neue Bevölkerungsgruppen zu mobilisieren. „Nur so kann in Zukunft die lückenlose Versorgung mit Blutpräparaten gewährleistet werden“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Die Herstellung von Blutpräparaten aus gespendetem Blut sowie die Abläufe bei einer Spende, bei der Aufarbeitung des Blutes und bei einer Bluttransfusion unterliegen in Deutschland dem Arzneimittelgesetz, das strikte Auflagen enthält. Oberstes Gebot ist die Sicherheit. Alle Vorgänge werden genau dokumentiert und es muss stets nach modernsten Qualitätsstandards gearbeitet werden. Der DRK-Blutspendedienst ist zur Wahrung der Anonymität der Spenderdaten – auch auf der Basis der neuen Datenschutzgrundverordnung – verpflichtet.