Tag der Demokratie Ein Appell für das „Zusammen“

Anja Bertsch

In Erinnerung an die Ausrufung der Republik durch Gustav Struve am 21. September 1848 feierte die Stadt Lörrach gestern zum achten Mal den „Tag der Demokratie“. Im Zentrum des Festaktes vor dem Alten Rathaus stand die „Revolutionsrede“ des sächsischen Publizisten und Politikers Dirk Neubauer.

Von Anja Bertsch

Lörrach . Dieser machte das „Zusammen“ zum Leitmotiv seiner Beitrages – ein Zusammen, „das uns ausmacht, Frieden hält und Wohlstand bedeutet“. Ein Zusammen jedoch auch, von dem sich Deutschland zuletzt weit entfernt habe: „Mehr und mehr zerfasert unsere Gesellschaft in kleinste Gruppen“, so Neubauers Diagnose – über Corona und Ukrainekrieg, über Klimakrise und Energiedeseaster, über Unsicherheit, Angst und Neid.

Mit diesem „Zusammen“ und der damit eng verbundenen Solidarität auch über die Grenzen des eigenen Landes und Kulturkreises hinaus aber würde über kurz oder lang auch die Demokratie verschwinden. „Was folgen würde, wäre die Diktatur“, warnte Neubauer, der als in der DDR Aufgewachsener eine ebensolche erlebt hat.

Zurück an die Verhandlungstische unseres Lebens

Dieser düsteren Diagnose stellte der Redner seinen Appell entgegen: „Wir müssen zurück an die Verhandlungstische unseres Lebens – öffentlich und privat“.

Diese grundsätzliche Botschaft unterfütterte er mit konkreten Beispielen und Vorschlägen. Tatsächlich sei Existenzangst vielen Menschen dieser Tage nicht fremd, und Protest verständlich und legitim.

Die Lösung jedoch liege nicht in Hass und Egoismus und grundsätzlicher Infragestellung von Werten und Demokratie – statt dessen in Diskurs und konkreten Maßnahmen: in der akuten Energiekrise etwa eine Übergewinnsteuer, mit Blick auf den Klimawandel zum Beispiel Innovationen bei den „Erneuerbaren“.

Sozialer Winter statt heißer Herbst

„Wir müssen im Diskurs für uns Wege finden, mit dieser Situation umzugehen, ohne andere zurückzulassen. Wir zusammen können das. Schaffen wir einen sozialen Winter statt einem heißen Herbst“, so Neubauers Plädoyer.

„Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit“, hatte Oberbürgermeister Jörg Lutz zuvor in seinem Grußwort betont und auf die Entwicklung in Russland verwiesen. Aber auch in Deutschland stehe die Demokratie unter Druck, da sie viele Menschen nicht mehr erreiche. Das aber sei essentiell, denn: „Demokratie ohne die Menschen funktioniert nicht.“

Revolutionszeremonie

Den Auftakt zum Festakt hatte zuvor die alljährlich neu aufgelegte Revolutionszeremonie gemacht – ein kleines Schauspiel, das sein Finale in der Ausrufung der Republik durch „Gustav Struve“ (Roman Saitz) und „Markus Pflüger“ (Dieter Wäldele) vom Balkon des Alten Rathauses aus fand. „Freiheit, Bildung, Wohlstand – für alle“, lautete die Formel, die die Revolutionsdarsteller mit Verve skandierten.

„Die Gedanken sind frei“

Etwa 150 Menschen hatten sich vor dem Alten Rathaus eingefunden, um dem Akt beizuwohnen und ein Signal ihrer Wertschätzung der demokratischen Werte zu setzen – und zum Abschluss im gemeinsamen Singen der Hymne „Die Gedanken sind frei“ in Klänge zu gießen.

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