Lörrach - „Die Suppe schmeckt echt lecker“, meint die Dame mit dem Wollpullover und ergänzt: „Richtig frisch und bestimmt auch ohne künstliche Zusatzstoffe.“ Mit der Vermutung liegt sie richtig. Georg Leisinger, Chefkoch des Restaurants Rosengarten, hat in wochenlanger Vorbereitung zusammen mit der Gruppe Thermomix Lörrach und zahlreichen Sponsoren am Donnerstag ein Nikolausessen für bedürftige Menschen im Landkreis organisiert. Die Narrengilde Lörrach hat dafür ihren Vereinskeller in der Hebelschule zur Verfügung gestellt und alkoholfreie Getränke gestiftet. Von 11.30 bis 17 Uhr stand der adventlich dekorierte Keller für alle offen, die nur schwer über die Runden kommen.

„Wir wollen mit dieser Aktion, die zum ersten Mal stattfindet, Hilfe vor Ort anbieten“, erklärt Michael Wegner von der Gruppe Thermomix den Sinn hinter dem Essen. Mit rund 20 ehrenamtlichen Helfern aus dem Restaurant Rosengarten und der Gruppe Thermomix konnte eine motivierte Truppe zusammengestellt werden, die für die Bewirtung der Gäste sorgte. Gekocht wurde für 180 Leute.

„Wir haben das Essen im Vorfeld bei den Trägern vom Erich-Reisch-Haus und beim Verein Kreuzweg beworben und hoffen heute auf viele Gäste, die von einer kostenlosen Mahlzeit profitieren können“, sagt Wegner.

„Am 26. November und am 3. Dezember haben wir ein Grättimann-Backen veranstaltet und 100 Kinder glücklich machen können“, fügt er stolz hinzu. Der Erlös aus den Spendenaktionen komme lokalen Einrichtungen wie beispielsweise dem Hospiz am Buck zugute. „Dieses Mal wollten wir den notleidenden Menschen vor Ort direkt etwas Gutes tun.“

Um 12 Uhr füllt sich allmählich der Saal, und die ersten Gäste stellen sich am Buffet an. Auf dem Speiseplan steht: Kartoffelsuppe, Suppenfleisch und Bouillonkartoffeln sowie Apfelstrudel mit Vanillesoße und Vanille-Eis. „Ich finde es großartig, dass dieses Essen veranstaltet wird“, findet Angie Horvath vom Verein Kreuzweg, die auf viele bekannte Gesichter trifft. „Gerade vor Weihnachten fühlen sich viele einsam und sind froh, wenn es solche Anlässe für einen gegenseitigen Austausch gibt.“

Neben dem Essen am Buffet stehen für einen gemütlichen Nachmittag Kaffee und Kuchen bereit. In einer Ecke liegen liebevoll zusammengestellte Nikolaus-Beutel – gefüllt mit Mandarinen, Nüssen und Schokolade.

Gegen 13 Uhr ist die Hälfte der Plätze besetzt. „Viele Notleidende schämen sich leider immer noch, an einer kostenlosen Mahlzeit teilzunehmen“, berichtet Horvath aus ihrer Erfahrung in der Obdachlosenhilfe. „Gerade wenn etwas Neues veranstaltet wird, und man die Menschen noch nicht kennt, ist die Hemmschwelle groß.“

Und Ingrid Ernst von der Gruppe Thermomix fügt noch hinzu: „Man sieht den Menschen ihre Armut auch nicht an. Viele verschweigen das.“