Lörrach Ein neues Zentrum für die Nordstadt

Lörrach - Die Wohnbau Lörrach bereitet das größte Projekt ihrer Unternehmensgeschichte vor: den Bau von rund 250 Wohnungen in der Nordstadt, die mit dieser Nachverdichtung ein neues Zentrum erhalten wird. 70 bis 80 Millionen Euro möchte die städtische Tochter in die Entwicklung der Fläche entlang der Heithemstraße investieren. Doch soll der Wohnraum auch künftig bezahlbar bleiben.

Vier in die Jahre gekommene Gebäuderiegel mit insgesamt 126 Wohnungen aus der Nachkriegszeit bilden dort die letzten größeren Wohnbau-Bestände, die für den Abriss vorgesehen sind.

Der Bestand

Die Häuserzeilen in der Albert-Hitzig-Straße, Ernst- Schultz-Straße und Max Läuger-Straße erfüllen nicht mehr annähernd die Kriterien für zeitgemäßes Wohnen, so dass eine Sanierung keinen Sinn ergäbe, sagte Wohnbau-Geschäftsführer Thomas Nostadt beim gestrigen Mediengespräch.

Die Nordstadt

Mit der Umsetzung des Vorhabens soll die gesamte Nordstadt gewinnen. Gemeinsam mit Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic hofft Nostadt auf grünes Licht aus dem Gemeinderat.

Ohnehin ist die Wohnbau Lörrach im Norden der Kernstadt besonders aktiv: Sie besitzt dort Häuser mit insgesamt 688 Wohnungen und erwartet mit der geplanten Quartierentwicklung neue Impulse für den gesamten Stadtteil, der nicht zuletzt aufgrund seiner Zentralität attraktiv sei, so Nostadt. Für frischen Wind sollen auch eine Bäckerei und ein Café sorgen – in der Tumringer Ortsmitte hat diese Idee sehr gut funktioniert. Zudem beinhaltet das Konzept weitere Angebote wie etwa Gemeinschaftsräume.

Umwandlung der Straßen

Der Ansatz der Wohnbau sieht die Umwandlung der Erschließungsstraßen in Bauland vor: Die Albert-Hitzig-Straße könnte entfallen und die Max-Läuger-Straße noch als kurze Stichstraße verbleiben – mit Einfahrt von der Wintersbuckstraße.

Die Wohnbau möchte der Stadt die Straßenflächen und zusätzlich zwei kleinere, bislang nicht bebaute Grundstücke abkaufen. Damit stünden ihr für die beiden künftigen, mindestens viergeschossigen Wohnanlagen – jede in etwa so groß wie die Anlage „Niederfeldplatz“ – insgesamt 15 500 Quadratmeter zur Verfügung. Zwischen ihnen liegt die Ernst-Schultz- Straße mit einer Häuserzeile der Baugenossenschaft Lörrach, die erhalten bleibt.

Die Mieter

Der Zeitpunkt ist mit Bedacht gewählt: Die Wohnbau wird in den kommenden beiden Jahren etliche Projekte beenden. Mit diesen wird Wohnraum geschaffen, in den die jetzigen Mieter der Nordstadt-Gebäude umziehen können. Die angedachten Maßnahmen würden sorgfältig kommuniziert, sagte Nostadt. Den meisten Mietern konnten die mit solch einem Wechsel verbundenen Sorgen bereits genommen werden, versicherte er: „Die Wohnbau Lörrach wird im Laufe dieses Jahres allen andere Wohnungen anbieten und ebenso Hilfe beim Umzug, auch finanzielle.“ Die erste Umzugsoption sei bereits gezogen worden.

Auch die neuen Wohnungen in der Nordstadt sollen erschwinglich bleiben und einen „bunten Mieter-Mix“ ermöglichen, betonte der Geschäftsführer. Nach wie vor seien 90 Prozent der Wohnbau-Wohnungen Hartz IV-fähig, im Schnitt koste der Quadratmeter Miete unter sieben Euro.

Der Projekt-Fahrplan

Neuhöfer-Avdic lobte die Pläne für „die neue Mitte Nord“. Die Stadt werde so bald als möglich ein Bebauungsplanverfahren beginnen.

Der Technische Leiter der Wohnbau Lörrach, Marco Glockner, skizzierte den Projekt-Fahrplan: Die Stadtbau Lörrach hat einen Architektenwettbewerb vorbereitet, er wird EU-weit ausgeschrieben. Die Jury tagt am 1. Juli und wählt den besten Entwurf aus.

Im Wettbewerb vorgegeben sind „rund 250 attraktive und günstig zu bauende Wohnungen auf mindestens vier Geschossen: wenige Ein-Zimmer-Wohnungen, viele Zwei- und einige Drei-, Vier- und Fünf-Zimmerwohnungen“ – sie alle müssen barrierefrei und seniorengerecht sein. Unter jeder Wohnanlage befindet sich eine Tiefgarage. Die Bewohner werden neben dem Gemeinschaftsraum auch ein Gästeappartement nutzen können.

Sobald im Juli der Architektenwettbewerb abgeschlossen ist, kann im Rathaus ein Bebauungsplanverfahren anlaufen. 2023 soll der schrittweise Abriss der Häuser aus den 50er Jahren und der Neubau beginnen. Im Herbst 2024 könnten die ersten neuen Wohnungen bezogen werden.

Die Finanzierung

Die anhaltende Negativzinspolitik erleichtert die Finanzierung des Gesamtvorhabens, erläuterte Nostadt. Die städtische Tochter werde sie ohne größere Veräußerungen aus ihrem Bestand stemmen können.

Geplant ist nach wie vor der Verkauf von zehn bis 15 Wohnungen pro Jahr – nicht mehr.

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