Lörrach „Ein Standardrezept gibt es nicht“

Auf dem Podium saßen Eva Skrypnik (v.l.), Dirk Furtwängler, Peter Bossert, Stefan Windisch, Birgit Hehl und Judith Pantli. Foto: zVg

Lörrach - Im Rahmen eines Aktionsabends zum Thema „Inklusion in der Schule“ wurde kürzlich in über 170 Kinos im gesamten Bundesgebiet der Dokumentarfilm „Die Kinder der Utopie“ von Hubertus Siegert gezeigt. In Lörrach war er im Cineplex und parallel im Hebelsaal des Dreiländermuseums zu sehen, wo anschließend über das Thema diskutiert wurde.

Der Film berichtet über sechs junge Menschen, die vor zwölf Jahren in Berlin die Schulbank drückten und nun auf ihre gemeinsame Grundschulzeit in einer Inklusionsklasse zurückblicken. „Wir haben einen Film gesehen, in dem sechs junge Menschen auf der Suche nach sich selbst und ihrer Zukunft sind“, schilderte Birgit Hehl, Leiterin der Karl-Rolfus-Schule, ihren Eindruck in der anschließenden Podiumsdiskussion.

Mit ihr auf dem Podium saßen Judith Pantli von der Grundschule gemeinsam (Freie Evangelische Schule/FES), Dirk Furtwängler (Behindertenbeauftragter der Stadt Lörrach), Eva Skrypnik (Schulleiterin Max-Metzger-Schule Schopfheim, GEW Kreisverband), Thomas Bossert (Leiter des Café Bistro Glashaus) und Stefan Windisch (Schulleiter Gymnasium der FES). Einig waren sie sich, dass die Rahmenbedingungen für Inklusion verbessert werden müssten.

Zum einen fehlt es an Lehrkräften, so Eva Skrypnik. Birgit Hehl ergänzte, es gehe nicht nur ums Geld, sondern es brauche genügend Sonderpädagogen und deren Expertise. Und es komme auf die Haltung an. „Zunächst mal kommen einfach Kinder zu uns.“ Vielfalt sei etwas Normales: „Auch in Klassen ohne Inklusion sehen wir eine große Heterogenität.“

Windisch: „Projekt verändert den gesamten Campus positiv“

„Das Standardrezept für Inklusion gibt es nicht“, sagte Judith Pantli, Konrektorin der FES-Grundschule. Sie ist besonders begeistert vom starken Zusammengehörigkeitsgefühl in den Inklusionsklassen, das auch über die gemeinsame Schulzeit hinauswirkt.

Eine Mutter im Publikum beschrieb es so: „Die Kinder mit Behinderung erfahren dadurch ein stärkeres Selbstbewusstsein und erhalten Zugang zu einer Welt, die sonst schwer für sie zu betreten wäre.“

„Das funktioniert auch im Gymnasium“, sagte Stefan Windisch. Seit diesem Schuljahr gibt es dort eine Inklusionsklasse als Fortsetzung der Grundschule gemeinsam. „Das Projekt veränderte nicht nur diese Klasse, sondern den gesamten Campus positiv.“ Die Kinder ohne Behinderung erlernen soziale Kompetenzen, die sie auf ihrem weiteren Weg so nicht mehr erwerben könnten.

Wie es nach der Schule mit Inklusion weitergeht, war dann auch eine Frage des Publikums. Im Café Glashaus wird seit 13 Jahren inklusiv gearbeitet, alle Mitarbeiter sind auf dem ersten Arbeitsmarkt angestellt, berichtet dessen Leiter Stefan Bossert. Das Team sei fest zusammengewachsen, Berührungsängste gebe es kaum.

Dirk Furtwängler hatte es vor Jahren dagegen nicht so leicht, eine Arbeitsstelle zu finden. Er hatte mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Birgit Hehl sieht die Entwicklung der beruflichen Entwicklung für Menschen mit Behinderung im Landkreis mittlerweile als sehr positiv. Durch Praktika lernen sich beide Seiten kennen, Vorurteile können abgebaut werden.

Organisiert wurde der Aktionsabend in Lörrach von Vertretern der FES Lörrach, dem GEW Kreisverband Lörrach und Marion Koch, deren Sohn Samuel seit seinem Unfall in der Fernsehsendung „Wetten dass…“ auf den Rollstuhl angewiesen ist. Durch den Abend führte Daniel Dröschel.

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