Lörrach Ein zeitloses Gesamtkunstwerk

Die Oberbadische
Arthur Brown lieferte eine skurrile Show ab. Foto: Gerd Lustig Foto: Die Oberbadische

Von Gerd Lustig Lörrach. So crazy wie früher, ist die Bühnenwelt von Arthur Brown natürlich nicht mehr. Das ist bei dem mittlerweile 71-jährigen selbst ernannten „God of Hellfire“ (Gott des Höllenfeuers) auch nicht anders zu erwarten. Dennoch lieferte der Mann, der Ende der 1960er-Jahre mit „Fire“ einen weltweit erfolgreichen Hit landete und bei der aktuellen Tournee den 45. Jahrestag des Songs feiert, eine durchaus sehenswerte und allemal hörenswerte Schau ab.

Da hätte der verrückte und nach wie vor extrovertierte Brite sicherlich deutlich mehr als die rund 80 Besucher beim Auftritt im Burghof verdient gehabt. Nachdem sich eine eher magere Resonanz im Vorfeld schon abgezeichnet hatte, verlegten die Burghof-Macher den Auftritt kurzerhand ins Foyer. Zumindest kam so echte und intime Live-Atmosphäre zustande. An den Seiten wurde sogar ausgiebig mitgewippt und getanzt.

Arthur Brown: Da erscheint nach den ersten Klängen ein Mann im übergroßen Purpur-Mantel, das bunt bemalte Gesicht verdeckt von einer schrillen Maske, auf dem Kopf ein Helm mit Irokesen-Kamm. Nach und nach entledigt er sich der Maskerade und schält sich zwiebelgleich in immer neue ausgefallene Outfits. Sein Top-Hit „Fire“, den er gegen Ende des 90-Minuten-Konzert (allerdings ohne den legendären Feuerhelm) präsentiert, mag ein Oldie sein, er selbst kommt aber als ein zeitloses Gesamtkunstwerk rüber.

Im Zusammenspiel mit seiner hervorragenden Begleitband und einem gefälligen und treibenden Blues-Rock-Sound, steuert er wieder viel Theatralik bei, zelebriert förmlich die große Geste und bewegt sich mitunter wie ein Derwisch über die Bühne. Der lange und hagere Bärtige mit Platte und den dünnen langen Haaren, der mehr als nur ein bisschen an den Zauberer Catweazle erinnert, zelebriert eine skurrile Rock-Messe, nimmt sich bei aller Pose nicht ernst, driftet aber nie in peinlichen Klamauk ab. Das verhindert allein schon sein unwahrscheinliches, erstaunliches Organ, das vom tiefen Grunzen über Oktaven hoch in den Sopran steigen und in wildes Geschrei ausbrechen kann.

Vom anfänglichen „Zim-Zam-Zim“ über „Jungle feaver“ und „Voice of love“ bis hin zu „Devil’s grip“, dem aggressiv-finsteren Peter Green-Titel „Green Manalishi“ sowie „Fire“ oder eine Coverversion von „I put a spell on you“: Brown und seine Musiker, allen voran die Gitarristin Nina Gromniak mit brillanten Soli, bieten einen wunderbaren Querschnitt durch die lange Discographie der „Crazy world“, die man zumindest einmal im Leben gesehen haben sollte.

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