Lörrach Eine App für alle

Lörrach - Die Lerchenstadt auf einen Blick: Das soll eine App bieten, an der Pro Lörrach gegenwärtig arbeitet. Die innovative Offerte ist im Kontext einer fortschreitenden Entwicklung zu sehen: der Verzahnung von digitalen und analogen Angeboten.

Dieser Weg ist mit anspruchsvollen Herausforderungen, aber auch mit Chancen für die Akteure in der großen Kreisstadt verbunden – nicht nur im Handel, wie der Pro Lörrach-Vorsitzende Hans-Werner Breuer und Oberbürgermeister Jörg Lutz am Mittwoch in ihren Reden zum Neujahrsempfang deutlich machten.

Digitales

Wirtschaft, Kultur, Soziales: Die App soll nicht etwa einzelne Themen, sondern so weit als möglich die Stadt als Ganzes abbilden. Unterstützung für das Projekt signalisierten die Sparkasse Lörrach-Rheinfelden und Martin Pförtner, Geschäftsführer der Oberbadischen.

Ein wichtiges Feld sind auch die Pro Lörrach-Gutscheine. Sie erfreuen sich großer Beliebtheit und sollen ab August auch digitalisiert angeboten werden. Burkhard Jorg von der Wirtschaftsförderung Lörrach prüfe derzeit Umsetzungsmöglichkeiten, für die der Handel freilich Lesegeräte benötige, sagte Breuer im gut besuchten Hebelsaal des Dreiländermuseums.

Analoges

Eine Herausforderung für Händler, Gastronomen und Dienstleister: Die Stärkung digitaler Optionen könne selbstverständlich nicht mit einem Nachlassen analoger Anstrengungen verbunden sein. Letztlich gehe es darum, Kunden nicht nur vor den Bildschirm, sondern auch in Zukunft in die Stadt zu bringen

Deshalb müsse das Augenmerk weiterhin auch auf der Qualität des öffentlichen Raums liegen. Breuer: „Wir müssen die Stadt mit den Augen der Kunden sehen.“

Den Austausch pflegen

Begriffen wie „Kooperation“ und „Kommunikation“ wurde wachsende Bedeutung beigemessen. So sei es durchaus sinnvoll, dass sich Pro Lörrach als Organisation etwa bei Fragestellungen wie dem Vorgehen auf dem renovierten Teilstück der Basler Straße inhaltlich einbringe. Im vergangenen Jahr sei der Austausch mit dem Gemeinderat jedenfalls als konstruktiv empfunden worden.

Auch untereinander hätten die Geschäftsleute „in einem herausfordernden Jahr“, so Breuer, in gutem Kontakt gestanden. Und das soll so bleiben: Pro Lörrach möchte unter anderem den Stammtisch wieder beleben. Auftakt ist am 3. März um 19 Uhr im Steigenberger-Hotel „Stadt Lörrach“. Die Kommune im Dreiländereck als Stadt der kurzen Wege: Das soll offenbar auch für das Miteinander gelten.

Die Bagatellgrenze

Während die Klassiker Frühjahrs- und Herbstfest beibehalten werden, ist die Einführung der Bagatellgrenze eine Neuerung. Sie habe dem Handel allerdings bislang wenig Probleme bereitet, sagte Breuer.

Das verminderte Aufkommen der grünen Zettel habe an der ein oder anderen Stelle eher zu einer Reduzierung des Aufwands gesorgt.

Der Strukturwandel

Dass Lörrach in vielerlei Hinsicht in Bewegung ist und bleibt, machte Lutz in seiner Ansprache deutlich. Über die gegenwärtig ins Auge springenden Baustellen wie etwa das LÖ hinaus – dies werde Konkurrenz, aber auch Kunden nach Lörrach bringen –, richtete er den Blick in die Zukunft: Mit der Inbetriebnahme des neuen Zentralklinikums werden auf dem jetzigen Klinik-Areal und dem Gelände des St. Elisabethen-Krankenhauses Flächen frei, deren Entwicklung das Gesicht der Stadt abermals verändern werden.

Mit (bedauerndem) Blick auf den Lauf der Dinge bei KBC, Lauffenmühle und Textilveredelung an der Wiese stellte Lutz fest, dass die Bedeutung der Produktion für die Schaffung neuer Arbeitsplätzen im 21. Jahrhundert weiter zurückgehen werde.

Im Umfeld des Großraums Basel werde die Stadt Lörrach versuchen, ihr Profil und ihre Wirtschaftskraft mit dem Zukunftsthema „Digital Health“ – „Digitale Gesundheit“ – zu stärken. Wichtig sei ihm, so betonte Lutz, „dass Lörrach nicht zur Schlafstadt von Basel wird“.

Die kommunalen Finanzen

Hinsichtlich der Erhaltung kommunaler Infrastruktur bekräftigte der Oberbürgermeister erneut: „Lörrach ist unterfinanziert.“ Eine Erhöhung der Gewerbesteuer, „auf das Niveau anderer Städte im Umland“ sei sinnvoll.

Zwischen den Zeilen mahnte er, kommende Finanzdebatten mit Augenmaß zu führen. So betonte Lutz die Bedeutung von Stimmen-Festival und Burghof: „Es wäre ein Drama, wenn wir dieses Angebot signifikant einschränken müssten.“

Die Stadt der Zukunft

Trotz aller Digitalisierungstendenzen zeigte sich der OB zuversichtlich für die Zukunft der Einkaufsstadt. Der Mensch sei ein soziales Wesen und suche den Kontakt mit anderen – wenn die Bedingungen attraktiv sind.

Gewiss gebe es an der ein oder anderen Stelle Möglichkeiten, die Aufenthaltsqualität weiter zu erhöhen, womöglich auch durch verstärkte Kooperationen zwischen Handel und Gastronomie.

Amazon habe das Konsumverhalten für immer verändert, zitierte Lutz die Wissenschaftlerin Barbara E. Kahn: „Einkaufen darf keine Arbeit sein“, sagte er deshalb mit Blick auf die Erwartungshaltung der Verbraucher – und unterstützte damit seinen Vorredner: Perspektivisch müsse die Stadt – vom Handel ebenso wie von der Verwaltung – noch deutlicher aus Sicht der Bürger und der Kunden gedacht werden.

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