Lörrach Eine Revolution, die nachhallt

Adrian Steineck
Markus Pflüger (Hansi Gempp) und Gustav Struve (Andreas Glattacker, von links) hissten auf dem Balkon des Alten Rathauses die Flagge der Badischen Revolution Foto: Adrian Steineck

Der 175. Jahrestag der Badischen Revolution gerät am Donnerstag zur Feier mit Denkanstößen.

Barbara Bosch, Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung, appellierte an die Zuhörer vor dem Alten Rathaus: „Die lauten Stimmen hört man immer eher. Vergessen Sie nicht, auch auf die anderen zu achten.“

Bosch hielt in diesem Jahr die Revolutionsrede anlässlich des Tags der Demokratie, der in der Stadt Lörrach seit 2015 am 21. September begangen wird. An diesem Tag hat im Jahr 1848 der Freischärler Gustav Struve, der mit 50 Mann von Basel aus nach Lörrach gezogen ist, vom Balkon des Rathauses aus eine Deutsche Republik ausgerufen. Es war dies historisch der erste Versuch, ein geeintes republikanisches Deutschland zu schaffen.

Bosch gemahnte auch, dass der Struve-Putsch bereits nach vier Tagen scheiterte: 800 großherzogliche Soldaten schlugen Struve, der 4000 Freischärler um sich gescharrt hatte, bei Staufen entscheidend und nahmen ihn und seine Frau Amalie gefangen. „Demokratien können scheitern“, gemahnte Bosch in ihrer Rede. Daher sei es umso wichtiger, diese tagtäglich zu leben und auch zu verteidigen.

Es sei an der Badischen Revolution von 1848 nicht zuletzt bemerkenswert, dass es Struve und seinen Mitstreitern nicht um nationale Ehre, sondern um die Freiheit aller europäischen Länder gegangen sei, sagte Bosch. Die Staatsrätin hatte sich vor Beginn der Revolutionsfeierlichkeiten ins goldene Buch der Stadt Lörrach eingetragen und eine Plakette am Alten Rathaus enthüllt (wir berichten noch).

Oberbürgermeister Jörg Lutz hatte zuvor gesprochen. An die Adresse einer Gruppe von Demonstranten, die auf Transparenten etwa eine vermeintliche „Scholzung des Wählers“ oder eine „Corona-Demokratie“ monierten, sagte der Rathauschef: „Das verträgt unsere Demokratie, aber man muss sich an die Spielregeln halten.“ Und weiter: „Wir setzen uns gerne mit unbequemen Wahrheiten auseinander, aber bitte im Gemeinderat und nicht im Wirtshaus.“

Ins Jahr 1848 zurückversetzt fühlen konnten sich die Zuhörer beim Auftritt von Markus Pflüger (Hansi Gempp), dem Anführer der Bürgerwehr, und Gustav Struve (Andreas Glattacker). In einem mit augenzwinkernden Einlagen gewürzten Vortrag forderten sie die Gleichberechtigung aller Menschen: „Nieder mit dem Fürsten. Nieder mit dem Adel“.

Zum Abschluss sangen mehrere hundert Besucher gemeinsam mit der sechsten Klasse der Waldorfschule Lörrach das Lied „Die Gedanken sind frei“. Bei Revolutionssuppe und Pfefferbeißer-Würsten klang die Feier aus.

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