Lörrach Epizentrum der lauten Töne

Lörrach - Mindestens 1850 Musiker in 44 Formationen, dazu rund 30 000 bis 50 000 Besucher: Die Lasser-Gugge-Explosion, die am Samstag zwischen 11 Uhr und Mitternacht bereits zum 20. Mal in der Lörracher Innenstadt stattfindet, hat sich zum Epizentrum der lauten Töne entwickelt.

Angefangen hat alles mit dem „Gugge-Spektaktel“ aus Anlass des 20. Geburtstags der Oktave Chratzer Brombach im Jahr 2000. „Das hatte Potenzial für mehr“, stellten die Veranstalter damals fest, wie Obergildenmeister Jörg Roßkopf im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet. Auf Euro-Paletten und mit acht Musiken fand darum ein Jahr später die erste Gugge-Explosion statt.

Heute werden 44 Gugge-Formationen aus dem Raum Lörrach, aus Deutschland und der Schweiz auf fünf professionellen Bühnen auftreten und beim abendlichen Corso im Fackelschein mitlaufen. Die kleinste eingeladene Formation sind die Zeller Noteknacker mit 25 Aktiven, die größte die Schlösslisymphoniker aus Inzlingen. Diese haben anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens in dieser Saison unter dem Titel „Family and friends" Gäste und Ehemalige zum Mitspielen eingeladen – in Lörrach werden sie mit der rekordverdächtigen Zahl von 100 Musikern auftreten.

„Die Gugge-Explosion ist kein exklusiver Zirkel“

Insgesamt erwartet die Gugge-Fans laut Roßkopf eine „gute Mischung“ und viel Neues. Denn: „Es sind keine großen Exoten dabei, dafür aber viele Gruppen, die noch nie bei uns zu Gast waren.“ Die Gilde sei die Interessentenlisten durchgegangen und habe bewusst viele Neulinge eingeladen. „Das ist zwar ein gewisses Risiko, weil wir die Qualität nicht so gut kennen, aber die Gugge-Explosion ist kein exklusiver Zirkel“, betont Roßkopf. Es sei wichtig auch „Talenten“ und kleineren Formationen eine Chance zu bieten, zumal es auch kleinere Bühnen gibt und spontane Konzerte in der Fußgängerzone „ausdrücklich gewünscht“ seien.

Gesetzt sind zudem stets die Lörracher Guggemusiken, aktuell acht Stück. „Wir haben deswegen regelmäßig Anfragen von auswärtigen Musiken, die Mitglied der Gilde werden wollen, weil sie dann gesetzt sind. Das ist aber nicht die Idee einer Gilden-Mitgliedschaft“, sagt Roßkopf.

Eine „gut gemischte Guggemusik“ fehlt

Was in der Lerchenstadt hingegen aktuell fehle, sei eine „gut gemischte Guggemusik“. Denn fast alle Formationen sind laut dem Obergildenmeister Männern vorbehalten. Im Nachwuchsbereich dominieren jedoch mittlerweile weibliche Musikerinnen: „Bei der Jugendgugge Ohreputzer sind aktuell mehr als die Hälfte Mädchen.“

Es gebe zwar mit den Gassefäger eine Gruppe nur für Frauen, viele bevorzugen laut Roßkopf aber eine gemischte Gugge. „Viele ehemalige Ohreputzer-Mädchen wechseln nach Inzlingen oder Eichsel, weil wir keine passende Formation haben, das ist schade“, findet Roßkopf, denn das Potenzial dafür so eine Gruppe sei da.

Eine „schwer zu quantifizierende Imagewerbung“

Viel Potenzial biete die Gugge-Explosion auch für die Außendarstellung der Stadt. Es sei zwar schwer, die genaue Besucherzahl zu benennen, aber über den Tag verteilt rechnet Roßkopf angesichts der Wettervorhersage damit, „rund 30 000 bis 50 000 Besucher zu erreichen“. Ähnliche Zahlen habe die Polizei in den vergangenen Jahren ebenfalls errechnet. Natürlich profitiere die Veranstaltung von der Laufkundschaft, die sich samstags in der Stadt tummle. Gleichzeitig sei sie eine, wenn auch nur „schwer zu quantifizierende Imagewerbung“, sagt Roßkopf. „Ich kenne beispielsweise Züricher, die seit ihrem Auftritt hier regelmäßig zum Einkaufen wiederkommen.“

Ebenfalls gut ausgelastet sind laut dem Obergildenmeister die Hotelbetten in der Stadt, da gut die Hälfte der auswärtigen Formationen auch am Sonntagsumzug mitläuft. Die Zahl der Übernachtungen im Massenquartier auf dem Campus sei hingegen mit knapp 300 Personen deutlich rückläufig. Die Musiker ziehen offenbar ein bequemes Bett der Isomatte vor, auch wenn die meisten heute Nacht – wenn überhaupt – nur wenige Stunden Schlaf finden werden.

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