Lörrach Fesselnde populäre Sakralmusik

Walter Bronner
In vorbildlicher Übereinstimmung zelebrierten der Gesangverein Tüllingen und die Gruppe „Aruma del Bolivia“ zwei populäre lateinamerikanische Sakralkompositionen von Ariel Ramirez. Foto: Walter Bronner

Lörrach - Weihnachtliches Flair, sprühende Vitalität und lebhafte Ausdruckfreude prägten am Samstagabend das in lateinamerikanischen Klangregionen angesiedelte Konzert des Gesangvereins Tüllingen in der überfüllten Ottilienkirche.

Mit exemplarischen Darbietungen der „Misa Criolla“ (Kreolische Messe) und der Kantate „Navidad Nuestra“ (Unsere Weihnacht) des Argentiniers Ariel Ramirez huldigte der Chor einem hierzulande noch immer ungewöhnlichen Genre des geistlichen Musik. Dabei überzeugte er durch lebendige, sorgfältig austarierte Interpretation der vorwiegend fröhlichen, mitunter aber auch von sanfter Melancholie durchwirkten exotischen Melodien und Harmonien.

Für sich allein hätten das die von Dirigentin Verena Krause vorzüglich präparierten und mit inspirierender Geste geleiteten Sängerinnen und Sänger zwar nicht bewerkstelligen können, aber im Verbund mit der Musikantengruppe „Aruma de Bolivia“ geriet die gestern in der Altweiler Kirche wiederholte Aufführung zu einem Ereignis von faszinierenden Wirkung. Die seit Jahren in der Schweizer Nachbarschaft etablierten Bolivianer Juan Zeballos (Gesang, Ukulele, Panflöte), Tomas Campos (Gesang, Gitarre), Sandro Guevara (Banjo, Gitarre), Lizandro Paredes (Drums) und Juan Foronda (Längs- und Panflöten) entfachten immer wieder ein funkenstiebendes Feuerwerk treibender Rhythmen und klangsinnlicher Melodik, wobei Bandleader Zeballos mit seinem strahlenden Tenor den solistischen Löwenanteil am musikalischen Geschehen bestritt.

Zusätzlich instrumental flankiert wurde das Konzert von der souverän aufspielenden Pianistin Susanne Hagen. Als Meisterwerk der populären südamerikanischen Sakralmusik besticht die 1963/64 komponierte Misa Criolla mit ihren fünf liturgischen Teilen Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei durch ihre stark folkloristisch eingefärbten Melodien, wobei der Komponist den wesenstypischen Sound unterschiedlicher Regionen des Andenstaates in sein Werk integrierte.

Zu akustischen Ehren gelangte so die Volksmusik der Provinzen Tucumán, Altiplano (Anden), Santiago del Estero, Chochabamba und La Pampa mit ihren spezifischen musikalischen Ausdrucksformen, speziell auch der jeweils dort angesiedelten Karnevals-Musik.

Von ähnlichem musikalischen Ausdrucksgehalt sind auch die sechs vorbildlich dargebotenen Gesänge der „Navidad Nuestra“, die ebenfalls spezifische Folkloremusik argentinischer Volksgruppen zu klingenden Weihnachtsgeschichte ausformt, beginnend mit der Verkündigung und via Reise nach Bethlehem, der Geburt Christi, dem Auftritt der Hirten und der Huldigung der drei Könige bis zur Flucht nach Ägypten, wobei die berückende Kantilene der Sequenz „Nacimiento“ (Geburt) den ergreifenden Höhepunkt der Vortragsfolge darstellte.

Zwischen den geistlichen Werken begeisterten die „Aruma“-Musikanten mit Folklore-Hits ihrer Heimat, deren pointierte Rhythmik und erregender Drive unbändige Lebensfreude zum Ausdruck brachten und das Publikum begeisterte. Den anhaltenden Schlussapplaus vergalten die Konzertgeber mit der Wiederholung des Glorias aus der Ramirez-Messe.

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