Marcel Vogt hat einen Traum: Er besitzt am rechten Wieseufer ein Grundstück mit einem ehemaligen Eiskeller. In diesem denkmalgeschützten Gewölbe will er eine Kulturkneipe einrichten. Doch bisher hat die Stadt ihm das nicht genehmigt.

Von Regine Ounas-Kräusel

Lörrach. „Die Stadt legt uns nur Steine in den Weg“, klagt Vogt. Trotzdem hofft er, mit dem Rathaus eines Tages ins Gespräch zu kommen. Dann will er auch über den geplanten Radweg am rechten Wieseufer reden. Denn dieser Radweg müsste über sein Grundstück gebaut werden (wir berichteten).

Im Eiskeller erleuchten bunte Scheinwerfer und eine alte Ampel stimmungsvoll ein geräumiges Gewölbe. Auf einer Theke steht eine Zapfanlage der Firma Lasser, der der Keller einst gehörte. Hier wollen Marcel Vogt und seine Partnerin Melanie Renz eine Kulturkneipe mit Gartenwirtschaft eröffnen. Schon heute finden hier ab und zu Rock- und Metal-Konzerte statt, überwiegend mit Bands aus der Region. Das nächste Konzert sei am 11. August geplant.

„Der Bedarf ist da“, sagt der musikbegeisterte Maler- und Lackierermeister. Im vergangenen Jahr habe man insgesamt mehr als tausend Besucher gehabt. Musikangebote im Bereich Rock und Metal – abgesehen vom Festival „Baden in Blut“ – und vor allem auch für junge Leute fehlten in der Region.

Aktuell darf Marcel Vogt in seinem Eiskeller im Jahr zehn Konzerte und öffentliche Veranstaltungen durchführen. Das Regierungspräsidium habe dies genehmigt, sagt er. Von der Stadt müsse er für jedes Konzert eine Schankerlaubnis einholen. Das klappe inzwischen recht gut. Doch die Erlaubnis, im Eiskeller eine Kulturkneipe zu betreiben, hat die Stadt ihm bisher nicht erteilt.

Vogt schildert die Auseinandersetzungen so: Als er vor rund vier Jahren die Genehmigung für die Kulturkneipe beantragte, forderte die Stadt einen größeren Notausgang. Den hat er inzwischen eingebaut. Auch weitere Auflagen wie den Einbau von Toiletten und Notbeleuchtung habe er erfüllt. Vogt legt großen Wert darauf, dass alles seine Ordnung hat und dass seine Konzerte niemanden stören. So weist er auf seinen Konzert-Flyern stets darauf hin, dass die Besucher im Gewerbegebiet an der Wiesentalstraße parken sollen.

Überfahrtsrecht für Radweg rechts der Wiese

Daher ist Marcel Vogt enttäuscht, dass die Stadt über die Musikkneipe nicht mit sich reden lässt. Auch die Planungen für den Radweg am rechten Wieseufer betreibt die Stadt nach Meinung von Marcel Vogt ohne die Anlieger. Seit mehreren Jahren denkt die Stadt über einen Radweg nach, der von der blauen Brücke am rechten Wieseufer bis nach Basel führen würde.

Im Frühjahr hatte die IG Velo Oberbürgermeister Jörg Lutz in einem Brief aufgefordert, das umstrittene Projekt wieder aufzugreifen. Basel hatte im April angekündigt, dass es aus seinem Agglomerationsprogramm den Radweg rechts der Wiese und weitere Radwege im Kreis Lörrach fördern würde. Doch das Projekt ruht derzeit. Lutz antwortete der IG Velo: Derzeit seien die Fachleute der Stadt mit der Planung anderer Projekte beschäftigt. Außerdem besitze die Stadt bisher nicht alle für den Radweg benötigten Grundstücke.

Eines gehört Marcel Vogt. Der vorhandene Fußweg führt über sein Grundstück. Begeistert wäre er nicht, wenn hier Radweg gebaut würde. Am linken Ufer gebe es immer wieder Konflikte zwischen Radfahrern, vor allem Rennradlern, und Fußgängern. Auf dem rechten Ufer hätten Spaziergänger ihre Ruhe. „Aber ich könnte mit einem Radweg leben“, sagt er. Er könne sich auch vorstellen, der Stadt ein Überfahrtsrecht auf seinem Grundstück einzuräumen. Aber dann müsse die Stadt ihm auch bei seinen Plänen für den Eiskeller entgegen kommen.