Lörrach - Die Konzertreihe „Junges Podium“ mit jungen, vom Deutschen Musikrat besonders geförderten Künstlern, ist immer wieder für Überraschungen gut. So auch beim Konzert des Duo Suono am Sonntagmorgen im Burghof Lörrach.

Die beiden Ausnahmemusiker Myriam Ghani (Flöte) und Viktor Soos (Klavier) haben ihr Repertoire nach verschiedenen inhaltlichen Themenschwerpunkten geordnet und ihm Auszüge aus literarischen Texten zur Seite gestellt. „Von der Liebe“ heißt das bezaubernde Programm, das sich mit Robert Schumann, Sigfrid Karg-Elert, Carl Reinecke, Maurice Ravel und Franz Schubert auf die Spuren zarter Liebesregungen und tiefer Gefühle begibt. Es sind kleine Geschichten über Liebe, unerfüllte Liebe und auch Leid, die Myriam Ghani (Flöte) und Viktor Soos (Klavier) mit ihren Instrumenten erzählen.

Im Zentrum des Matinee-Konzerts steht die Märchenfigur Undine, die sich, um eine Seele zu erlangen, in einen Menschen verliebt. Dieser verstößt sie jedoch zugunsten einer anderen und bekommt dafür die fürchterliche Rache der zuvor so fröhlichen und lebendigen Meerjungfrau zu spüren. Carl Reinecke und Maurice Ravel haben sich von der Nixe aus dem Kunstmärchen gleichen Namens von Friedrich de la Motte Fouqué, aus dem Myriam Ghani einen kleinen Auszug vorliest, zu völlig verschiedenen Kompositionen inspirieren lassen.

Während Carl Reinecke – Zeitgenosse Schumanns und Mendelssohns – in seiner Sonate das Märchen in vier ganz verschiedengestaltigen Sätzen in der Art einer Programmusik dramatisch nacherzählt, entwirft Ravel in seinem anspruchsvollen Klavierwerk „Ondine“ ein flirrendes Bild von der glitzernden Wasseroberfläche und den wogenden Wellen. Aus ihnen entsteigt die Nixe – erkennbar an einer einprägsamen Melodiefolge – wie ein Traumbild, um zum Ende hin wieder darin zu verschwinden. Mit seinem glasklaren und filigranen Spiel gelingt es dem Pianisten Soos, hier solistisch, dieses Bild, das er zuvor dem Publikum anhand verschiedener musikalischer Motive erklärt hat, ganz deutlich vor Augen treten zu lassen.

In Reineckes im Original für die Besetzung Pianoforte und Flöte komponierter Sonate ist hingegen die Rollenverteilung zwischen den beiden Instrumenten auffallend gleichberechtigt. Das klassische Schema von Solist und Begleiter ist bei Reinecke aufgebrochen zugunsten einer Art erzählerischen Dialogs, ganz deutlich zu hören etwa im dem Andante vorangestellten Intermezzo, wo dem spielerischen Klang der Flöte – die Nixe verkörpernd – vom Klavier in wuchtigen Akkorden der Ernst des Ritters Huldbrand gegenübergestellt wird. Schon hier wird der große Kontrast zwischen den beiden Märchengestalten deutlich, die doch im finalen Allegro molto agitato zu einem intensiven Zusammenklang finden. Mit ihrem von Emotionalität und Ausdruck geprägten Spiel erzielen die beiden jungen Musiker hier eine ganz besondere Wirkung.

Dieser eindrucksvollen „Liebesgeschichte zweier Instrumente“ sind eine Romanze von Robert Schumann mit dem Titel „Einfach, innig“ sowie die üppig ausgestaltete Sinfonische Kanzone opus 114 von Sigfrid Karg-Elert vorangestellt.

Am Ende bilden Franz Schuberts in ihrer scheinbaren Einfachheit überwältigende Variationen über „Trockene Blumen“, eine von den beiden Interpreten glänzend vorgetragene Parabel auf Liebe und Tod, einen eindrucksvollen Schluss für ein trotz der ernsten Thematik sehr unterhaltsames Konzert.