Lörrach Glanzrollen früherer Zeiten

Die Diva blüht auf, wenn sie sich in ihre früheren Rollen zurück träumt. Foto: Markus Greiß Foto: Die Oberbadische

Mit ihrem Ein-Frau-Stück „Diven sterben einsam …“ hat Karin Drändle am Freitagabend in ihrem Schopftheater in Tumringen Premiere gefeiert. Es ist die letzte große Produktion von Drändle, ganz von der Theaterbühne abtreten möchte die 78-jährige Schauspielerin aber nicht.

Von Markus Greiß

Lörrach. Jane Purcy Mulligan kann ein richtiges Ekel sein. Die divenhafte Vollblutschauspielerin hat ihre besten Bühnenjahre hinter sich, fühlt sich in ihrem Genie verkannt und hadert, stets das Wodkaglas in der Hand, wortgewaltig mit Gott und der Welt: mit ihrer zur Dienerin degradierten Garderobiere Margret, ihren verflossenen Liebhabern, dem „notgeilen Intendanten“, der die Hauptrolle der Desdemona in Shakespeares „Othello“ nicht ihr, sondern lieber „einer sehr jungen, sehr schlanken, sehr blonden Frau“ gegeben hat, und mit dem Publikum, das zu blöd für die hohe Kunst ist: „Wenn Sie sich richtig unbeliebt machen wollen, fragen Sie einfach: Sagen Sie mal, wie kann man sich nur so viel Text merken?“, schleudert sie den Zuschauern entgegen.

Karin Drändle als Alleinunterhalterin

Dabei ist diese Frage gerade beim Stück von Dirk Audehm berechtigt. Drändle gibt an diesem Abend die Alleinunterhalterin. Da ist kein Stichwort eines Mitspielers, das ihr den Einsatz gibt. Daher verzeihen es ihr die 20 Zuschauer im Schopf auch problemlos, wenn Souffleur Ralf Beck einige Male einsagen muss.

70-minütiger Monolog voller Spielwut

Drändle hält einen 70-minütigen Monolog voller Spielwut, Spottlust und Freude am schwarzen englischen Humor. Als alte, einsame und dem Alkohol frönende Jane Purcy Mulligan taucht sie in deren Glanzrollen früherer Zeiten ein. Dann rappelt sich die Diva von ihrem Schminktisch auf und verwandelt sich, von Regisseur Klaus Koska ins Rampenlicht getaucht, in tragische Frauengestalten wie die Kassandra aus der griechischen Tragödie „Agamemnon“ oder in die Elisabeth aus Schillers „Maria Stuart“.

Drändle überzeugt bei der Rückverwandlung der heruntergekommenen Altschauspielerin zum strahlenden Star, der vor Theaterleidenschaft brennt und die Bühne dominiert, dann aber immer wieder in die einsame Realität zurückfällt: Sie ist alleine im verfallenden Theater, nicht mal ihre Margret antwortet ihr noch. Nur der Hausmeister (Ralf Beck), der den Laden dicht machen will.

„Diven sterben einsam …“ ist die letzte große Produktion der 78-Jährigen, die in Zukunft etwas kürzer treten möchte. Doch zuvor ist sie noch acht Mal als Diva im Schopf voll gefordert.

  Weitere Vorstellungen am 7. und 8. Februar sowie am 6., 7., 13., 14., 20. und 21. März 2020. Kartenreservierung dienstags, mittwochs und donnerstags jeweils von 17 bis 19 Uhr unter Tel. 07621/ 47533

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