Lörrach Glanzvoll nostalgisch

Veronika Zettler
Das Glenn Miller Orchestra mit Sängerin Julia Zipprick im Burghof Foto: Veronika Zettler

Im Jahr 2020 feierte das Glenn Miller Orchestra unter der Leitung von Wil Salden sein 35-jähriges Bestehen. Doch die Jubiläumstour mussten der niederländische Bandleader und seine Mitstreiter wegen Corona bis auf weiteres verschieben. Zwei Jahre später kehrt die Formation in volle Häuser zurück: Im Burghof nahm die Big Band am Donnerstagabend die Zuhörer mit auf einen Streifzug durch ihr überaus umfangreiches Repertoire.

Von Veronika Zettler

Lörrach. Wil Salden führte als Bandleader, Pianist und Conférencier in zwei jeweils einstündigen Konzerthälften durch einen so glanzvollen wie mit mehr als 20 Musiktiteln eng getakteten Abend. Schon die „Moonlight Serenade“ als Eröffnungsstück und Erkennungsmelodie versetzte das Publikum in nostalgisch-festliche Swing-Stimmung.

Viele der Zuhörer haben „The World Famous Glenn Miller Orchestra Directed By Wil Salden“, wie die Truppe offiziell heißt, schon früher im Burghof gehört und sind vertraut mit der Besetzung: Bass, Schlagzeug, Klavier, vier Trompeten, vier Posaunen und fünf Saxofone, von denen allerdings eines meistens gegen eine Klarinette getauscht wird.

Reverenz an Musik-Meister

Letztere prägte schon Glenn Millers klassischen „Sweet Sound“. Seinerzeit soll eine Lippenverletzung des ersten Trompeters dazu geführt haben, dass der legendäre Bandleader, der 1944 mutmaßlich bei einem Flugzeugabsturz über dem Ärmelkanal ums Leben kam, alles umbesetzte, neuarrangierte und dem so entstandenen und überraschend umwerfend tönenden Klangkörper fortan die Treue hielt. In das Jubiläumsprogramm, das auch auf CD erschienen ist, hat Wil Salden bekannte wie einige weniger bekannte Titel gepackt; Instrumentals wechseln sich mit Gesangsstücken ab. Neben Großmeister Glenn Miller erweist der 72-jährige Salden anderen berühmten Bandleadern Reverenz, darunter Les Brown, Duke Ellington und Harry James. Doris Day wird ebenfalls gefeiert: Mit klarer Stimme zelebriert Sängerin Julia Zipprick (immer wieder gesanglich begleitet von den „Moonlight Serenaders“) Stücke wie „Ain’t We Got Fun“ oder „You Won’t Be Satisfied“.

Klassiker der Bigband-Ära

Klassiker wie „Tuxedo Junction“, „Take The „A“ Train“ oder das gegen Ende gespielte „In The Mood“ sind ebenso Konzerthöhepunkte wie das von Schlagzeuger Klaas Balijon bravourös vorangetriebene „Sing Sing Sing“ oder „Too Little Time“ von Henry Mancini, berühmt geworden durch die Film-Biografie „The Glenn Miller Story“ (1954) mit James Stewart, im Burghof bravourös solistisch geführt von Posaunist Hansjörg Fink.

Wie Fink treten fast alle der 16 Musiker in mal kürzeren, mal längeren Passagen als Solisten auf, oftmals in schnellem, minutiös einstudiertem Wechsel. Entsprechend viel Zwischenapplaus gibt es vom Publikum. Ebenfalls toll: In zwei völlig verschiedenen Varianten spielt die Big Band „Little Brown Jug“ – in der ersten Hälfte à la Glenn Miller, in der zweiten à la Les Brown, der daraus „Brown’s Little Jug“ machte. Neben perfektem Sound und vielen technisch ausgefeilten Solokunststücken liefert das Orchester auch diesmal eine humor- und schwungvolle Unterhaltungsshow: Gerade noch werden die Dämpfer von Trompeten und Posaunen für ein Hütchenspiel auf Musikerköpfen genutzt, da fahren im nächsten Moment die Posaunenzüge kreuz und quer in alle Richtungen aus. So viel gut gelaunte Meisterlichkeit bekommt im Burghof lang anhaltenden Applaus.

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