Lörrach Heiter literarischer Trip durch die Alpenrepublik

Die Oberbadische, 03.06.2018 17:45 Uhr

Von Peter Ade

Lörrach. Eine Reise durch die Schweiz ist – je nach Zuschnitt – nicht ganz billig. Dagegen gab’s am Sonntag zum Nulltarif im Dreiländermuseum einen ganz besonderen Trip durch die Alpenrepublik: einen literarisch-musikalischen Ausflug feinsten Zuschnitts.

Möglich gemacht hat’s der Hebelbund mit seinem Präsidenten Volker Habermaier. Nach dem „Schatzkästlein“ mit Hebels Schweizerreise von 1805 im Mittelpunkt (wir berichteten) luden Helen und Frieder Liebendörfer aus Basel gestern zu einer literarischen Stippvisite ein.

Dostojewski, Hesse, Goethe, Mark Twain und andere schilderten ihre Erlebnisse und Eindrücke von Aufenthalten im Nachbarland. Die in Riehen geborene Autorin Liebendörfer ist Kennerin der Schweizer Literatur und Geschichte. Ihr Mann Frieder Liebendörfer ist als Musiklehrer und Dirigent tätig und begleitet die Lesungen seiner Frau am Klavier.

Jeremias Gotthelf verstand seine Arbeit als Fortsetzung der Seelsorge mit anderen Mitteln. Er gilt als einer der bekanntesten Schweizer Schriftsteller und war noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts sehr populär.

Dostojewski hielt sich um 1867 in der Schweiz auf. Seine Schilderung aus Basel löst Heiterkeit aus, denn auf dem Marktplatz habe ihn ein schreiender Esel von tiefer Depression und Niedergeschlagenheit befreit.

Marc Twain besuchte Zermatt auf seiner zweiten Europareise. 1879 kam er in Begleitung seines Freundes Harris Twichell zu Fuß auf dem Rigi an und brachte später zu Papier: „Es gibt kein besseres Schlafmittel als eine Alpenwanderung.“ Nebenbei amüsierte er sich über die hohe Kunst des Jodelns.

Drei Reisen in die Schweiz faszinierten Goethe. Seine Begegnung mit großen Naturerlebnissen weckten in ihm den Wunsch, unverfälscht die ewigen Gesetze der Natur direkt zu erleben.

Im Tessiner Dorf Montagnola verbrachte der aus Calw im Nordschwarzwald stammende Schriftsteller Hermann Hesse über die Hälfte seines Lebens. 1988 mokierte er sich nach einem Aufenthalt in Lugano über die Auswüchse des Tourismus.

Der bekannte österreichische Autor Karl Heinrich Waggerl lobte die Schweizer über den Klee. Dabei konnte er sich einen Seitenhieb auf deren Hang zur Perfektion nicht verkneifen: „Die Züge sind so ermüdend pünktlich.“

Die Zuhörer im Hebelsaal waren begeistert von der lockeren Präsentation der literarischen Schmonzetten. Nicht weniger gut kam das Klavierspiel zwischen den heiteren Textpassagen an – von Liebendörfers Menuett über „Z’Basel an mym Rhy“ bis hin zu Mendelssohns „Lied ohne Worte“.