Lörrach Hovenbitzer verteidigt Depotplanung

Bernhard Konrad
So soll es aussehen: das Sammlungsdepot für das DreiländermuseumDigitale Skizze: Wilhelm und Hovenbitzer Quelle: Unbekannt

Der Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT) hat am Donnerstagabend in der Aula des TonArt die Kostenentwicklung des Museumsdepots erörtert. Architekt Frank Hovenbitzer wandte sich entschieden gegen Vorwürfe der Fehlplanung.

Von Bernhard Konrad

Lörrach. Diese wurden zuletzt am Dienstag im Ortschaftsrat Brombach laut (wir berichteten). Insbesondere deshalb, weil weitere Mittel in Höhe von 50 000 Euro für den Finanzplan 2023 zur Verfügung gestellt werden sollen. Zuvor war die Entwicklung der Kosten für das Depot auch von der Fraktion der Freien Wähler kritisiert worden. In Zahlen ausgedrückt: Für das mit knapp 5,9 Millionen Euro veranschlagte Depot ist mit Mehrkosten in Höhe von rund 415 000 Euro zu rechnen.

Der Hintergrund

Derzeit lagern die Objekte zur Dreiländergeschichte in ehemaligen Räumen der Gaba: einer Firma für Zahn- und Mundpflegeprodukte.

Wie berichtet, hat der Begleitausschuss des Interreg-Programms der Europäischen Union 1,74 Millionen Euro für Lörrach bewilligt, die nun in den Bau des Sammlungsdepots investiert werden. Die Ausschüttung dieser Summe war an die zeitnahe Planung und Umsetzung des Projekts gebunden, so dass dieses unverzüglich angepackt werden musste – sonst wäre der Zuschuss verfallen und das Depot damit vom Tisch.

Unterdessen war die Planung für das umliegende Brombacher Gewerbegebiet noch nicht abgeschlossen, so dass sich Abstimmungen von Gebiet und Gebäude erst im Nachhinein ergeben haben, wie Annette Buchauer, Fachbereichsleiterin Grundstücks- und Gebäudemanagement, nochmals erläuterte.

Der Museumsleiter

Das von Hovenbitzer konzipierte Depot werde mit „sehr disziplinierter Kostenkontrolle“ errichtet, betonte auch Museumsleiter Markus Moehring kürzlich beim Jahresrückblick 2021 auf Nachfrage unserer Zeitung. Kostensteigerungen seien zum einen auf die speziellen Anforderungen des Gewerbegebiets zurückzuführen. Zum anderen werde etwa die Regal-Anlage zwar teurer als geplant – aber nur deshalb, weil das Gebäude letztlich kompakter gebaut wurde als ursprünglich angedacht und damit Kosten gespart wurden. Die neue Bauweise erfordere ein anderes, flexibleres und damit kostspieligeres Regalsystem, so Moehring. Indes seien diese Mehrkosten komplett von Spenden aufgefangen worden.

Die Fraktionen

Gerd Wernthaler (Grüne) erinnerte ebenfalls an den hohen Anteil an Zuschüssen und Spenden, die in das Projekt fließen. Er dankte dem Museumsverein und der Bürgerstiftung für deren Engagement. Diesem Dank schloss sich Christa Rufer (SPD) an. Sie bezeichnete Buchauers Erklärungen als „nachvollziehbar“. Es gehe hier um „Notwendigkeiten, nicht um Luxusausstattung.“ Diese Sichtweise teilte Petra Höfler (CDU) im Grundsatz. Im vorliegenden Zusammenhang habe der Architekt in seiner Planung manches noch nicht berücksichtigen können. Auch sie dankte Museumsverein und Bürgerstiftung. Matthias Lindemer (Freie Wähler) befand sich in den vergangenen Wochen offenbar im Austausch mit Hovenbitzer. Er habe „einiges gelernt“, sagte der Fraktionsvorsitzende. Gleichwohl betonte er, dass sich gerade bei Bauprojekten der Stadt immer wieder Frage ergäben.

Der Architekt

Hovenbitzer (Büro „wilhelm und hovenbitzer“, Freie Architekten) zeigte sich – wörtlich: „fassungslos“ darüber, wie das Thema im Ortschaftsrat Brombach diskutiert wurde. Er erklärte nochmals Aspekte der Planung und warum die Ausführung an der ein oder anderen Stelle teurer wurde. Tatsache sei aber, dass „hier extrem wirtschaftlich geplant wird“. Die Ausführung sei geradezu „spartanisch – bei hoher architektonischer Qualität“. Das Gebäude sei auch im Vergleich mit anderen Sammlungsdepots günstig. Er bot den Fraktionen an, die Dinge bei Bedarf nochmals zu erläutern.

Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic erinnerte daran, dass das Depot-Projekt zwar zu einem Zeitpunkt aufgegleist und begonnen werden musste, an dem die Stadt damit „ein bisschen ins Risiko“ ging. Aber: Die dadurch gesicherten Fördermittel seien wesentlich höher als die Mehrkosten. Der Ausschuss unterstützte die Vorlage einstimmig. Das letzte Wort hat der Gemeinderat.

Lörrach (ov/bk). In der Vorlage für den Ausschuss für Umwelt und Technik hat die Verwaltung nochmals die Kostenentwicklung für das Sammlungsdepot des Dreiländermuseum skizziert.

Der Gemeinderat hat im Juli 2019 die Planung und Kostenberechnung für den Neubau in Höhe von 5,46 Millionen Euro genehmigt. Auf Grund der zu erwartenden Preissteigerung bis zur Fertigstellung des Gebäudes wurden schließlich im Haushalts- und Finanzplan Gesamtkosten in Höhe von knapp 5,9 Millionen Euro für die Maßnahme veranschlagt.

Indes wurden diese Kosten überschritten. Im Haushaltsplan 2022 wurde deshalb grünes Licht für Gesamtkosten in Höhe von 6,25 Millionen Euro gegeben.­ Die aktuelle Sitzungvorlage sah nun weitere zusätzliche Mittel in Höhe von 50 000 Euro vor.

Die Mehrkosten entstanden auf Grund einiger Änderungen, die in Entwurfsplanung und Kostenberechnung nicht enthalten waren: Sie betreffen etwa die Lagertechnik, zusätzliche Anforderungen für Sicherheit und Brandschutz, den Niveauausgleich des Geländes im Baugebiet und eine provisorische Baustraße.

Die errechneten Mehrkosten betragen letztlich insgesamt 666 500 Euro. Nach der aktuellen Kostenprognose können aber 251 500 Euro am Gebäude eingespart werden, so dass unterm Strich Mehrkosten in Höhe von rund 415 000 Euro erforderlich sein werden, erklärt die Stadt.

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