Lörrach Improvisation mit Powerpoint

Regine Ounas-Kräusel
Das Publikum hat Lena Stokoff und Valerio Moser ins Finale geklatscht. Nun knobeln sie unter Aufsicht von Moderator Johannes Elster (rechts), wer zuerst ran darf. Foto: Regine Ounas-Kräusel

Ohne Improvisationstalent geht gar nichts beim Powerpoint-Karaoke. Am Mittwoch begeisterten Wortakrobaten mit aberwitzigen Vorträgen über Themen wie Biodiversität, Darmspiegelungen, Feuerwehrschläuche und Schweizer Einkaufstouristen.

Man könnte das Powerpoint-Karaoke als Spielart des Poetryslam bewerten - oder eben doch nicht. Hier wie dort bewertet das Publikum die Wortkünstler auf der Bühne mit seinem Applaus und klatscht die Besten ins Finale - schon allein das sorgt für Stimmung. Hier wie dort haben die Menschen auf der Bühne sechseinhalb Minuten Zeit, um ihre Zuhörer zu überzeugen. Doch beim Powerpoint-Karaoke trägt niemand selbst geschriebene Texte vor, es geht spontaner zu: Rauf auf die Bühne, Moderator Johannes Elster spielt eine unbekannte Powerpoint-Präsentation ein und los geht es mit dem Vortrag!

Die Schweizer

Sie standen auf der Bühne (von links) Etritt Hasler, Lena Stockoff, Mario Salas, Gewinner Valerio Moser, Rainer aus dem Publikum, Fehmi Taner, Moderator Johannes Elster. Foto: Regine Ounas-Kräusel

Wegen des aktuellen Bahnstreiks standen vor allem Schweizer Poetryslammer auf der Bühne. Fehmi Taner sah sich mit Folien zum Schuhmacherhandwerk konfrontiert. Doch bevor er loslegte, ließ ihn Elster noch ein Kärtchen mit einem Thema ziehen, das mit dem PPT gar nichts zu tun hatte: „Biodiversität“. Fehmi ließ die Menschen in ihren Schuhen rennen, springen, sich im Wald mit Bären anfreunden und endete mit einem schmetternden: „Wo drückt der Schuh?“ Etrit Hasler klickte sich zum Thema „Darmspiegelung“ durch Schulungsfolien der Feuerwehr. Im Sprachgewitter vereinigte er diese beiden Schlauchthemen, referierte über Nebenöffnungen und Spezialschäume.

Schön skurril

Ebenso skurril ging es weiter: Vor traumhaften Fotos vom Meer, der bunten Unterwasserwelt und von Hotels referierte Valerio Moser über den Tourismus, Seeigel und die „Helden seiner Kindheit“. Die Zuhörer, unter denen viele junge Leute saßen, katapultierten den eloquenten Mann mit Applaus, mit Trampeln und Rufen ins Finale.

„Wald im Wandel“

Nach einer kurzen Pause bewegte sich Mario Salas wortgewandt durch eine Präsentation über einen biederen Marktflecken und das Thema „Wald im Wandel“. Hier sehen Sie den Bürgermeister, hier das Standesamt, davor einen Baum, referierte er brav. „Und was haben Sie, wenn Sie noch einen Baum pflanzen, zwei, 500? Einen Wald“, rief er enthusiastisch. Charmant und nie um ein Wort verlegen schlug Lena Stokoff aus Stuttgart den Bogen von der Arbeitssicherheit bei Seilbahnen zum Liebes-Dating: Immer das Geschehen in der Hand behalten und genau überlegen, wie riskant es ist, Altanlagen wieder zu verwenden, empfahl sie. Auch sie wurde vom Publikum ins Finale applaudiert.

Wortgewaltig

Valerio Moser Foto: Regine Ounas-Kräusel

Doch die Zuhörer waren nicht nur als Applaudeure gefragt. Rainer, ein Zuhörer, wechselte nach freundlicher Einladung des Moderators mutig ins Rampenlicht. Er erwies sich als Stimmungskanone. Wortgewaltig, mit alemannischem Zungenschlag referierte er über das Wesen des Schweizer „Einkaufstouristen“ am Beispiel des „Rentiers“: Das riesige Schaufelgeweih hilft, die Schnäppchen zu stapeln, das dicke Fell gegen gelegentlichen Unmut der Einheimischen.

Das Finale

Das Finale machten dann aber doch Valerio Moser und Lena Stokoff unter sich aus. Am Ende nahm Moser strahlend die Siegestrophäe entgegen: eine Karte, die den aufgenommenen Schlussapplaus wiedergab. Zuhörer hatten sie mit Sprüchen des Abends gestaltet. Besucher hatten auch die Stichworte beigesteuert, die die Akteure im Laufe des Abends auf Kärtchen bei Johannes Elster zogen.

Weitere Höhepunkte in der Reihe BurghofSlam: 22. Februar Science Slam, 9. März Just.Cimate: Poetry Slam über Klimagerechtigkeit. 4. Mai Museumskaraoke. Infos w

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