Schon lange wurde darüber spekuliert, nun ist es offenbar beschlossen: Wie der Lörracher IG Metall-Geschäftsführer Thomas Bittner gestern Nachmittag im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigte, will die KBC ihre Belegschaft noch in diesem Jahr von 380 auf 120 Mitarbeiter abbauen. Dies habe KBC-Geschäftsführer Henri Rowienski in einer Betriebsversammlung mitgeteilt. Damit geht in Lörrach eine Ära zu Ende.

Von Bernhard Konrad und Guido Neidinger

Lörrach. Wie Bittner erläuterte, soll unter anderem die Rotation nach Norditalien in den Raum Como verlegt werden. Lediglich rund 120 Mitarbeiter sollen etwa im Segment „Inkjet-Druck“ weiterhin in Lörrach beschäftigt werden, so Bittner, der die Abbau-Pläne als „Schlag ins Kontor“ bezeichnete. Zum Vergleich: Das im Jahr 1752 gegründete Unternehmen beschäftigte 1994 noch gut 4000 Mitarbeiter.

Rund 60 Arbeitnehmer aus Lörrach hätten nun die Möglichkeit, in Como eine Stelle anzutreten. Am 3. Mai werden die Verhandlungen mit der KBC beginnen, sagte der Geschäftsführer der IG Metall Lörrach.

„Ich halte diese Entscheidung für falsch“, betonte Bittner. Er glaube nicht, dass die Lohn- und Produktionskosten in Norditalien wesentlich geringer seien als in Deutsachland. Er sei zudem überzeugt davon, dass die KBC in Lörrach „mit ihrer qualifizierten, langjährigen Belegschaft auch in Zukunft Erfolg gehabt hätte.“

Gerüchte, dass die KBC- Produktion oder große Teile davon nach Italien verlagert werden könnten, gibt es seit Längerem. Henri Rowienski hat das im Gespräch mit unserer Zeitung bereits im Juli vergangenen Jahres nicht ausgeschlossen. Er bestätigte, dass die Konzernmutter Imprima zwischen Como und dem Flughafen Mailand-Malpensa den Aufbau einer großen Plattform für Textildruck plane. Offenbar will Imprima nach dem Kauf des Stoffdruckunternehmens Guarisco und weiterer Zukäufe hier eine zentrale Produktionsstätte des Konzerns aufbauen.

Dass die Produktion von KBC in Lörrach auf wackligen Füßen steht, deutete Rowienski an. Denn: Während der frühere KBC-Eigentümer Claas E. Daun „stets sehr zufrieden“ mit den Geschäftsergebnissen gewesen sei, stehe in der heutigen Situation die Gewinnmaximierung im Vordergrund. Diese Worte könnten auch so zu verstehen sein: Die KBC arbeitet zwar profitabel, doch die Gewinnmargen reichen der italienischen Konzernmutter Imprima nicht.

Nach dem Verkauf der KBC an Imprima – der Konzern gehört zur „Wise sgr“ –­ hat Daun kürzlich auch die Immobilie mit rund 80 000 Quadratmetern Fläche veräußert (wir berichteten). Diese Information bestätigte Oberbürgermeister Jörg Lutz gegenüber unserer Zeitung. Bei den Käufern soll es sich um zwei finanziell sehr potente Schweizer Investoren handeln. Die KBC ist weiterhin Mieterin.

Henri Rowienski war gestern am frühen Abend nicht zu erreichen.