Lörrach Kein einfaches Jahr

Von Beatrice Ehrlich

Lörrach. Ein durchwachsenes Jahr liegt hinter den Winzern: Das wurde beim traditionellen Rebrundgang mit Karlheinz Ruser und zahlreichen Interessenten am Tüllinger Berg deutlich.

Ein Jahr, das sich Ruser zufolge nicht bei der Qualität im Fass, wohl aber bei einigen Rebsorten im vergleichsweise niedrigen Ertrag niederschlagen werde. So seien bei Chardonnay und Lemberger aufgrund des frühen Austriebs Frostschäden zu verzeichnen gewesen, Pilzbefall und falscher Mehltau, denen die starken Regenfälle im Mai Vorschub leisteten, hätten weitere Reben geschädigt, Sonnenbrand in Südlagen kam vereinzelt hinzu.

Pilzbefall fordert die Winzer

Als relativ robust erweist sich indessen der Gutedel. Prall und rund hängen die Trauben an den Stöcken, so dass manchem Betrachter andere Sorten dagegen fast schon mickrig erscheinen.

Während der Rebbegehung, an deren Ende wie jedes Jahr ein zünftiges Vesper mit Weinprobe mitten in den Weinbergen mit herrlichem Blick auf Lörrach und Riehen stand, bestand die Möglichkeit, mit den anliegenden Winzern ins Gespräch zu kommen.

Ruser zeigte den Teilnehmern verschiedene Schäden an Trauben und Weinstöcken, von denen sich die meisten aus seiner Sicht nur durch den konsequenten und passgenauen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln hätten verhindern lassen.

Trotz der immer wieder auftretenden Schäden durch Pilzbefall steht Ruser den neuentwickelten pilzresistenten Rebsorten, den sogenannten PiWis nach wie vor skeptisch gegenüber, erklärte er auf Nachfrage eines Teilnehmers. In seinen Augen seien die neuen Sorten momentan keine Lösung für Probleme im Weinberg, da sie vom Verbraucher nicht angenommen würden.

Dass er als Bio-Winzer deutliche Einbußen bei den Erträgen hinnehmen müsse, bestätigte Johannes Schneider vom Altweiler Weingut am Schlipf. Mit rund zwölf Hektar bewirtschaftet er eine im Vergleich große Anbaufläche.

Die Weinlese beginnt Ende September

Die Weinlese beginnt in diesem Jahr Ende September und nicht schon im August wie in den vergangenen beiden Jahren. Ab dem 27. September hält sich Rusers Helferschar bereit für die sorgfältige Lese mit der Hand, die in diesem Jahr anspruchsvoll zu werden verspricht, da hier und da beschädigte Beeren aus den Trauben herausgeschnitten werden müssen. Davor erfolgt die Sektgrundweinlese.

Auf großes Interesse bei den Teilnehmern am Rebrundgang stießen auch zwei Sonnenblumenfelder zwischen den Rebanlagen. Als Zwischenfrucht, bevor die neuen Rebstöcke gepflanzt werden, dienten sie einerseits der Verbesserung des Bodens, so der Winzer, andererseits seien sie ein attraktiver Anziehungspunkt für Bienen und andere Bestäuber.

Der Rebrundgang am Tüllinger wurde in den 60er-Jahren von Rebobmann Karl Rupp, den Bammerten Karl Heimgartner und Karl Oswald, Ratsschreiber Walter Jung und Adolf Leonhard, Vorsitzender des Gesangvereins Tüllingen, ins Leben gerufen und wird nun schon seit vielen Jahren von Karlheinz Ruser durchgeführt.

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