Lörrach Keine Schlachtungen mehr in Lörrach

Die Oberbadische, 04.05.2018 03:15 Uhr

Der Lörracher Schlachthof stellt seine Schlachtungen zum 31. Mai ein. Hauptgrund ist der Fachkräftemangel, wie Harald Koneberg von der betreibenden Emil Färber GmbH & Co. KG gestern im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte. Für den Landesinnungsmeister Joachim Lederer die „einfachste Ausrede“ für fehlendes Engagement in der Ausbildung.

Von Kristoff Meller

Lörrach. „Wer heute gute Fachkräfte haben will, muss etwas dafür tun. Stichwort Ausbildung. Die Firma Färber hat aber in Lörrach nie selbst ausgebildet,“ sagte Joachim Lederer, Inhaber der gleichnamigen Metzgerei mit Partyservice in Weil am Rhein, gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. „Betriebe die sich engagieren, haben Personal.“

Generell habe die Zahl der Fleischer- und Metzger-Auszubildenden in den vergangenen Jahren zwar stagniert, in diesem Jahr könne man aber „gute Zahlen“ bei den Ausbildungsplätzen vorweisen. „Wir haben sogar eine Warteliste für unsere Metzgerei, die Ausbildung kostet aber Zeit, Energie und Geld, man muss den Nachwuchs an der Hand nehmen“, so Lederer. Die Firma Färber habe sich aber stets darauf konzentriert, anderen Betrieben die ausgebildeten Fachkräfte abzuwerben, kritisierte Lederer.

Die Emil Färber GmbH & Co. KG mit Hauptsitz in Emmendingen ist laut Firmenhomepage derzeit an 26 Standorten inklusive Schlachthöfen in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz vertreten. Am Standort an der Lörracher Schlachthofstraße soll es künftig nur noch die Bereiche Zerlegung und Fleischhandel geben, wie Konenberg erklärte, weshalb lokale Metzgereien und der Einzelhandel sowie die Gastronomie weiterhin mit schlachtfrischem Fleisch versorg werden könnten.

Die Erzeugerbetriebe aus der Region, die mit Färber zusammenarbeiten, müssten ihre Tiere laut Koneberg künftig allerdings zu den Färber-Schlachthöfen nach Waldshut und Freiburg transportieren, was beispielsweise die Erzeugergemeinschaft Gersbach-Wiesental bereits bei ihrer Generalversammlung im März beklagt hatte. Denn für stressfreie Tiertransporte sollte die Strecke vom Stall bis zum Schlachter möglichst kurz sein.

„Ob man von Gersbach nun nach Waldshut oder Lörrach fährt, das sind doch nur drei Kilometer Unterschied“, befand gestern Harald Koneberg. Nicht ganz. Laut Google Maps sind es 15 Kilometer. Doch für Landesinnungsmeister Joachim Lederer gibt es Alternativen zum längeren Transport: Natürlich sei es schade, wenn eine Schlachtstelle schließe („die kommt nicht wieder“) aber die übrigen Schlachtbetriebe im Kreis könnten den Wegfall der Schlachtmöglichkeit in Lörrach auffangen: ­„Wir sind in der Region gar nicht so schlecht aufgestellt“, erklärte Lederer. Grundsätzlich müssten die Metzgereien aber umdenken und „viel stärker zusammenspannen“, um fit für die Zukunft zu werden.