Lörrach Klangwunder mit Raffinesse

Führendes Kammermusik-Ensemble: das in Berlin ansässige Artemis Quartett Foto: zVg Foto: Die Oberbadische

Von Jürgen Scharf

Lörrach. Hochkarätig ging die Burghof-Saison zu Ende: mit dem Konzert einer weltweit führenden Quartett-Formation, dem Artemis-Quartett, das eine beispiellose Karriere hingelegt hat und seit einiger Zeit mit einer Neubesetzung an der ersten Violine glänzt.

Der fulminante Auftritt dieses Ensembles mit einem sehr facettenreichen Konzertprogramm mit Streichquartetten von Mozart, Peteris Vasks und Dvorák war das Sahnehäubchen auf dem Jahresprogramm und einer Spielzeit, bei der 30 000 Besucher die Position eines der wichtigsten Veranstaltungshäuser in der Dreiländer-Region gestärkt haben.

Bis auf den Cellisten Eckart Runge, der auf einem erhöhten Podest sitzt, spielen die Musiker im Stehen – das haben die modernen Quartette von der historischen Fraktion abgeschaut. Aber das gibt dem Musizieren einen Kick ins körperlich Vitale. Aber eigentlich hat das Artemis Quartett schon immer für Bewegenderes gesorgt als viele andere Quartette.

Der Wechsel am Pult der ersten Geige – Umbesetzungen in eingespielten Ensembles sind immer riskant – hat noch mehr klangliches Raffinement gebracht.

Bereits in Mozarts Streichquartett G-Dur, KV 387, das stellenweise etwas überakzentuiert dargeboten wurde (die Bratsche trägt als einzige dicker auf), hat die neue Primaria schwer beeindruckt.

Vineta Sareika spielt sehr lyrisch, leicht spröde und doch strahlend, ihr schlanker Geigenton erinnert an den von Isabelle Faust. Bei Mozart erlebt man so ein äußerst ästhetisches Musizieren, ein homogenes Zusammenspiel zwischen dem zweiten Geiger Gregor Sigl, Friedemann Weigle an der Viola, Eckart Runge am Cello und ihr. Ein apollinisches Spiel in vollkommener Schönheit und Streicher-Reinkultur. Alle Sätze in einer exquisiten Dynamik mit allerfeinsten Pianissimi, differenziert, durchhörbar, jede Stimme einzeln ortbar und doch ein harmonisches Ganzes – phänomenal, geradezu ein Klangwunder, was sich da ereignet. Das Andante cantabile wird zelebriert – alles fast schon eine Nuance zu schön, zu überirdisch.

Auf den Boden der Tatsachen und des Lebens holen einen dann die realistischeren Klänge in Peteris Vasks fünftem Streichquartett zurück. Schon ein sehr extremer Wechsel von Mozart zu Vasks, denn hier herrscht ein harscher Ton, eine dissonantere Tonsprache, die das nach der griechischen Göttin der Jagd und des Waldes benannte Quartett klanglich zugespitzt und mit immenser Ausdruckskraft auslotet. Zwar ist Vasks Quartett von 2005 ein tonales, postromantisches Werk, das mit dem ständigen Kreisen und dem minimalistischen Ausdruck in Richtung Arvo Pärt geht, aber doch spannende Musik, deren Brüche und ungewöhnliche Klangfarben die Musiker in einem emotionalen Tiefgang voll ausreizen. Der zweite Satz, ein großer Trauergesang, wird sehr expressiv interpretiert, mit ins fast Unhörbare zurückgenommenen Decrescendi.

Es ist ein Abend mit dem unverwechselbar dichten Ensembleklang dieser Kammermusik-Formation, die international eine der besten ist. Neben dem Vasks kann auch Dvoráks nicht eben sehr häufig aufgeführtes 13. Streichquartett in G-Dur mit seinem Schubertschen Einschlag und dem besonders intensiv gespielten langsamen Satz als Entdeckung gelten. So furios und dramatisch wie alles an diesem Abend gespielt. Als Zugabe der Schlusssatz des weit bekannteren und populären „Amerikanischen“ Streichquartetts.

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