Lörrach Kleines Denkmal für großen Krieg

Lörrach/Colmar/Hartmannswillerkopf - Das aktuelle Interreg-Projekt „Die Dreiländersammlung“ gibt nicht nur über 1,7 Millionen Euro Zuschüsse für das Lörracher Museumsdepot. Zu ihm gehört auch eine intensive Zusammenarbeit zwischen dem Dreiländermuseum und dem Historial Hartmannswillerkopf in den Vogesen. Das Dreiländermuseum unterstützt dessen Ausstellung, die 100 Jahre Denkmalschutz dieser französischen nationalen Gedenkstätte zum Ersten Weltkrieg vorstellt.

Die Zusammenarbeit funktioniert trotz erschwerter Bedingungen angesichts der Corona-Pandemie vertrauensvoll und ist ein erneutes Zeichen deutsch-französischer Freundschaft, heißt es in einer Mitteilung. Jean Klinkert, Präsident der Gedenkstätte Hartmannswillerkopf, freut sich über die Kooperation im Rahmen des Interreg-Projektes „Die Dreiländersammlung“: „Unsere Ausstellung zur 100-jährigen Geschichte des Hartmanns-willerkopf als Denkmal bekommt so eine wichtige Ergänzung von deutscher Seite und zeigt, wie vertrauensvoll und freundschaftlich wir heute zusammenarbeiten.“

Viele tausend Soldaten starben bei furchtbarem Stellungskrieg

Am Hartmannswillerkopf hatten sich Deutsche und Franzosen während des Ersten Weltkriegs in einem furchtbaren Stellungskrieg bekämpft. Viele tausend Soldaten starben. 1921 stellte Frankreich das Kampfgelände mit den Stellungsgräben unter Denkmalschutz und errichtete eine nationale Gedenkstätte für die französischen Opfer. Das 2017 gegründete Museum Historial Hartmannswillerkopf thematisiert auch die deutschen Opfer und arbeitet seit seiner Gründung eng mit dem Dreiländermuseum zusammen.

Die Ausstellung „100 Jahre Denkmalschutz für den Hartmannswillerkopf“ soll im Frühjahr mit Leihgaben aus Lörrach eröffnet werden, sobald es die Pandemie zulässt. Ein Kurier brachte jetzt die Exponate aus Lörrach über die de facto geschlossene Grenze nach Frankreich.

Deutschland errichtete in den 1920er Jahren in Tannenberg in Ostpreußen sein großes nationales Denkmal zum Ersten Weltkrieg. An der Westfront war eine solche Gedenkstätte nicht möglich, da mit der Rückkehr des Elsass an Frankreich 1918 die Schlachtfelder der Westfront auf französischem Boden lagen. Deshalb wählten Veteranen der achten Landwehr-Division, die im Elsass gekämpft hatte, den Tüllinger Berg als Standort aus, um wenigstens ein kleines Denkmal auf deutscher Seite zu errichten.

Es befindet sich nahe dem Lindenplatz am Weg von Obertüllingen nach Ötlingen, von wo die ehemaligen Schlachtfelder im Sundgau und der Hartmannswillerkopf gut zu sehen sind. Die Ausstellung am Hartmannswillerkopf will nun auch die Geschichte des Tüllinger Denkmals als deutsches Pendant zur französischen Gedenkstätte erzählen.

Ausführliche Recherche zum Tüllinger Denkmal

Die neue Volontärin des Dreiländermuseums, Lenita Claassen, hat in diesem Zusammenhang ausführlich in der Sammlung des Dreiländermuseums und im Stadtarchiv zur Geschichte des Tüllinger Denkmals recherchiert: Nach ersten Plänen sollte beim heutigen Parkplatz direkt am Lindenplatz ein Altar mit dem Relief eines badischen Greifs und ein großes Kreuz, geziert mit einem Schwert, errichtet werden.

Nicht nur Stimmen aus der Bevölkerung, sondern auch das Amt für Naturschutz, der Verein Badische Heimat und andere wandten sich gegen diese Pläne und kämpften dafür, die Schönheit des besonderen Ortes zu bewahren. Die vielen kritischen Stimmen führten schließlich dazu, dass deutlich zurückhaltender am Waldrand gebaut wurde.

Über 500 Personen strömten trotz regnerischem Wetter im Oktober 1929 zu der dreitägigen Denkmalsweihe auf den Tüllinger Berg. Anschließend fuhren einige Veteranen zum Hartmannswillerkopf, um vor Ort die Kriegsschauplätze zu betrachten und ihrer gefallenen Kameraden zu gedenken.

Das Denkmal vom Tüllinger wird in der Ausstellung nun auf dem Hartmannswillerkopf Thema werden, weil es zum 100-Jahr-Jubiläum der großen nationalen französischen Gedenkstätte Hartmannswillerkopf eine deutsche Perspektive beisteuert, die im Vergleich bescheiden ausfallen musste. Als Leihgaben stellt das Museum unter anderem ein Gipsmodell, historische Fotos und eine Lithographie des Tüllinger Malers Adolf Glattacker zur Verfügung, die anlässlich der Einweihung des Denkmals 1929 entstand.

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