Lörrach Klug und leidenschaftlich

Höchstes Konzertvergnügen mit Martin Helmchen (v. l.), Antje Weithaas und Marie-Elisabeth Hecker (Violoncello) und (Klavier) im Burghof Foto: Willi Vogl

Lörrach - Die Geschichte der Gattung Klaviertrio ist eine Geschichte der Emanzipation der beiden Streichinstrumente aus der Dominanz des Klaviers. Welche instrumentale Arbeitsteilung die Komponisten der verschiedenen Epochen im Blick hatten, wurde mit dem exzellenten Trio Antje Weithaas (Violine), Marie-Elisabeth Hecker (Violoncello) und Martin Helmchen (Klavier) im jüngsten Burghofkonzert lebendig.

Kleingliedrige Ausdruckskontraste beherrschen alle Sätze

Auf Virtuosität bedachte Violoncellisten reißen sich nicht um die Mitwirkung bei frühklassischen Klaviertrios, sehen sie ihren Part hier doch weitgehend auf eine schlichte Bassgrundierung beschränkt. Dies ist auch in Joseph Haydns Trio in C-Dur, Hob. XV:27 der Fall. Allerdings genügt es hier nicht, den tiefen Streicherpart als behäbige Zutat zu den zumeist quirlig thematisch angereicherten Parts von Klavier und Violine beizusteuern. Marie-Elisabeth Hecker inszenierte ihren Part in den langen Tönen als innerlich bewegte Stimme und erwies sich auch in den gelegentlichen lebhaften Figuren jederzeit als feine Kammermusikpartnerin auf Augenhöhe mit ihren beiden Triokollegen. Kleingliedrige Ausdruckskontraste beherrschten alle drei Sätze des 1795 in London entstandenen Trios. Sie behinderten jedoch nicht die Wahrnehmung der thematischen Einheiten, sondern sorgten durch das feinnervige Spiel des Trios für farbliche Lebendigkeit. Trotz des voll geöffneten Flügels entstand eine rundum ausgewogene Balance. So konnte sich im Presto die Figürlichkeit im Klavier als kompositorische Gratwanderung zwischen thematischem Gewusel und perlenden Begleitkaskaden darstellen.

Eröffnet wurde das Konzert mit Lili Boulangers D’un matin de printemps, einem einsätzigen Charakterstück, das sie in ihrem Todesjahr 1918 komponierte. Die leider mit 25 Jahren viel zu früh verstorbene Komponistin zeigte sich darin als impressionistische Magierin in einer von der Klassik angeregten Formgebung. Über den hell pochenden Klavierrepetitionen Martin Helmchens entwickelten Antje Weithaas und Marie-Elisabeth Hecker ein elektrisierendes thematisches Gespinst.

Mit Robert Schumanns Vier Fantasiestücken Op. 88 lud das Trio in den poetischen Zaubergarten klingender Romantik ein. Bereits die Romanze bot den beiden Streichern schönste Gelegenheit zu innigem Zwiegesang. Die Humoreske entpuppte sich als Kaleidoskop von expressiv sprechenden Gesten und exaltierten Auftaktgesten, während das Duett durch rhapsodisches Schmachten und imitatorische Zärtlichkeit bestach. Das großräumige Decrescendo im Finale gestaltete sich zum atemberaubenden Faszinosum, bevor impulsive Schlussakkorde den Schumann´schen Klangtraum beendeten.

Schwelgerisch ging es auch mit Felix Mendelssohn Bartholdys Trio d-Moll Op. 49 weiter. Im Molto Allegro Agitato wurden elegische Linien immer wieder durch markante Artikulationen aufgelockert. Im Andante sorgten unterschiedliche Artikulationen von weicher Kantabilität bis hin zu klangvollem Pizzicato für einen innig bewegten Melodiestrom. Die im Finale bis an die Hörschwelle zurückgenommenen langen Töne der Streicher wirkten keineswegs manieriert, sondern konnten als konsequent inszenierte Ausdrucksdetails verstanden werden. Dabei durften die blitzschnellen und akkuraten Wechsel zwischen thematischen Vordergrund und begleitendem Hintergrund keineswegs als Selbstverständlichkeit erachtet werden, zumal dieses Trio nicht beständig zusammen konzertiert.

In welcher Liga das Ensemble spielt, konnte man mitunter an den parallelen Oktavführungen der Streicher festmachen, die auf den Punkt zusammen atmeten. Aber auch die Fähigkeit Martin Helmchens, die zur Klangmassierung neigenden Arpeggien immer wieder dynamisch abzufangen, zeugen von der hohen Spielerklasse. Die klugen wie leidenschaftlichen Interpretationen bereiteten dem leider spärlich erschienenen Publikum höchstes Konzertvergnügen.

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