Lörrach Lautlos in die (teure) Zukunft

Lörrach - Fast geräuschlos und vor allem emissionsfrei bewegt sich der Linienbus um die Mittagszeit durch die neu gestaltete Basler Straße. Seit dem heutigen Montag setzt die Stadt erstmals dauerhaft einen E-Linienbus im Stadtverkehr – hauptsächlich auf der Linie 7 zwischen Salzert und Karl-Herbster-Platz – ein. Wirtschaftlich ist der Umstieg von Diesel- auf Elektroantrieb jedoch nicht.

Zweijähriges „Reallabor“

Doch das erklärte Ziel der Stadtverwaltung ist es, den „Verkehr, dort wo wir ihn beeinflussen können, möglichst emissionsfrei hinzubekommen“, sagte Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic beim Pressetermin am Montagvormittag. Zwei Jahre lang soll darum nun in einer Art „Reallabor“, so Neuhöfer-Avdic, getestet werden, was für einen umweltfreundlicheren ÖPNV notwendig ist und wo die Schwierigkeiten sowie Herausforderungen liegen.

Reichweite die große Schwachstelle

Eine der größten Schwachstellen des elektrisch angetriebenen Linienbusses vom Typ „Solaris Urbino 12 electric“, der bereits im Februar für einige Wochen zu Testzwecken durch Lörrach rollte, ist aktuell seine Reichweite. Diese beträgt unter „guten Bedingungen rund 150 Kilometer“, wie Stephan Wisser, Leiter Fachbereich Bustechnik und Werkstätten bei der SWEG, erläuterte. Wird die Klimaanlage oder Heizung eingeschaltet, sinkt die Reichweite entsprechend.

Darum kann er jeweils nur für etwa einen halben Tag eingesetzt werden, danach übernimmt ein konventioneller Diesel-Bus die Strecke, und das E-Modell muss im Depot der SWEG in Weil am Rhein geladen werden. Mittelfristig wird laut Wolfgang Droll, Leiter der Stadtwerke Lörrach, über eine Ladestation am Hauptbahnhof nachgedacht. In der Testphase soll unter anderem geprüft werden, wo und wann die Aufladung am sinnvollsten ist.

Infrastruktur für Schnelladung fehlt bislang

Der E-Bus, der laut Wisser ansonsten über den gleichen Komfort und eine ähnliche Ausstattung wie ein moderner, konventioneller Bus verfügt, hängt in Weil am Rhein rund zehn Stunden an der Steckdose. Denn, das ist die zweite große Schwachstelle im System, bislang fehlt die Infrastruktur für eine Schnelladung der Akkus. Die 30 Jahre alte Strominfrastruktur im Depot sei schließlich nie für die Ladung von E-Bussen vorgesehen gewesen, erklärte David Konradi, Prokurist und Leiter Kraftverkehr SWEG.

Anfangs sei die Anlage völlig überlastet gewesen, nun wurde ein Antrag zur Erhöhung der Stromkapazität gestellt. Bis dahin arbeitet die SWEG mit einer „Behelfslösung“ (Konradi), um den einen Bus langsam über Nacht zu laden, was wiederum ohnehin besser für die Langlebigkeit der Akkus sei.

E-Fahrzeug kostet „weit über das Doppelte“ als Diesel-Bus

Die Umstellung auf einen emissionsfreien Betrieb kostet Stadt und SWEG viel Geld: Die Stadtwerke haben für die zweijährige Testphase Mehrkosten in Höhe von 50 000 Euro in den Wirtschaftsplan aufgenommen. Zudem kostet das E-Fahrzeug laut Wisser mehr als 500 000 Euro und damit „weit über das Doppelte“ im Vergleich zu einem Diesel-Bus.

Die Betriebskosten sind insgesamt ebenfalls höher: „Beim Kraftstoffverbrauch ist der E-Bus deutlich günstiger, Reparaturen an den Hochvolt-Komponenten sind aber sehr teuer“, sagte Wisser. Hinzu komme die Nachrüstung der Infrastruktur und die Umschulung der Mitarbeiter für die neue Technik. „Rein wirtschaftlich ist der Diesel sinnvoller“, sagte David Konradi.

Der klimafreundliche Ausbau der Infrastruktur und der Mobilität wird „richtig teuer werden“, sagte Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic und betonte: „Die Verkehrswende wird der städtische Haushalt nicht allein leisten können.“ Es bedürfe „großer Unterstützung von Land und Bund“ und zudem Subventionen sowie Investitionen in die Forschung, um die neue Technik effizienter und günstiger werden zu lassen.

 

Info: E-Bus Solaris Urbino 12 electric

Der eingesetzte E-Bus „Solaris Urbino 12 electric“ fährt laut einer Mitteilung der Stadt geräuschlos und besonders umweltfreundlich, da er im Fahrbetrieb keine Emissionen ausstößt. Die Batterien mit einer Kapazität von jeweils 40 Kilowattstunden verteilen sich auf fünf Pakete im Heck und auf dem Dach.

Die Batterien sind mit einem Schnellladegerät innerhalb von drei Stunden aufgeladen. Die Reichweite beträgt maximal 150 Kilometer. Insgesamt bietet der Bus Platz für 81 Passagiere mit 34 Sitzplätzen. Der Bus ist ein behindertengerechtes Niederflurfahrzeug und mit einer Neigetechnik, einer Rollstuhlrampe, kostenlosem WLAN, sechs USB-Steckdosen, einer Klimaanlage, einer Sondernutzungsfläche und einem TFT-Flachbildschirm zum Anzeigen des Fahrverlaufs ausgestattet.

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