Lörrach Mit dem Smartphone im Sprachbad

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Die jugendlichen Kursteilnehmer mit Kim Schmidt und Alexander Sehringer Foto: Christiane Breuer

Lörrach (cb). Es geht nicht ohne. Nicht in der Freizeit, nicht in der Schule, nicht im Restaurant, nicht beim Musikhören. Das Smartphone ist immer dabei. Es weiß mehr über dich als jeder andere, es kennt deine Gedanken, Gefühle und Sehnsüchte, es fesselt dich – und frisst deine Zeit.

Das Smartphone spielt die Hauptrolle in dem kurzen Musical, das 15 Jugendliche in der Sommer-Akademie der VHS unter der Leitung von Kim Schmidt und Alexander Sehringer einstudiert haben. Und zwar komplett in Englisch. „Musik und Theater kann man sehr gut in dieser Sprache machen, in einem ‚Sprachbad‘. Das heißt, man lernt nicht Grammatik oder Vokabeln, sondern man ist in der Sprache drin, man wird von ihr umgeben wie von Wasser“, erklärt Kim Schmidt.

Das Smartphone ist heute Teil der Lebenswirklichkeit von Jugendlichen, man braucht es, man nutzt es, man liebt es. Diese Abhängigkeit war Thema des Musicals, in dem die Jugendlichen in Liedern die Rolle des Handys in ihrem Leben darstellten und hinterfragten. Das Stück haben sie selbst geschrieben, die Liedtexte zum Teil angepasst. In „All you hear is Radio Gaga“ von Queen heißt es etwa „all you need is Internet”.

Die Jugendlichen bewegen sich auf der Bühne der Waldorfschule meistens als Gruppe, manchmal gehen sie auch einzeln durcheinander, immer gebannt vom Blick auf den Bildschirm ihres Telefons. Sie signalisieren: Bloß nichts verpassen! Andere richten eine Liebeserklärung an ihr Handy: „Ich liebe dich. Du bist wichtig für mich. Du kostest so viel Zeit. Ich brauche dich – brauchst du mich auch?“

Kleines feines Kunstwerk

Dass ihnen die Fixierung auf das Handy nicht ganz geheuer ist, kommt in der Interpretation des Songs „Control“ von Zoes Wees zum Ausdruck: „I don’t wanna lose control“ (Ich will nicht die Kontrolle verlieren).

In einer Szene löst sich die Fessel, das Handy verschwindet in der Tasche, man schlendert gelöst allein oder zu zweit auf der Bühne herum und spricht miteinander. Aber nur einen kurzen Augenblick. Dann starren wieder alle gebannt auf den Bildschirm. Zum Schluss dann doch die Erkenntnis „We can leave the world behind/Together we can take the time and make it right (Wir können die Welt hinter uns lassen/gemeinsam können wir uns die Zeit nehmen und es richtig machen)“, dass das Smartphone vereinsamt und man besser die Zeit zusammen verbringt, anstatt virtuell im Internet unterwegs zu sein.

Kim Schmidt, Gesangslehrerin, und Alexander Sehringer, ausgebildeter Popsänger, haben mit den Jugendlichen Gesang und Theater, Bewegung und Bühnenpräsenz eingeübt und das in nur 15 Stunden. So ist ein kleines feines Kunstwerk entstanden, das nachdenklich macht.

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