„Ich konnte in Lebensmitteln Vitamin C nachweisen und zwei Parfums kreieren.“ Das erklärt Kim ihren Zuhörern. Ihre Freundin hat ebenfalls etwas entwickelt, das sie zur stolzen Entdeckerin macht: Sie hat eine Schütteltaschenlampe gebastelt.

Von Dorothea Gebauer

Lörrach. Die beiden Mädchen und ihre Freundinnen hatten dabei soviel Spaß, dass sie den Kurs „Girls &Technik“ sofort wiederholen würden. Einmal im Monat, ein halbes Jahr lang, sind die Schülerinnen von Grenzach-Wyhlen nach Lörrach gefahren, um am Schülerforschungszentrum Phaenovum an sechs Lerneinheiten teilzunehmen. Sie haben unter anderem die grafische Programmiersprache „Scatsch“ gelernt oder einen „mRoboter“ entwickelt. Als Realschülerinnen wählen sie für die siebte Klasse die Fächer Französisch, Mensch und Umwelt (MUM) oder Technik und haben den Kurs als wunderbare Ergänzung erlebt. Denn er vereinfacht den Einstieg in technisches Arbeiten.

Niederschwellig, lustig, einfach und ohne „blöde Sprüche von Jungs“: Die Denkweise von Mädchen, so die Macher, sei manchmal, ohne Klischees bedienen zu wollen, doch anders als die der Jungs. Rainer Schwald, Gesellschafter bei livetec, einem erfolgreichen Unternehmen, das im Lörracher Innocel beheimatet ist, sagt: „Mädchen haben großes Potenzial, das muss gefördert werden.“ Er bietet für die, die den Kurs durchlaufen und Feuer gefangen haben, Praktika an. Auch so können Zugänge zum Handwerk geschaffen werden.

Für Mandy Reiss, Teamleiterin der Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit, geht es auch darum, das Selbstbewusstsein der Mädchen zu stärken. Nach der Pilotphase, die nun erfolgreich ein Ende fand, soll „Girls&Technik“ ab Herbst allen Realschulen im Landkreis angeboten werden. Mittelfristig möchte man auch auf das Schulamt zugehen. Zunächst ist das Programm nur für acht Schülerinnen offen. „Sollte der Bedarf größer sein, kriegen wir das auch irgendwie hin“, sagt Helga Martin, Geschäftsführerin des Phaenovum.

Alle Beteiligten profitieren vom Projekt

Eine dermaßen innovative und zarte Bildungspflanze braucht Förderer und Unterstützer. Zunächst schoss die Agentur für Arbeit, gemeinsam mit livetec und der Wirtschaftsförderung Geld zu, um im wesentlichen Material- und Personalkosten für die beiden Lehrpersonen Birgit Jelinek und Christina Neu zu übernehmen.

Es braucht aber auch eine offene Mentalität für das Projekt von Seiten der Schulleitung – wie bei Christoph Bigler, Schulleiter der Realschule Grenzach-Wyhlen. Er ging extra in den Unterricht der Mädchen und lancierte eine Werbebotschaft für den Kurs. Die hat gezogen. „Wäre das Angebot als E-Mail verschickt worden, wäre es untergegangen.“ Bigler wurde über Sabine Barde-Rütschlin, die Berufsberaterin der Schule, auf das Projekt aufmerksam. Sie wiederum erfuhr von einem Bekannten von dem Projekt, der am Phaenovum tätig ist. „Was für eine coole Sache“, sagte sie sich und fand beim Schulleiter Gehör.

Wie in jeder guten Partnerschaft hat jeder einen Nutzen davon. Die Agentur für Arbeit hat ein Interesse, die große Nachfrage in Handwerks- und MINT-Berufen zu befriedigen. Die Schulen haben ein Interesse, dass Schüler, die zwischen Französisch, MUM oder Technik wählen müssen, eine weitere Möglichkeit erhalten, das „ganz andere“ Fach dennoch in Teilen kennenzulernen.

Der Fachkräftemangel in Handwerk und Industrie ist ein Megathema, dem sich nicht nur die Schule stellen muss. Da braucht es starke, gut funktionierende Netzwerke.