Lörrach Nellie Nashorn will die Insolvenz abwenden

Markus Greiß
Aus Lörrach nicht wegzudenken – eigentlich: das Nellie Nashorn Foto: Kristoff Meller

Das soziokulturelle Zentrum fürchtet trotz Erhöhung des städtischen Zuschusses um seine Existenz und sucht nach zusätzlichen Geldquellen. Erste kreative Ideen liegen bereits vor.

Das Nellie Nashorn hat am Dienstagabend bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung nach Mitteln und Wegen gesucht, um seinen Betrieb in den nächsten Jahren finanziell solide weiterführen zu können.

Der Handlungsbedarf

Dass dringender Handlungsbedarf besteht, machte Vorstandsmitglied Philipp Bachmann vom Trägerverein „Freunde des Nellie Nashorn“ gleich zu Beginn der Veranstaltung deutlich: „Ihr habt es schon einmal geschafft, das Nellie zu retten – bei der Insolvenz 2014“.

Rund 50 Vereinsmitglieder waren der Versammlungseinladung gefolgt, in der konstatiert wurde, dass „das Haus in seiner Existenz bedroht“ sei. Patrick Dengl, Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft Nellie Nashorn Soziokultur, erläuterte die Hintergründe der nach seinen Worten „vertrackten Situation“: Seit 2008 habe der städtische Zuschuss 112 500 Euro pro Jahr betragen. Der Geldwert dieser nominal konstanten Summe sei in dieser Zeit aber inflationsbedingt gesunken. „Dabei brauchen wir das gleiche Geld wie vor 16 Jahren“, sagte Dengl.

Zum Ausgleich der Teuerung hatte das Nellie Nashorn bei der Stadt eine Zuschusserhöhung auf 160 000 Euro beantragt, letztlich aber nur eine Jahresunterstützung von 138 500 Euro bewilligt bekommen – zu wenig, um seine Existenz zu sichern. Man wolle daher jetzt vorausschauend und frühzeitig handeln, sagte Dengl.

Die Finanzierung

Er bezifferte den Jahresfinanzbedarf des Kulturzentrums, dessen drei Festangestellte und zwei FSJler jährlich 900 Termine zu verwalten hätten, auf 300 000 Euro.

Das Nellie müsse in Lörrach durch städtische Zuschüsse, Sponsorengelder wie jenen der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden und die vom Verein vereinnahmten Spenden 200 000 Euro erwirtschaften, um den möglichen Landeszuschuss von 100 000 Euro zu erhalten. Hierzu sei nun eine Erhöhung des Spendenaufkommens von knapp 40 000 auf gut 62 000 Euro erforderlich.

„Wie gelingt es uns, 2024 zusätzlich 25 000 Euro an Spenden einzusammeln?“, lautete denn auch eine Frage, die die Mitglieder anschließend in Kleingruppen diskutierten. Außerdem erörterten die Arbeitsgruppen Möglichkeiten, wie durch Einflussnahme auf die Politik eine Anpassung des Zuschusses an das reale Niveau von 2008 erreicht und wie bis 2026 insgesamt 230 neue Vereinsmitglieder gewonnen werden können. Die Vorschläge werden nun ausgewertet und in konkrete Initiativen überführt.

Die Projekte

Vorstandsmitglied Cornelia Kneser appellierte an die Vereinsmitglieder, sich aktiv an den Aktionen zu beteiligen. Sie stellte zudem das Kunstprojekt „Ein Nashorn fürs Nellie“ vor, das der Verein durch angeworbene Gelder ermöglicht: Der Bildhauer Thomas Putze wird im September eine neue Nashornskulptur für das Kulturzentrum schaffen, dem dann in Workshops gestaltete Nachbildungen des Rotschnabel-Madenhackers Gesellschaft leisten werden – eines Vogels, der mit dem Dickhäuter in einer Symbiose lebt.

Ein weiteres Vereinsprojekt ist die Unterstützung der Stolperstein-Initiative in Lörrach. Die Finanzen der Initiative, welche die Verlegung von Steinen zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus zum Ziel hat, werden laut Bachmann künftig bei den „Freunden des Nellie Nashorn“ angesiedelt sein.

Für Juli ist eine Stolpersteinverlegung unweit des Kulturzentrums geplant.

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