Lörrach Nicht das Ende der Fahnenstange

Die Stadt Lörrach wird weiter in die Kinderbetreuung investieren müssen. Foto: zVg

Lörrach - Viel investiert wurde von Seiten der Stadt in den vergangenen Jahren in die Kinderbetreuung, doch trotz zusätzlich eröffneter Einrichtungen werden noch mehr Plätze benötigt, um alle Bedarfe zu decken. Insbesondere in Tüllingen übersteigt die Nachfrage die Kapazität derzeit deutlich, wie die Vorstellung der Bedarfsplanung 2021/2022 im Hauptausschuss zeigte.

Bei der jüngsten Anmeldung im Frühjahr mussten 15 Tüllinger Kinder unter drei Jahren abgewiesen werden, von denen ein Großteil Geschwisterkinder sind, wie Hubert Bernnat (SPD) berichtete. Er erkundigte sich nach möglichen Perspektiven, doch die bauliche Situation vor Ort ist schwierig, erklärte Oberbürgermeister Jörg Lutz. Darum beschloss der Hauptausschuss letztlich den ohnehin vorgesehenen Prüfauftrag für die Erweiterung des Kinderhauses auf dem Bühl zu ergänzen, um mögliche weitere Flächen in Tüllingen zu suchen.

„Wir haben viel getan“, erinnerte Lutz indes an die jüngsten Projekte Alte Schule Haagen und Lingertstraße Hauingen. Gleichwohl seien solche Ausweitungen immer auch mit Kosten verbunden. In einer „Zeit des Sparens“ gelte es, „die Balance zu finden“, was man sich leisten könne und für welche Einrichtung man auch Mitarbeiter finde. Denn das Personal sei neben den Finanzen oftmals „ein Engpass“, so Lutz, der der Erfüllung der „berechtigten Wünsche der Eltern“ im Wege stehe.

Bedarfsplanung

Ilona Oswald, Fachbereichsleiterin „Jugend/Schulen/Sport“ und Anja Renkert, Teamleiterin Betreuung in Kindertageseinrichtungen, stellten die Bedarfsplanung 2021/2022 vor, die einen Ausbau um rund 100 bis 130 Plätze im U3-Bereich vorsieht (wir berichteten ausführlich), um die beschlossenen Betreuungsquote von 40 Prozent zu erreichen.

Auch beim Ü3-Bereich sei das „Ende der Fahnenstange beim Ausbau noch nicht erreicht“, erklärte Renkert. Derzeit werden lediglich 90,2 Prozent der Kinder über drei Jahren bis zum Schuleintritt in Kindergärten betreut. Bei einer angestrebten Betreuungsquote von 97 bis 100 Prozent fehlen hier weitere 130 bis 180 Plätze.

„Da waren wir schon mal deutlich besser“, kritisierte Margarete Kurfeß (Grüne). Sie sieht dringenden Handlungsbedarf. Ulrich Lusche (CDU) erkundigte sich, ob die Stadt in der Vergangenheit bereits mit großen Schweizer Firmen Kontakt aufgenommen habe, um eine finanzielle Unterstützung beim Ausbau des Angebots anzufragen. Schließlich hätten diese den Nutzen durch tausende Grenzgänger, während die Städte auf der deutschen Seite die Infrastruktur für die Kinderbetreuung stellten. „Das muss man hinterfragen dürfen“, sagte Lusche.

Viele eidgenössische Firmen und Institutionen verfügten zwar über eigene Betreuungsangebote, angesichts der deutlich höheren Kosten entschieden sich aber viele Grenzgänger für die Kitas und Kigas in Lörrach, bestätigte Lutz. Oswald kündigte an, den Hinweis aufzunehmen und die Schweizer Unternehmen anzufragen.

Schulkindbetreuung

Erstmals wurde auch die Schulkindbetreuung in die Bedarfsplanung aufgenommen. In diesem Bereich sei die Stadt aber „gut aufgestellt“, erklärte Oswald. „Der Bedarf kann gedeckt werden, aber wir lassen uns das einiges kosten“, sagte die Fachbereichsleiterin.

An allen Grundschulen gebe es inzwischen ein Betreuungsangebot. Als größere Maßnahmen in der Zukunft stehen spezielle Räume zur Betreuung im Zuge der geplanten Sanierung der Hellbergschule an. Dem von der Regierung beschlossenen Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung ab 2026 könne die Stadt aber „relativ gelassen entgegen sehen“, betonte Oswald.

Fachkräftemangel

Ein bundesweites Problem, dass auch in Lörrach auftritt, ist der Fachkräftemangel. Die Pandemie verstärkte die Mangelsituation zusätzlich. Viele Einrichtungen mussten 2020 immer wieder die Öffnungszeiten reduzieren.

Digitalisierung

Nicht nur die Schulen beschäftigt die Digitalisierung: „Wir brauchen eine adäquate Ausstattung in den Kindergärten, um sie zukunftsfähig auszugestalten – auch über die Pandemie hinaus“, erklärte Oswald. Die Fachkräfte bräuchten moderne Arbeitsplätze und Technik für die schnelle Kommunikation mit den Familien wie die „Kita-App“. Aber auch neben der grundsätzlich Interaktion ergeben sich sinnvolle Einsatzgebiete neuer Medien bei der Arbeit mit den Kindern.

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