Lörrach Oberrheinisches Sinfonieorchester brilliert

Jürgen Scharf
Das Oberrheinische Sinfonieorchester mit dem Cello-Solisten Denis Zhdanov. Foto: Jürgen Scharf

Das Oberrheinische Sinfonieorchester spielt am Sonntag, 2. Juli, 18 Uhr, in der Sparkasse Lörrach.

Seine Tour der Sommerkonzerte begann das Orchester in der Evangelischen Kirche Kandern und der Stadthalle Wehr.

Meisterwerke von Mozart und Tschaikowsky standen auf dem Sommerprogramm: Unter seinem neuen, sehr engagiert agierenden chinesischen Dirigenten Siping Wang überzeugte das Oberrheinische Sinfonieorchester Lörrach beim Auftakt seiner Konzerttour durch Leichtigkeit und Spielfreude. Der Eindruck verstärkt sich, dass dieser Klangkörper immer besser wird.

Den Nerv getroffen

Der neue Mann am Pult ist wohl mit allen musikalischen Wassern gewaschen. Der Auftritt zeigte, wie fesselnd populäre und vielgespielte Werke klingen können, wenn ein semiprofessionelles Orchester ermutigt wird, sich in der Musik auszuleben. Die Streicher und Bläser trafen in den aufgeführten Werken in allen Facetten den Nerv der Musik: aufregend, spannend, packend und ergreifend.

Besonders aufregend und eindrücklich war die Aufführung der Rokoko-Variationen von Tschaikowsky, ein Standardwerk, das alle großen Cellisten „auf dem Kasten haben“. Mit Denis Zhdanov, Solocellist des Philharmonischen Orchesters Freiburg, machte der in Freiburg lebende Dirigent einen hervorragenden Griff.

Konzertant-virtuos

Dieser Cellist lebt das romantische Konzertstück von Tschaikowsky konzertant-virtuos aus. Technisch gehört dieser Solopart der Variationen über ein Rokokothema und der Charakterstücke zum Diffizilsten, was es in der Celloliteratur gibt. Wie das Soloinstrument hier gefordert wird, zeigte der Solist in jedem Ton. Zhdanovs phänomenales Können spiegelte den aktuellen Stand instrumentaler Virtuosität wider.

Mit großem Bogen, kräftigem Strich, emotional und vehement geht der gebürtige Russe die Musik seines Landsmanns an. Es war nicht so, als würde man in eine vergangene Welt blicken. Also kein bisschen retrospektiv, weder perückenartig noch verzopft, sondern ein modernes einsätziges Cellokonzert.

Grandios gespielt, wie auch die Zugabe, das Konzertpräludium Nr. 10 des ukrainischen Komponisten Michail Bukinik. Diese Etüde ist original für Cello und war in den 1960er Jahren ein obligatorisches Stück beim berühmten Tschaikowsky-Wettbewerb.

Kraftvoll und individuell

Was Enthusiasmus und Harmonie zwischen Dirigent und Orchester, die gute Schulung und der Dialog zwischen Konzertmeister und Solist ausmachen, hörte man in diesem Programm, das auch unser Wissen über Schubert erweiterte. Die fünf Deutschen Tänze des jungen Schubert mit Momenten eines auftrumpfenden Selbstbewusstseins wurden interpretatorisch kraftvoll und individuell von dem Streicherkörper realisiert. Die Tänze hatten nervigen Puls und die rechte Dramatik, auch die typischen Ländler konnten gefallen, ebenso die pastoralen Trios.

Der Gewinn an Durchsichtigkeit und Orchesterbrillanz wurde nicht zuletzt in der abschließenden großen g-Moll-Sinfonie Nr. 40 von Mozart ohrenfällig. Auch hier fiel auf, mit welchem Schwung und dynamisch durchgeformtem Orchesterklang sich Siping Wang diesem absoluten Höhepunkt von Mozarts sinfonischem Schaffen nähert.

Den Affekten und musikalischen Charakteren in der leidenschaftlich erregten und abgründigen Tonart g-Moll, nicht zuletzt der Ästhetik des Schönen bei Mozart, wurden die Oberrheinischen voll gerecht.

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