Lörrach Pfarrerin lobt versöhnlichen Ton

An der zeitaufwändigen Sanierung des Kirchturms Hauingen erhitzten sich im Ortschaftsrat die Gemüter. Foto: Peter Ade

Lörrach-Hauingen - Der befürchtete große Ärger blieb aus. Trotzdem kritisierte der Hauinger Ortschaftsrat am Dienstag in seiner ersten öffentlichen Sitzung im neuen Jahr die massiven Mehrkosten bei der Sanierung des Turms der Nikolauskirche (wir berichteten). Pfarrerin Martina Schüßler lobte indes den versöhnlichen Ton der Debatte.

Ausgangspunkt war die von der Verwaltung zur Beschlussfassung vorgelegte Endabrechnung der Turmarbeiten, die im vergangenen Jahr über mehrere Wochen hinweg stattfanden. Aufgrund der zusätzlich erfolgten Fassadensanierung erhöhten sich die Gesamtkosten um 32 532 auf 72 532 Euro.

Dies erzürnte alle Fraktionen. „Es ist einfach unglücklich gelaufen“, kritisierte Ralf Renckly (Freie Wähler) die Tatsache, dass der Ortschaftsrat im Vorfeld über die von der Stadt in die Wege geleitete erweiterte Baumaßnahme nicht informiert worden sei. Man habe überdies die beauftragten Firmen nicht beaufsichtigt, wodurch es zu einem langen Stillstand bei den Arbeiten gekommen sei.

Allein die Gerüstkosten – zunächst mit 11 604 Euro veranschlagt – erhöhten sich in Folge der Verzögerung am Ende um 19 327 auf 31 327 Euro. Die Stadt bestätigte dies und erklärte zu den Dacharbeiten: „Es entstanden Mehrkosten, da sich aufgrund unvorhersehbarer Schäden und vor allem durch die Vorgaben der Denkmalschutzbehörde zusätzlicher Arbeitsaufwand ergeben hatte.“

Annette Buchauer, Fachbereichsleiterin Grundstücks- und Gebäudemanagement, verwies darauf, dass zum Beispiel die historischen Ziegel und Dachlatten erhalten bleiben und die vorhandene Dacheindeckung aus Biberschwanzziegeln von grober Verschmutzung gesäubert und wieder eingebaut werden musste.

Schließlich, so Buchauer, habe sich die Stadt entschieden, im Zuge der Baumaßnahme das Gerüst auch für eine Fassadenerneuerung in Höhe von 18 651 Euro zu nutzen. Da zusätzliche Fugen saniert werden mussten, habe sich die Auftragssumme am Ende um 2378 auf insgesamt 21 029 Euro erhöht.

Nichts geändert hat sich für das Storchennest auf dem Turm. Der Storchenexperte Wilhelm Weiß, Ortsvorsteher von Holzen, bestätigte gegenüber der Stadt, dass das Nest am Dachrand richtig positioniert ist und an seinem Standort belassen werden sollte.

Jürgen Weltin (CDU) bemängelte, dass die Turmarbeiten nicht „aus einem Guss“, sondern mit erheblicher Verzögerung erfolgten. „Da wurde unnötig Geld verpulvert, und man hat den Ortschaftsrat nicht gefragt.“ Annette Bachmann-Ade (SPD) ergänzte: „Mich ärgert einfach, dass die Kosten unnötig aufgelaufen sind und keine Vergleichsangebote eingeholt wurden.“

„Mehr als ärgerlich“, unterstrich Ortsvorsteher Günter Schlecht und bat die Stadt, derlei Pannen und kostspielige Zeitverzögerungen in Zukunft zu vermeiden. Außerdem müsse die Kooperation mit der Ortsverwaltung verbessert werden.

Fachbereichsleiterin Buchauer räumte Versäumnisse ein und versprach: „Wir geloben Besserung.“ Letztlich stimmte der Ortschaftsrat – wenn auch zähneknirschend – einhellig der Schlussabrechnung zu. Derweil freute sich Pfarrerin Martina Schüßler über den „schönen neuen Kirchturm“ und lobte die „gute Atmosphäre“ während der Diskussion über die strittigen Punkte.

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