Lörrach Präsenz lässt sich nicht ersetzen

Das Theaterhaus soll sobald wie möglich wieder für Veranstaltungen geöffnet werden. Foto: Marianna Brevetti Foto: Die Oberbadische

Das Theater Tempus fugit war kürzlich zu einem Online-Austausch mit Kulturstaatssekretärin Petra Olschowski eingeladen. Initiiert hatte das Gespräch Josha Frey, Landtagsabgeordneter der Grünen. Von Tempus fugit waren Leiterin Karin Maßen sowie Hanna-Laura Veit (stellvertretende Leitung Schwerpunkt Ausbildung), Elias Füchsle (Schauspiel), Laura Huber (Theaterpädagogik) und Maren Spencer (Öffentlichkeitsarbeit) beteiligt.

Lörrach. Deutlich wurde, welche Bedeutung 2020 die Corona-Soforthilfe, die Förderung im Rahmen des Programms „Kultursommer“ des Landes und die Neustarthilfen des Bundes für das Theater hatten, so eine Mitteilung des Theaters. Zugleich sei klar geworden, dass Tempus fugit dringend auf verlässliche Förderung, vor allem des Landes, der Kommunen, der Kooperationspartner, der Stiftungen und Förderer angewiesen sei. „Es muss weiterhin ein Ziel sein, von der hohen Projektabhängigkeit weiter runter zu kommen“, schreibt das Theater.

Auf die Frage nach den Aktivitäten zeigten sich Frey und Olschowski erstaunt, dass das Theater 2020 so aktiv bleiben konnte, neue Projekte und interaktive Formate entwickelte und den Bezug zu fast allen Projektpartnerschulen halten konnte. Deutlich wurde aber auch, dass die Themen Inklusion und Integration sehr von der Pandemie geprägt sind und der direkte Bezug da am meisten fehlt. Umso besser ist es, dass die Förderung durch Herzenssache, die im Januar bewilligt wurde, den weiteren barrierefreien Ausbau des Theaters auch für Menschen mit Seh- und Hörbeeinträchtigung möglich machen wird.

Umschalten auf digitale Konzepte ein enormer Kraftakt

Das Theater hat zudem alles unternommen, um den Kontakt zu Kindern und Jugendlichen zu halten. Bis in den August war das Umschalten auf digitale Konzepte, Film- und Videoveröffentlichungen möglich. Dies sei aber ein enormer Kraftakt gewesen und vor allem aufgrund der guten Zusammenarbeit mit dem Schulamt und einer schnellen Aneignung digitaler Kontakt- und Kommunikationsmöglichkeiten gelungen. Ab September wurde es schwierig, neue Gruppen digital aufzubauen. So wurden auch die Hausgruppen weitestgehend ausgesetzt und sollen neu aufgebaut werden.

Oft, so Hanna-Laura Veit, scheitere die digitale Kommunikation an bürokratischen Hürden oder am Datenschutz. Aktuell, führte Schauspieler Elias Füchsle aus, konzentriere man sich auf Streaming-Formate. Allerdings sei dies mit einem enormen Aufwand verbunden, der auf Dauer nicht zu stemmen sei, wenn noch weitere Projekte hinzukämen.

Sobald wie möglich werde man darum wieder auf Präsenz setzen. Große Stärke von Tempus fugit sei dabei, dass die Durchführung von Präventionsprojekten, die auch sensible Thematiken wie sexualisierte Gewalt behandeln, stets in Zusammenarbeit mit professionellen Netzwerkpartnern stattfinde.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage nach der Befindlichkeit Jugendlicher in der Pandemie. Welche Rolle kann das Theater, kann die kulturelle Bildung, nach der Öffnung einnehmen, um dem Frust, den Sorgen, den Ängsten und eventuellen angestauten Aggressionen zu begegnen?

Hierbei wurde klar, dass es im Hinblick auf Partizipation, Selbstgestaltung, das „Gebrauchen“ des Theaters als eine Form, zu Wort zu kommen, gesehen und gehört zu werden, kreativ mit den Erlebnissen umgehen zu lernen, vor allem die Öffnung braucht.

Erste Erfahrungen wird Tempus fugit in Zusammenarbeit mit Klassen aus dem Elsass wie auch in Partnerklassen machen. Diese Projekte sind laut der Mitteilung dank konsequenter Testung – alle fünf Tage werden alle Mitarbeiter, Auszubildenden und das Spielzeitteam getestet – anzudenken. Da der Austausch mit den Schulen nicht nachgelassen habe, werde dies sobald als möglich neben den Streaming-Formaten initiiert werden. Die direkten Begegnungen seien wichtig, und die Not der Jugendlichen wachse. Deshalb plane das Theater Künstlerbegegnungen in Kleinstgruppen im Freien, ein Kultur-Telefon und weitere Formate.

Frey und Olschowski sicherten zu, dass Tempus fugit von Seiten des Landes eine hohe Wertschätzung habe und es enorm wichtig sei, im Gespräch zu bleiben. Einerseits wegen der Finanzsituation, andererseits auch durch die pandemiebedingt zu erwartenden Engpässe. Förderungen laufen aus, und es konnten keine neuen Projektanträge, die auf analogem Austausch beruhen, gestellt werden.

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