Lörrach Preisspirale dreht sich immer weiter

 Foto: Kristoff Meller    

Lörrach - Grundstücke, Wohnungen und Häuser werden in Lörrach immer mehr zu einem raren Gut. Folglich steigen die Preise weiter deutlich an. Das gilt besonders für ältere Eigentumswohnungen. Dies wurde gestern Abend bei der Vorlage des Berichts zum örtlichen Grundstücks- und Immobilienmarkt für die Jahre 2017/18 im Gemeinderat deutlich.

„Als ich 2010 nach Lörrach kam, dachte ich, höher geht es nicht mehr, aber die Immobilienpreise stiegen seither jedes Jahr.“ Mit diesem Zitat brachte Thomas Welz die frustrierende Preisspirale auf dem Lörracher Immobilienmarkt mit einem Satz auf den Punkt.

Der Leiter des Fachbereichs Vermessung ist gleichzeitig Vorsitzender des Gutachterausschusses. Dieser hat den besten Überblick über die Immobilienkäufe und -verkäufe in Lörrach und Inzlingen. Laut Welz werden in Lörrach und Inzlingen jährlich etwa 1100 Grundstücksgeschäfte getätigt. Damit liegt die Zahl der Kaufverträge – bezogen auf die Einwohnerzahl – mehr als doppelt so hoch wie im bundesweiten Durchschnitt. „Der Eindruck, dass auf dem hiesigen Immobilienmarkt nicht viel Bewegung ist, ist somit falsch“, betonte Welz.

Die Preise für Baugrundstücke

„Die Bodenpreise sind trotz des schon hohen Niveaus weiter deutlich angestiegen“, resümierte Welz. Die Preise stiegen durchschnittlich um 16 Prozent in Lörrach und in Inzlingen um zwölf Prozent. Insgesamt ist die Stadt in 31 Richtwertzonen aufgeteilt. Überall zeigt die Preiskurve nach oben. In der Innenstadt sind je nach Lage zwischen 70 und 150 Euro pro Quadratmeter (+11 Prozent) mehr zu zahlen. In Mischgebieten lag die Teuerungsrate zwischen 60 und 80 Euro (+17%). Pro Quadratmeter müssen Käufer somit in der Innenstadt mit Preisen zwischen 570 und 1620 Euro pro Quadratmeter kalkulieren.

In den Wohngebieten erhöhten sich die Grundstückskosten um 40 bis 120 Euro pro Quadratmeter (+16%). Wer in Lörrach bauen will, muss, sofern er überhaupt ein Grundstück bekommt, zwischen 380 Euro in Brombach und Hauingen (Steinsack und Ortmatt) und 710 Euro am Leuselhardt rechnen. „Unter 400 Euro ist so gut wie nichts mehr zu haben, und es geht weiter nach oben“, kann Welz keine Preisentwarnung geben. Hier einige Preisbeispiele pro Quadratmeter Baugrund: Nordstadt 470 Euro, Hünerberg 610 Euro, Salzert 460 Euro, Tüllinger Berg 550 Euro, Tumringen Süd 530 Euro, Haagen Ortsmitte und Röttelnweiler 500 Euro Hauingen Im Leh und Lehbühl 420 Euro, Brombach Bühl 460 Euro.

Die höchsten Preissteigerungen gab es in mit 31,6 Prozent in Haagen (Ortsmitte, Röttelnweiler), in der Homburgsiedlung (+18,4%), Salzert und Bühl Brombach (+18%). Zweistellig waren die prozentualen Steigerungen überall, am niedrigsten mit zehn Prozent in Tüllingen (Dorfkern mit Obertüllingen). In Einzelfällen wurden laut Welz am Leuselhardt bis zu 900 Euro pro Quadratmeter gezahlt.

In Inzlingen liegen die Baugrundpreise zwischen 330 und 370 Euro (+12%) pro Quadratmeter.

Gewerbe-, Garten- und Landwirtschaftsflächen

Flächen für das produzierende Gewerbe kosten in der Kernstadt 150 und in den Ortsteilen 140 Euro pro Quadratmeter. Die Teuerungsrate für den Groß- und Einzelhandel beläuft sich in der Kernstadt auf 30 und in den Ortsteilen auf 20 Euro.

Preislich stabil sind die Preise für Grundstücke in Gartenhausgebieten geblieben. Am Tüllinger Berg sind sie um zwei Euro auf 25 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Für land- und forstwirtschaftliche Flächen wurden insgesamt zwischen zehn und 20 Cent pro Quadratmeter mehr gezahlt.

Eigentumswohnungen

Die höchsten Preissteigerungen sind bei Eigentumswohnungen zu verzeichnen. „Während Neubauwohnungen durchschnittlich um 16 Prozent teurer wurden, betragen die Preissteigerungen bei den älteren Wohnungen bis zu 39 Prozent“, erklärte Gerold Hain, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Vermessung. Ein Beispiel macht diesen Trend besonders deutlich: Für eine über 40 Jahre alte und 80 Quadratmeter große Wohnung zahlte man 2018 im Schnitt 2476 Euro pro Quadratmeter. Im Jahr 2012 bekam man dafür in Lörrach noch eine gleich große Neubauwohnung (2486 Euro).

Über alle Größen und Altersklassen hinweg sind die Preise für Eigentumswohnungen in den beiden vergangenen Jahren um 25 Prozent gestiegen. Am deutlichsten fielen die Preissteigerungen mit fast 40 Prozent bei Wohnungen aus, die mehr als 51 Jahre alt sind. Je nach Größe und Lage sind hier zwischen 2070 und 2108 Euro pro Quadratmeter zu zahlen. Welz wies in diesem Zusammenhang auf den häufig sehr hohen Sanierungs- und Modernisierungsbedarf hin. Trotzdem sind diese Wohnungen sehr beliebt, weil sie „noch bezahlbar für Normalverdiener“ sind, vermutet Welz.

Die Anzahl der verkauften Neubauwohnungen hat sich gegenüber den Jahren 2016/17 halbiert und liegt jetzt deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt.

Außerordentlich beliebt sind Penthouse-Wohnungen. Obwohl sie preislich im Schnitt 20 Prozent teurer sind als Wohnungen im darunterliegenden Geschoss, werden diese meist zuerst verkauft.

Doppel- und Reihenhäuser

Die Preise für Doppel- und Reihen-Endhäuser haben mit durchschnittlichen Kaufpreisen von 472 000 Euro die Marke von einer halben Millionen Euro fast geknackt. Im Jahr 2002 kosteten diese Objekte noch 269 000 Euro und im Jahr 2012 290 000 Euro. Seither dreht sich die Preisspirale immer schneller. Allein in den beiden vergangenen Jahren stiegen die Preise um 21 Prozent an. Reihenmittelhäuser kosten im Schnitt 396 000 Euro in Lörrach.

Käufer mit Schweizer Nationalität

Den oft geäußerten Eindruck, dass viele Käufer mit Schweizer Nationalität und Wohnort in der Schweiz auf den Lörracher Wohnungsmarkt drängen, konnte Welz nicht bestätigen. Bis zum Jahr 2015 lag deren Anteil bei drei bis vier Prozent. In den Jahren 2016/17 stieg er dann auf acht Prozent an, um im vergangenen Jahr plötzlich wieder auf drei Prozent abzusacken. Eine Erklärung hat auch Welz dafür nicht parat.

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