Lörrach Richtiger guter Jazz und dazu Max Mutzke

Tonio Paßlick
Virtuos Foto: Tonio Paßlick

Von Tonio Paßlick

Lörrach. Und plötzlich steht auf der Bühne des Burghofs: Max Mutzke, der am 6. Juli das Stimmen-Festival eröffnen wird. Innige Umarmung mit Wolfgang Haffner, dem Star des Abends. Und eine unerwartete Zugabe mit dem Hit „What’s going on“.

Haffner und Mutzke kennen sich lange und gut. Denn der Weltstar unter den deutschen Drummern ist auch Komponist und Produzent. Unter anderem von der isländischen Fusion-Band „Mezzoforte“ und von – ja, richtig: Max Mutzke.

Zwei Stunden lang hält der „coolste Drummer Deutschlands“ (ARD) sein Publikum unter Spannung. Im seinem Programm „Haffner plays Haffner” spielt er mit seinem vor einem Jahr zusammengestellten Trio Kompositionen aus der bereits 40 Jahre währenden Karriere des Bandleaders, aber hörbar neu interpretiert. Außerdem streut er Klassiker seiner Erfolgsalben „Kind of Cool”, „Kind of Spain”, „Urban Life“ und „Kind of Tango” in neuen Arrangements. „Ihr wollt doch guten Jazz hören, richtig?“ fragt der Zeremonienmeister sein begeistertes Publikum. Und das jubelt zustimmend.

Für seine aktuelle Fusionjazz-Groovemaschine hat Haffner den 23-jährigen Ausnahme-Keyboarder Simon Oslender mit seinem Fender Rhodes an Bord geholt. Er ist einer der Shooting Stars der europäischen Jazzszene. Sein Debütalbum „About Time”, schaffte es auf Anhieb in die Top 10 der deutschen Jazzcharts. Neuer Bassist im Wolfgang Haffner Trio ist der Wahl-Berliner Thomas Stieger, ein aufregend unkonventioneller Vertreter seines Instruments. Stieger sorgt seit Jahren für das Fundament in der Band von Sarah Connor und ist zudem gern gesehener Gast bei vielen Stars. Und er hat fast ein Heimspiel in Lörrach, da er in Breisach aufgewachsen ist, wie Haffner schmunzelnd bei der Begrüßung der Eltern seines Bassisten verrät.

„Ihr wisst nicht, wie sehr ihr uns gefehlt habt“

Alle drei Musiker verbindet eine wesentliche Fähigkeit: eine schwebende Leichtigkeit mit kompakter mitreißender Energie zu verbinden. Haffner sitzt mit seinem Schlagzeug optisch wie akustisch im Mittelpunkt. Er swingt hinreißend, er rockt, und er beweist selbst bei schwindelerregend virtuosen Wirbeln ein Fingerspitzengefühl für den Puls-Wechsel, für spannende Rhythmus-Verschiebungen und atmosphärische Gegensätze und Riffs. Wolfgang Haffner ist auf über 400 Alben zu hören, er spielt(e) weltweit auf den wichtigsten Jazzfestivals und tourte in 100 Ländern, von Japan bis USA, von Südafrika bis Brasilien.

Die Liste der erhaltenen Auszeichnungen und Preise sowie der Musiker von Weltrang, mit denen er spielt, ist schier unendlich. Und dann steht er am Bühnenrand und sagt: „Ihr wisst gar nicht, wie sehr ihr uns gefehlt habt.“

Trotz aller Routine beweist Haffner, wie wichtig für ihn als Jazzer musikalische Frische und Neugier bleiben. Kind bleiben: In einer Szene wird dies offen zelebriert. Als er das schwarze Tuch lüftet, unter dem drei Plastik-Spielhämmerchen liegen, mit denen er seine Schenkel und seinen Kopf bearbeitet. Auf einer Tour mit Albert Mangelsdorff hatte er sie in Frankreich entdeckt. Und wie alle klingenden Gegenstände in sein Repertoire aufgenommen.

Wolfgang Haffner ist ein Meister von Atmosphäre, Groove und Flow. Er bedient sich beim Flamenco wie beim Bolero, lässt traumschöne Klang-Cluster entstehen und setzt Instrumente wie eine Schlitztrommel oder ein Röhrenxylophon zum melodischen Unterbau für experimentelle Klänge auf dem Bass oder dem Synthesizer ein. Der typische Haffner-Sound liegt in diesem untrüglichen Gefühl für spannungsgeladene atmosphärische Stimmungen und ihre dynamischen Übergänge in völlig neue Settings. Das Publikum reagiert euphorisch. Allein die Zugaben dauern fast zwanzig Minuten.

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