Lörrach Saures gewürzt mit Frohsinn

Die Oberbadische, 13.02.2018 17:42 Uhr

Nach einer langen Reihe närrischer Feten benötigt der Narr Saures. Der Hering ist dafür wie gemacht. Die beste Gelegenheit zum Genuss dieser Fischspezialität bot gestern das Heringsessen der Narrengilde im Lasser-Saal. Eine Tradition mit Esprit und damit noch einmal ein närrischer Höhepunkt.

Von Gerd Lustig

Lörrach. Bevor es jedoch ans Eingelegte ging, führte Obergildenmeister Jörg Roßkopf durch einen entspannt-kurzweiligen Vormittag. „Das ist die einzige Sitzung, bei der ich nicht weiß, was alles passiert“, scherzte der Narrenboss in weiser Voraussicht. Und so gab es auch diesmal wieder einige Überraschungen, bei denen ausgiebig gelacht werden durfte.

Gut lachen hatten natürlich auch der Obergildenmeister und sein Vorstandsgefolge. „Stolz bin ich vor allem auf das Team und die gute Kameradschaft“, zog Roßkopf eine erste Bilanz nach einer schönen und erfolgreichen Saison. Obwohl fast die Hälfte der Vorstandsmitglieder neu im Amt ist, kam der Gildenchef trotzdem zu dem Schluss, „dass alles ausgezeichnet geklappt“ hat. Und wenn einmal etwas nicht funktioniert habe, habe man es nicht gesehen.

Dass die Fasnacht viel Geld kostet, machte er gleichfalls deutlich. Knapp 100 000 Euro hat die Kampagne 2017 verschlungen. Über den Pin- und Plakettenverkauf kamen rund 20 000 Euro wieder in die Kasse. Weil die Gilde aktuell nur noch rund 15 000 Euro auf der hohen Kante hat, blickt Roßkopf bereits gespannt auf das Ergebnis 2018, vor allem aufgrund des Regens am Fasnachtssonntag und dem damit verbundenen geringeren Plakettenverkauf (erstmals durch eine Fremdfirma).

Eines machte Roßkopf daher für die Zukunft deutlich: „Jede Fasnacht ist für uns ein Ritt auf der Rasierklinge und jeder Wetterbericht für den Umzugssonntag ist wie eine Ziehung der Lottozahlen.“

Losgelöst von Zahlen freute den Obergildemeister eigenen Worten zufolge das große Engagement von Protektorin Margarete Kurfeß. „Nicht viele Protektoren sind bislang mit einer solchen Freude aufgetreten wie unsere Margarete“, lobte Roßkopf. Den besten Beweis für gelebte Narretei steuerte sie dann mit einem umgetexteten Hildegard Knef-Song bei. Wie tags zuvor an der Mehlsuppe erntete die Grünen-Stadträtin dafür lang anhaltenden Applaus.

Auch Oberzunftmeister Andreas Glattacker lobte die fasnächtlich kreative Protektorin. Gleichzeitig konstatierte er eine schöne Zusammenarbeit von Zunft und Gilde und hatte noch ein besonderes Zuckerl parat: Für die Wagenbauer spendiert die Narrenzunft einmalig einen ansehnlichen Geldbetrag. Ehrengildenrat Hans Posovszky freute sich darüber, dass ein guter Umgangston zwischen Saal- und Straßenfasnächtlern herrscht. Das war nicht immer so.

Die Lacher auf ihrer Seite hatten die beiden Schnitzelbank-Vorträge der „Rätschgosche“ sowie „Ottfried und Gottfried“. Später wurde Obergildenmeister Jörg Roßkopf zum Karnevalsprinzen ernannt, zumal die Gilde seit dem 1. Januar offiziell dem Bund Deutscher Karneval beigetreten ist (weil dann die fällige Gema deutlich geringer ausfällt). Und was braucht ein Prinz? Na klar, eine Prinzessin. Und die war mit der Stadtplanungschefin Monika Neuhöfer-Avdic schnell gefunden.

Sie sei die vergangenen Tage nur deshalb nicht in Lörrach gewesen, weil ihr Bruder zum Karnevalsprinzen in ihrer Heimat Honnef gewählt worden sei, erklärte die gebürtige Rheinländerin. „Vielleicht gründe ich ja hier die erste rheinisch-alemannische Fasnachtsgesellschaft“, schmiedete Neuhöfer-Avdic spontane Zukunftspläne. Der Obergildenmeister jedenfalls freute sich, dass im Rathaus eine rheinische Frohnatur sitzt. Und wer weiß, vielleicht ist sie ja die nächste Protektorin.