Lörrach „Schauen Sie andächtig“

„Ton läuft. Wir drehen.“ Diese Ansage war am Freitagnachmittag immer wieder in der evangelischen Germanuskirche Brombach zu hören. Der Lörracher Filmproduzent Maurice L. Kubitschek drehte dort zusammen mit dem Hamburger Regisseur Julian Ilfort Szenen aus seinem Kurzfilm „Der himmlische Kuppler“ (wir berichteten).

Von Regine Ounas-Kräusel

Lörrach-Brombach. „Es wird eine wunderbare Komödie“, sagte Maurice L. Kubitschek über den Film, der von der mittelalterlichen Novellensammlung „Dekameron“ von Giovanni Boccaccio inspiriert ist. Die Geschichte: Silvia Rockmann, eine reiche gelangweilte Ehefrau, verguckt sich in einem Gottesdienst in den hübschen Kirchendiener Felix und versucht, ihn mit List und weiblicher Raffinesse für sich zu gewinnen. Humor und Ernst lägen in der Geschichte nah beieinander. Sie sei ein Spiegel der menschlichen Fehlbarkeit, verriet Kubitschek.

Statisten füllten in der Gottesdienstszene am Freitag die Kirchenbänke. Menschen also, die kurzfristig und spontan einem Aufruf des Filmteams gefolgt waren. Am frühen Nachmittag standen sie im Sonntagsanzug oder Kleid vor der Kirche, saßen im Gemeindehaus am Schminktisch und warteten.

Auch Gabi Kauschinger und zwei weitere Frauen der Markgräfler Trachtengruppe machten mit. Kubitschek habe sie kürzlich bei einer Marschprobe für einen Werbefilm zum Basel-Tattoo entdeckt, erzählte Kauschinger. Am Donnerstag sei dann per WhatsApp die Anfrage gekommen, ob sie bei seinem Kurzfilm dabei sein wollten.

Neugierig und zum Teil auch amüsiert, verfolgten die Statisten in der Kirche, mit wie viel Aufwand die Filmcrew eine kleine Szene drehte, die vor Beginn des Filmgottesdienstes spielte. Ein Mannn aus der Crew wuselte umher und platzierte die Menschen in den Bänken. Techniker prüften die Kamera, das Mikrofon und den Scheinwerfer, der später wie ein Sonnenstrahl taghelles Licht auf die Szene warf. Dann fiel die Klappe.

Nach der Anweisung „Ton läuft. Wir drehen.“ eilte Schauspielerin Carolin For-tenbach als Freundin der Hauptperson von rechts herein, drängelte sich an den Frauen und Männern in der ersten Kirchenbank vorbei, lächelte entschuldigend und setzte sich. Mit einem freundlichen „Danke“ beendet Regisseur Ilfort die Szene. Doch bis er zufrieden war, ließ er dreimal drehen. Auch den Statisten gab er Anweisungen: „Schauen Sie andächtig.“

Insgesamt wurde von Donnerstag bis Sonntag für den 15-minütigen Kurzfilm gedreht. Schauplätze waren die Germanuskirche mit Kirchgarten und ein Lörracher Privathaus. Überwältigt war Maurice L. Kubitschek von den vielen Menschen, die sein Projekt unterstützten. Ohne sie hätte die Produktion eines solchen Kurzfilms rund 100 000 Euro gekostet, sagte er.

Die Profischauspieler Sven Gielnik (bekannt aus Tatort, „Hanni und Nanni“), Maike Bollow (Tatort, „Heute bin ich blond“), Christian Heller (Schauspieler, Sprecher, Musicaldarsteller), Jürgen Uter (Tatort, Morden im Norden) und Carolin Fortenbach (Schauspielerin, Sängerin) wirkten mit als Kirchendeiner Felix, als Silvia Rockmann und als ihr Ehemann, als Pfarrer und als Freundin.

Die Darsteller und die Filmcrew arbeiteten kostenlos. Zu den Unterstützern gehörten der Rührberger Hof, das Modehaus Diehl und die Feuerwehr, die in einer Szene für Regen sorgte. Uschi Maiß, Elke Schneider und Katja Schmuck-Bachmann vom Laientheater „Bühneli“ kümmerten sich unter anderem um die Maske.

Der junge Produzent Maurice L. Kubitschek dreht mit seiner Lörracher Firma „Langsommer“ vor allem Werbespots und Imagefilme. Mehrmals nahm er aber auch schon mit Kurzfilmen erfolgreich an Filmfestvals teil. Mit seinem Streifen „Der himmlische Kuppler“ will er sich für die Filmfestspiele 2020 in Cannes bewerben und ihn auch bei weiteren Filmfestivals zeigen. So hofft er, auch als Filmemacher bekannt zu werden.

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